Wegen sinkendem Ölpreis
Petrobras tritt auf die Kostenbremse – Anleger fürchten um Dividendenpower
Brasiliens staatlicher Ölkonzern Petrobras fährt seine Ausschüttungs- und Investitionspläne zurück – ein spürbarer Kurswechsel inmitten fallender Rohölpreise. Gehören die Rekorddividenden der Vergangenheit an?
- Petrobras reduziert Investitionen auf 109 Mrd. USD.
- Dividenden sinken auf 45-50 Mrd. USD bis 2030.
- Fokus auf Ölproduktion und erneuerbare Energien.
- Report: Achtung, Korrektur!
Der Ölkonzern hat seinen Fünfjahresplan bis 2030 überraschend auf 109 Milliarden US-Dollar Investmentausgaben reduziert – rund 2 Prozent weniger als bislang vorgesehen. Der Schritt soll die Kasse schonen, denn die internationalen Ölpreise sind deutlich gefallen. Statt der früher kalkulierten 83 US-Dollar je Barrel notiert Brent derzeit nur bei etwa 63 US-Dollar.
Der Großteil der Investitionen – 91 Milliarden US-Dollar – fließt in bereits laufende Projekte. Weitere 10 Milliarden müssen noch final budgetiert werden und hängen von der Finanzierungsanalyse ab. Besonders stark bleibt der Fokus auf Exploration und Produktion: 78 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 71,6 Prozent der Gesamtsumme sind dafür reserviert. Im Zentrum stehen die ertragreichen Tiefwasserfelder im brasilianischen Prä-Salt-Gebiet sowie neue Explorationsregionen im In- und Ausland.
Politisch ist der Plan brisant. Petrobras ist nicht nur ein Börsenschwergewicht, sondern auch eine wichtige Einnahmequelle für den Staat – und das in einem Umfeld, in dem die Regierung wirtschaftliche Impulse sucht, während Investoren auf hohe Ausschüttungen und eine schlanke Bilanz bestehen. Erstmals seit Amtsantritt von Präsident Lula da Silva wird der Fünfjahresrahmen nun gekürzt.
Für Aktionäre besonders relevant: Die prognostizierten regulären Dividenden für 2026 bis 2030 sinken auf 45 bis 50 Milliarden US-Dollar. In der Vorgängerplanung waren noch bis zu 55 Milliarden vorgesehen. Sonderausschüttungen hat Petrobras nicht zugesagt. Der Schuldenobergrenze von 75 Milliarden US-Dollar bleibt der Konzern treu.
Operativ setzt Petrobras auf Wachstum: Die Ölproduktion soll bis 2028 auf bis zu 2,7 Millionen Barrel pro Tag steigen. Geplant sind acht neue Offshore-Fördereinheiten bis 2030 sowie weitere Projekte nach 2030. Parallel investiert das Unternehmen rund 20 Milliarden US-Dollar in Raffinerien, Logistik und neue Kraftstoffe, darunter Biokraftstoffe und erneuerbare Alternativen – neue Raffinerien soll es jedoch nicht geben. Gas- und Niedrigkarbonprojekte erhalten vier Milliarden US-Dollar.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
