Luftblase statt Blase?
Warum KI nicht kollabiert – aber jetzt richtig gefährlich wird
BlackRock und Bank of America sehen keine Dotcom-Blase – aber einen riskanten Investitionsvorsprung, der Hyperscaler tief in die Schulden treibt. Anleger müssen sich auf Turbulenzen einstellen.
- BlackRock und BofA sehen keine Blase, aber Risiken.
- KI-Investitionen könnten US-Wachstum über 2% heben.
- Hyperscaler erhöhen Schulden, Monetarisierung unsicher.
- Report: Vorsicht, geheim!
Trotz der enormen Kursgewinne im KI-Sektor halten zwei Schwergewichte der Wall Street die aktuelle Entwicklung nicht für eine Spekulationsblase. Sowohl BlackRock als auch die Bank of America argumentieren, dass der Boom von realen Unternehmensinvestitionen, steigenden Gewinnen und messbaren Produktivitätsfortschritten getragen werde – und sich damit klar von der Dotcom-Euphorie der frühen 2000er unterscheide. "Wir glauben nicht, dass die Blasen-Betrachtung für Investoren zum jetzigen Zeitpunkt besonders nützlich ist", sagte Jean Boivin, Leiter des BlackRock Investment Institute. Der KI-Ausbau finde in einem "beispiellosen" Tempo statt; zudem sei die Marktstimmung bereits von Skepsis geprägt, was exzessive Überhitzung unwahrscheinlicher mache.
BlackRock sieht KI inzwischen als makroökonomischen Faktor: Investitionspläne von weltweit 5 bis 8 Billionen US-Dollar bis 2030 könnten das US-Wachstum dauerhaft über zwei Prozent heben. Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf physische Grenzen des Booms. Rechenzentren könnten bis zum Ende des Jahrzehnts bis zu 20 Prozent des US-Stromverbrauchs ausmachen – "notwendige Vorabinvestitionen", die das Modell zugleich verletzlich machen.
Die Bank of America teilt die Einschätzung einer fehlenden Blase, warnt jedoch vor einer neuen Phase, die sie als "Luftblase" beschreibt: Eine Zwischenperiode, in der Investitionsausgaben das Umsatzwachstum klar übersteigen. Engpässe bei Energie und Infrastruktur könnten die Monetarisierung verzögern. "Wird KI weiterhin uneingeschränkt führend sein? Auch nein", sagte Savita Subramanian, Leiterin der US-Aktienstrategie. Die Hyperscaler hätten ihre Investitionsquote bereits massiv erhöht: von 30 Prozent des operativen Cashflows vor zehn Jahren auf 60 Prozent heute – zugleich steigt ihre Verschuldung deutlich.
Trotz dieser Risiken betont Subramanian Unterschiede zur Dotcom-Ära: wesentlich geringere Aktienallokationen, höheres Gewinnwachstum, kleinere IPOs und weniger exzessive Spekulation. Die BofA erwartet den S&P 500 bis Ende 2026 bei 7.100 Punkten, deutlich konservativer als Prognosen der Deutschen Bank oder RBC.
Gleichzeitig beobachten Analysten zunehmende Nervosität angesichts des beschleunigten Schuldenaufbaus im KI-Sektor. Das Marktforschungs- und Analyseunternehmen Dell’Oro beziffert das Wachstum der Rechenzentrumsinvestitionen im ersten Quartal auf +53 Prozent, Google plant allein in Texas 40 Milliarden US-Dollar für neue KI-Infrastruktur. BofA-Analyst Yuri Seliger stellt fest, dass Hyperscaler im laufenden Jahr 121 Milliarden US-Dollar an neuen Schulden aufgenommen haben – viermal so viel wie im Fünfjahresschnitt.
IBM-CEO Arvind Krishna zweifelt, dass sich diese Summen rechnen können: "Meiner Meinung nach wird sich das auf keinen Fall auszahlen, denn bei Investitionen in Höhe von 8 Billionen US-Dollar braucht man allein für die Zinsen etwa 800 Milliarden US-Dollar Gewinn. Man muss alles innerhalb von fünf Jahren verbrauchen, denn danach muss man es wegwerfen und neu auffüllen."
Sowohl BlackRock als auch BofA kommen zum gleichen Kernpunkt: Keine Blase – aber eine Phase steigender Risiken, geprägt von enormen Vorinvestitionen, hoher Verschuldung und einer Monetarisierung, die erst noch bewiesen werden muss.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

