Verkaufsdaten verschwinden
Chinas Immobilienkrise erreicht die nächste Stufe
Erst brach Branchenriese Vanke ein, nun verschwinden plötzlich wichtige Verkaufsdaten vom Markt: Chinas Immobilienkrise ist zurück – tiefer, dunkler und unberechenbarer als zuvor.
- Vanke bricht ein, Immobilienkrise verschärft sich dramatisch.
- Verkaufsdaten bleiben aus, Markttransparenz gefährdet.
- Analysten erwarten weiter fallende Immobilienpreise.
- Report: Die Jahresendrallye rollt an
Chinas Immobiliensektor erlebt die gefährlichste Phase seit dem Absturz von Evergrande – und diesmal steht ein Name im Zentrum, der bislang als stabilisierender Anker galt: China Vanke.
Der Schock von letzter Woche war nur der Auftakt. Nun folgt der nächste alarmierende Hinweis darauf, wie fragil die Lage wirklich ist: Chinas zwei führende private Immobiliendatenanbieter – China Real Estate Information und China Index Academy – haben erstmals ohne Erklärung ihre monatlichen Verkaufszahlen zurückgehalten. Normalerweise veröffentlichen sie die Verkäufe der 100 größten Entwickler schon Wochen vor den offiziellen Regierungsdaten. Dass diese Daten plötzlich fehlen, spricht Bände.
Das Ausbleiben der Zahlen sei ein Zeichen dafür, dass die November-Zahlen "sehr wahrscheinlich noch schlechter ausfallen als befürchtet", warnt Bloomberg-Analystin Kristy Hung. Schon im Oktober war der Markt um fast 42 Prozent eingebrochen – der stärkste Rückgang seit anderthalb Jahren. Ausgerechnet jetzt, wo der Sektor ohnehin von Vankes Schockmeldung verunsichert ist, verschwindet einer der wichtigsten Datenpunkte aus der öffentlichen Wahrnehmung.
Was also verheimlicht wird, liegt nahe: Das Verkaufsloch scheint sich tiefer gegraben zu haben, während der "Stimulus-Schwung" des Vorjahres endgültig verpufft ist.
Vor einer Woche hatte die Nachricht die Märkte verunsichert, dass der jahrzehntelang als solide geltende Entwickler Vanke die Rückzahlung einer lokalen Anleihe über 2 Milliarden Yuan verschieben möchte. Ein Schritt, der sonst nur bei akut angeschlagenen Unternehmen vorkommt. Vanke, bislang Symbol der Stärke, wirkt plötzlich wie ein weiterer Problemfall in einer Branche, die ohnehin unter jahrelanger Überproduktion, Schuldenbergen und Vertrauensverlust leidet.
Globale Analysten zeichnen ein düsteres Bild. UBS rechnet damit, dass Chinas Immobilienpreise noch mindestens zwei weitere Jahre fallen werden. In vielen Großstädten sind die Preise für bestehende Wohnungen bereits um ein Drittel gegenüber dem Höhepunkt gesunken. Fitch erwartet, dass die Neubauverkäufe nach Fläche um weitere 15 bis 20 Prozent sinken, bevor sich eine Stabilisierung abzeichnet.
Das bedeutet, dass sich auch die Banken in den kommenden Jahren auf hohe Ausfallraten einstellen müssen. Wenn auch die Großbanken mit in den Strudel hineingezogen werden, wäre das eine weitere gefährliche Eskalationsstufe der Krise.
Die fehlende Veröffentlichung der November-Verkaufszahlen ist ein neues Warnsignal. Die Branche scheint in eine Phase überzugehen, in der nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch die Transparenz des Markts bröckelt. In einem Sektor, in dem Vertrauen essenziell ist, ist das fatal. Ohne verlässliche Daten verlieren Banken, Hauskäufer und Investoren die Grundlage für Entscheidungen – was die Krise weiter verschärfen kann.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


