Europas Milliarden-Abwehrbeben
Leonardos KI-Dome bricht in Rheinmetalls Abwehrmarkt ein
Leonardo bringt mit dem "Michelangelo Dome" ein KI-Abwehrsystem gegen Drohnen und Raketen. Damit greift der Konzern einen Milliardenmarkt an, der bisher von Rheinmetall dominiert wird.
- Leonardo präsentiert KI-Abwehrsystem "Michelangelo Dome".
- System schützt kritische Infrastruktur vor Luftbedrohungen.
- Marktvolumen von 203 Milliarden Euro in 10 Jahren.
- Report: Vorsicht, geheim!
Leonardo hat am Donnerstag in Rom ein neues mehrschichtiges Luftverteidigungssystem vorgestellt, das Europas rasant wachsenden Abwehrmarkt verändern könnte. Der "Michelangelo Dome" ist ein KI-gesteuertes Netzwerk, das kritische Infrastruktur sowie strategisch wichtige Zonen gegen moderne Luftbedrohungen schützen soll. Dazu verknüpft das System Sensoren und Plattformen aus Raumfahrt, Luft, Land und See und arbeitet ähnlich wie Israels "Iron Dome".
Das System soll Raketen, Marschflugkörper, Drohnen und Hyperschallwaffen frühzeitig erkennen, verfolgen und neutralisieren. CEO Roberto Cingolani betonte die sicherheitspolitische Relevanz: "Dieses Modell ist in den kommenden Jahren für die Sicherheit Italiens, Europas und der NATO-Staaten von großer Bedeutung." Er kündigte an, dass ein gemischtes Team aus Leonardo-Experten und Angehörigen der italienischen Streitkräfte "eine Architektur nach den Bedürfnissen unserer Verteidigung" entwerfen werde.
Nach einer schrittweisen Einführung soll Michelangelo ab 2028 voll einsatzbereit sein. Die Pläne wurden bereits hochrangigen italienischen Militärvertretern vorgestellt. Verteidigungsminister Guido Crosetto forderte zuletzt mehr Schutz vor hybrider Kriegsführung, insbesondere gegenüber Energieinfrastruktur und Flughäfen. "Gemeinsam können wir ein hochmodernes Verteidigungssystem gegen alle Arten von Bedrohungen schaffen – von Hyperschallraketen bis zu kleinen Drohnen", sagte Crosetto nach einem Treffen mit der französischen Ministerin Catherine Vautrin.
In der Industrie stößt das Projekt auf großes Interesse, da der europäische Markt für Luftverteidigung weiter wächst. Neben etablierten Anbietern wie Rheinmetall, die bereits zentrale Abwehrsysteme für NATO-Staaten liefern, positioniert sich Leonardo mit dem neuen KI-Schutzschirm als weiterer technologischer Schlüsselspieler. Der Konzern verweist auf ein potenzielles Marktvolumen von 203 Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren – von Sensorik über Satelliten bis hin zu Gefechtsführungssystemen.
Leonardo hatte in diesem Jahr bereits seine Digitalstrategie erweitert und arbeitet daran, eine gemeinsame Daten- und Steuerungsarchitektur über alle Unternehmensbereiche aufzubauen. Das Michelangelo-System ist der bisher sichtbarste Teil dieser Modernisierung und soll Italiens Rolle in der europäischen Sicherheitsarchitektur langfristig stärken.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

