Hände weg von diesen Aktien!
Beliebte Strategie kann Verkaufswelle bei DIESEN Aktien auslösen
Bei der traditionellen Depot-Säuberung zum Jahresende verkaufen Anleger massenhaft Verlierer-Aktien, um Steuern zu sparen. Aktien wie Enphase, Lucid und Trump Media könnten betroffen sein.
- Enphase, Lucid & Trump Media stark im Minus, Risiko!
- Anleger verkaufen Verliereraktien für Steuervorteile.
- Vorsicht: Schnäppchen könnten weiter fallen, nicht kaufen!
- Report: Vorsicht, geheim!
In der Zeit nach Thanksgiving beginnt an der Wall Street ein Ritual ganz eigener Art: das so genannte "Tax-Loss-Harvesting", das gezielte Realisieren von Verlusten, um die Steuerrechnung zu drücken. Jahr für Jahr verwandelt sich der Markt für schwache Aktien in eine Art Börsen-Schlachtfeld.
Anleger verkaufen Verliereraktien, und das kann bei dünnem Handelsvolumen und hektischen Verkäufen zu hoher Volatilität und heftigen Verwerfungen an den Börsen führen. Was für viele ein legitimes Steuersparmodell ist, hat für den Markt spürbare Konsequenzen.
Das Prinzip dahinter ist einfach. Wer Aktien oder Anleihen unter Kaufpreis verkauft, erzielt einen steuerlich wirksamen Verlust. Dieser kann genutzt werden, um Gewinne bei anderen Titeln zu kompensieren – und so die Steuerlast erheblich zu senken. Verbleibende Beträge können in den USA sogar bis zu einer Summe von 3.000 US-Dollar jährlich auf das reguläre Einkommen angerechnet werden, um weniger Abgaben zu zahlen.
Doch Vorsicht: Die US-Steuerbehörde IRS achtet streng auf die "Wash-Sale"-Regel. Wer eine Aktie verkauft, darf sie 30 Tage vor und 30 Tage nach dem Verkauf nicht erneut – oder in ökonomisch identischer Form – kaufen. Tesla verkaufen und gleichzeitig Tesla-Optionen kaufen? Illegal. Zudem dürfen kurzfristige Verluste nur kurzfristige Gewinne ausgleichen, langfristige Verluste entsprechend langfristige.
Das Ergebnis der November- und Dezember-Verkäufe ist jedes Jahr dasselbe: Die Verlierer des Jahres fallen noch tiefer. Fast die Hälfte der Aktien im Russell 1000 liegt auf Jahressicht im Minus, zeigen Bloomberg-Daten, gut 10 Prozent sogar mehr als 30 Prozent. Wer jetzt also darauf hofft, ein Schnäppchen machen zu können, sollte lieber nicht in ein fallendes Messer greifen. Denn durch die Steuerstrategie könnten sich die Verluste bei einigen dieser Aktien noch deutlich ausweiten.
Ganz oben auf der Liste der diesjährigen Verlierer steht Sarepta Therapeutics, abgestürzt um 85 Prozent wegen Unsicherheiten rund um das Muskeldystrophie-Medikament Elevidys. Ebenfalls tief im Keller: Fiserv, Trump Media & Technology Group, RH (Restoration Hardware), Enphase und der Elektroautohersteller Lucid – alle durchschnittlich 64 Prozent im Minus.
Besonders interessant wird der Blick auf sechs dividendenstarke Werte, die trotz ordentlicher Ausschüttungen massiv verloren haben: der Agrochemiekonzern FMC, Newell Brands (Rubbermaid), Robert Half, Bath & Body Works, und die beiden Chemiewerte Huntsman und Westlake. Sie bieten im Schnitt 5,4 Prozent Dividendenrendite, also mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt im Russell 1000. Kursseitig sieht es düster aus – minus 60 Prozent im Jahresverlauf – und genau deshalb könnten sie weitere Verkaufswellen erleben, wenn Anleger ihre Steuerstrategie durchziehen.
Was bedeutet das für Investoren? Einerseits bieten die Jahresendverkäufe Chancen: Manche Titel werden irrational stark abverkauft, nur um im Januar – befreit von steuerlichen Motiven – kräftig zurückzukommen. Andererseits stehen viele dieser Kursverlierer nicht zufällig dort, wo sie sind. Wer jetzt einsteigt, sollte sich das sehr gut überlegen, trotz günstigem Einstiegspreis.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


