Deutsche Börse-News

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    Anleihen: "Höheres Angebot und geringere Nachfrage"

    Für Sie zusammengefasst
    • Renditen von Staatsanleihen steigen vor Fed-Sitzung.
    • Zinssenkungen in den USA mit 90% Wahrscheinlichkeit.
    • Hohe Staatsverschuldung drückt auf Anleihemärkte.
    Deutsche Börse-News - Anleihen: Höheres Angebot und geringere Nachfrage

    FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Vor der Fed-Sitzung in der nächsten Woche ziehen die Renditen der Staatsanleihen in den USA und auch in Europa etwas an. Analysten sehen darin einen nachhaltigen Trend, unter anderem durch eine immer weiter steigende Verschuldung.

    5. Dezember 2025. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die am kommenden Mittwoch anstehende US-Notenbanksitzung wirft an den Anleihemärkten ihre Schatten voraus. Die Erwartungshaltung ist diesmal eindeutig. "Die Marktteilnehmer rechnen fest mit einer Zinssenkung in den USA", erklärt Ralf Umlauf von der Helaba. Via Fed Funds Futures wird ein solcher Zinsschritt mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent eingepreist.

    Robert Greil von Merck Finck sieht trotz der eventuell vorübergehend anziehenden Inflation noch weiteres Senkungspotenzial: Der Chefstratege verweist als Begründung unter anderem auf die voraussichtliche Ernennung von Kevin Hassett zum künftigen Fed-Chef. Dadurch würde Donald Trumps Einfluss auf die US-Notenbank noch größer als bisher. "Da Trump eher weitere Leitzinssenkungen in Richtung 2,5 Prozent anstatt der vom Markt erwarteten etwa 3 Prozent im nächsten Jahr anpeilt, könnte das für noch etwas mehr als die erwarteten drei Leitzinsschritte nach unten sorgen."

    Steigendes Angebot an neuen Anleihen

    Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries ist auf Wochensicht von 4,00 Prozent auf 4,11 Prozent gestiegen. Die Strategen von BlackRock warnen, dass die starke Neuverschuldung, unter anderem zur Finanzierung von KI-Investitionen, zukünftig weiteren Druck auf die Anleihemärkte ausüben könnte. Ein zunehmendes Angebot an neuen Anleihen führt zu tendenziell sinkenden Kursen und damit steigenden Renditen. Passend dazu hat sich die US-Staatsverschuldung seit dem Jahr 2018 mehr als verdoppelt.

    Der Bund Future steht unter Druck

    Am deutschen Rentenmarkt gab es in dieser Woche relativ wenig neue Impulse. Trotzdem kletterte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf 2,78 Prozent nach 2,67 Prozent in der Vorwoche und damit auf das höchste Niveau seit Ende September. Der richtungweisende Euro-Bund-Future (DE0009652644) fiel im Tief auf 128,05 Punkte und notiert aktuell bei 128,35 Punkten. Die Experten der Helaba sehen die nächste Haltemarke am Kontrakttief bei 127,61 Punkten. Widerstände gäbe es unverändert im Bereich der gleitenden Durchschnitte bei 128,76 bis 129,00 Punkten sowie am letzten Zwischenhoch bei 129,21 Punkten.

    Anpassungsprozess womöglich noch nicht abgeschlossen

    Seit Jahresbeginn ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen um 37 Basispunkte gestiegen. Der europäische Rentenmarkt steht nach Ansicht der Helaba unter latentem Druck. Selbst die temporäre Verunsicherung an den Aktienmärkten habe nicht für nachhaltig höhere Kurse und niedrigere Renditen gesorgt. "Dies ist umso bemerkenswerter, als dass sich die Zinserwartungen hinsichtlich der EZB seit Wochen kaum verändert haben".

    Die Strategen beobachten nach einer "langen Phase von außergewöhnlich niedrigen Realrenditen" einen "Anpassungsprozess, der auch durch die Serie von Zinssenkungen seitens der EZB nicht unterbrochen wurde und möglicherweise noch immer nicht abgeschlossen ist". Als Treiber hinter dieser Entwicklung vermuten sie ein Zusammenspiel von dem erwarteten höheren Angebot an Staatsanleihen und den seit 2022 rückläufigen Beständen im Anleiheportfolio des Eurosystems. "In der Konsequenz trifft ein höheres Anleiheangebot auf eine geringere Nachfrage".

    Ausgewählte Corporate Bonds werden gekauft

    Für das Segment der Unternehmensanleihen meldet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank überschaubare Umsätze. Zu den Favoriten zählen Bonds der Deutschen Post (XS3084418907), der Republik Frankreich (FR0010371401) und von RWE (XS2584685031).

    Auch Raffaele Antacido von der ICF Bank erkennt bei den Anlegerinnen und Anlegern eine "grundsätzlich abwartende Haltung". Es gibt aber Ausnahmen. Eine "auffällig große Nachfrage" meldet er für die bis 2049 laufende Anleihe der Münchner Rückversicherung (XS3156305925) mit einer Rendite von 4,0 Prozent. "Ein Grund für die Nachfrage könnte sein, dass der Rückversicherer bereits in den ersten drei Quartalen die Gewinnziele des Jahres erreicht hat und von zwei Quartalen mit sehr geringen Großschäden profitiert".

    Vermehrt gekauft wird zudem die kürzlich emittierte Anleihe des Fußballclubs Gelsenkirchen-Schalke 04 (DE000A460AT6), die zunächst etwas unter Druck geraten war und unter Pari notierte. "Jetzt stößt die Anleihe wieder auf eine höhere Nachfrage und wird bei 101 Prozent gehandelt". Bei einer Laufzeit von fünf Jahren winkt hier ein jährlicher Kupon von 6,5 Prozent.

    Von Thomas Koch, 5. Dezember 2025 Deutsche Börse AG

    (Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)






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