Dr. Reddy’s greift an
Generika-Freigabe in Indien setzt Novo Nordisk weltweit unter Preisdruck
Ein Gericht in Indien erlaubt Dr. Reddy’s den Export von Semaglutid-Generika. Damit droht Novo Nordisk früher als erwartet globaler Preisdruck – ein Warnsignal für die Margen des Ozempic-Herstellers.
- Gericht in Indien erlaubt Semaglutid-Generika-Export.
- Novo Nordisk droht globaler Preisdruck vor 2026.
- Forschung zu Alzheimer-Medikamenten bleibt offen.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Novo Nordisk gerät durch eine überraschende Entscheidung in Indien unter Druck: Ein Gericht in Neu-Delhi hat Dr. Reddy’s Laboratories erlaubt, Semaglutid-Generika zu produzieren und in Länder ohne Patentschutz zu exportieren – und das noch vor Ablauf des globalen Patents im Jahr 2026. Semaglutid ist der Wirkstoff von Ozempic und Wegovy, den beiden Milliardenprodukten des Konzerns. Novo scheiterte mit dem Versuch, die Herstellung zu blockieren. Das Gericht argumentierte, die zugrunde liegenden Patente könnten einer verbotenen "Evergreening"-Praxis entsprechen.
Dr. Reddy’s plant nun, Semaglutid ohne Markennamen in über 80 Märkte zu liefern. Verkauft werden dürfen die Präparate in Indien selbst zwar nicht, doch die nun mögliche internationale Distribution erhöht den globalen Preisdruck auf Novo deutlich früher als erwartet. Weitere Generikahersteller aus China und Indien stehen bereits bereit; auch Sandoz und Aspen bereiten sich auf auslaufende Patente in Kanada, Brasilien und anderen Ländern vor. Novo prüft eine Berufung und erklärte, man analysiere die Entscheidung.
Parallel arbeitet der Konzern an einem der ehrgeizigsten Forschungsprogramme der Firmengeschichte. Nachdem zwei Studien zur Tablettenversion von Ozempic gegen Alzheimer im November keine kognitiven Verbesserungen gezeigt hatten, hält Novo die Tür für weitere Forschung dennoch offen. Zwar verfehlte Rybelsus den primären Endpunkt, doch Ärzte stellten bei einigen Biomarkern der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit Verringerungen von bis zu 10 Prozent bei Markern für Neurodegeneration, Entzündung und Tau (ein Protein im Gehirn, das bei Alzheimer eine zentrale Rolle spielt) fest.
"Semaglutide hat tatsächlich eine Wirkung auf Biomarker", sagte Peter Johannsen, Novos internationaler medizinischer Vizepräsident. Das Unternehmen werte die Daten weiter aus, ein nächster Schritt sei noch nicht entschieden. Die Ergebnisse seien vergleichbar mit anderen erfolglosen Alzheimer-Kandidaten, betonte Johannsen, doch epidemiologische Daten sprächen weiter für ein mögliches Schutzpotenzial.
Experten wie Ron Petersen von der Mayo Clinic sehen den Rückschlag pragmatisch: Die Studien seien gut durchgeführt, aber "einfach negativ" ausgefallen. Dennoch könnten GLP-1-Medikamente Perspektiven für verwandte Erkrankungen wie leichte kognitive Beeinträchtigungen haben.
Die Investoren bleiben jedoch nervös. Die Novo-Aktie hat im Jahresverlauf rund 50 Prozent verloren – nun kommen zum Forschungsrisiko erstmals frühzeitige Generika-Bedrohungen hinzu, die das Wachstum belasten könnten.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
Die Novo Nordisk Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,75 % und einem Kurs von 40,96EUR auf Tradegate (04. Dezember 2025, 12:44 Uhr) gehandelt.

