Im Januar könnte alles kippen
Strategy vor dem 8-Mrd.-Sell-off – jetzt kommt der härteste Test für Saylor
Strategy besitzt über 600.000 Bitcoin. Jetzt ist der Aktienkurs eingebrochen, MSCI prüft ein Delisting und das Unternehmen deutet Verkäufe an. Der Ausgang könnte die gesamte Kryptowelt prägen.
- Strategy hält 600.000 Bitcoin, Aktienkurs gefallen.
- MSCI prüft Delisting, drohende Verkäufe von 8 Mrd.
- Saylor unter Druck, Bitcoin-Verkauf als letztes Mittel.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Michael Saylor, einer der sichtbarsten Verfechter von Bitcoin, steht unter erheblichem Druck. Die Aktie seines Unternehmens Strategy, das rund 3 Prozent aller existierenden Bitcoin hält, ist seit Oktober um etwa 50 Prozent gefallen. Der Rückgang verschärft sich durch zwei Entwicklungen: den schwachen Kryptomarkt und eine von MSCI vorgeschlagene Regel, die Strategy aus wichtigen Indizes ausschließen könnte. Dieser Ausschluss würde Fonds weltweit zwingen, Strategy-Aktien abzustoßen. JPMorgan warnte bereits im November, dass daraus bis zu 8 Milliarden US-Dollar an Verkäufen entstehen könnten. Ein Teil davon gilt bereits als eingepreist, dennoch bleibt die Lage angespannt.
Um kurzfristige Liquiditätsbedenken zu zerstreuen, schuf Strategy Anfang Dezember einen Dollarreservefonds von rund 1,4 Milliarden US-Dollar, der Dividenden- und Zinsverpflichtungen der nächsten 21 Monate abdecken soll. Dennoch hält die Kritik an Saylors Geschäftsmodell an. Strategy finanziert seine massiven Bitcoin-Käufe überwiegend über den Verkauf von Aktien und Vorzugsaktien. Während Stammaktien keine festen Verpflichtungen erzeugen, fallen bei Vorzugsaktien regelmäßige Dividenden an – allein bis Jahresende rund 200 Millionen US-Dollar.
Die Ankündigung, Strategy könne unter bestimmten Bedingungen Bitcoin verkaufen, verschärfte die Debatte. CEO Phong Le sagte: "Wir können Bitcoin verkaufen und würden Bitcoin verkaufen, wenn wir unsere Dividendenzahlungen unter 1x mNAV finanzieren müssten." Saylor selbst – der häufig "HODL" betont – deutete ebenfalls an, dass ein Teilverkauf möglich sei. CFO Andrew Kang relativierte später, ein Verkauf sei nur "als letztes Mittel" geplant. Dennoch sehen Kritiker darin ein Zeichen für die Verwundbarkeit des Modells.
Während Skeptiker Strategy als fragiles Konstrukt bezeichnen, verweisen Unterstützer auf die langfristige Strategie und die professionelle Expertise im Board. Sebastian Bea, Präsident der digitalen Vermögensverwaltung ReserveOne, nennt Saylor einen Visionär mit einem ambitionierten Finanzierungsmodell, das auf langfristig steigenden Bitcoinpreisen basiert und Einnahmen aus verliehenen Bitcoin und Covered Calls einschließt. Bea argumentiert, dass digitale Asset Treasuries eine neue Finanzkategorie formen könnten. Auch Cosmo Jiang von Pantera Capital sieht im Sektor strukturelles Potenzial, betont jedoch, dass viele Unternehmen nicht überleben werden und "zwei oder drei große Gewinner" je Blockchain hervorgehen dürften.
Parallel dazu hält JPMorgan fest, dass das Risiko eines MSCI-Ausschlusses weitgehend im Aktienkurs verarbeitet sei. Ein positiver Entscheid am 15. Januar könnte daher ein Aufwärtskatalysator sein. Die Bank verweist erneut auf ihren volatilitätsbereinigten Vergleich von Bitcoin mit Gold, der theoretisch Preise von bis zu 170.000 US-Dollar innerhalb eines Jahres nahelegt.
Die kommenden Wochen werden entscheiden, ob Strategy seine Position als größter institutioneller Bitcoin-Halter behaupten kann – oder ob Saylors risikoreiche Wette zur Belastungsprobe für den gesamten Kryptomarkt wird.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
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