Erstmals Zahlen vorgelegt
TKMS: Riesiger Auftragsbestand sorgt für Zukunftsfantasie!
Der deutsche Marinespezialist TKMS hat zum ersten Mal nach seiner Abspaltung von ThyssenKrupp Geschäftszahlen vorgelegt. Vor allem das Orderbuch beeindruckt.
- TKMS legt erste Geschäftszahlen nach Abspaltung vor.
- Erlöse steigen um 9,3 % auf 2,2 Milliarden Euro.
- Langfristige Prognose: 10 % Umsatzwachstum angestrebt.
- Report: Vorsicht, geheim!
TKMS legt erstmals Zahlen vor
Die noch junge Börsenhistorie von TKMS ist bereits von einigen Höhen und Tiefen geprägt. Verteuerten sich die Anteile am Ausgabetag zwischenzeitlich auf mehr als 100 Euro, waren die vergangenen Wochen von deutlichen Verlusten geprägt. Zeitweise fiel das Papier unter den Ausgabepreis von 60 Euro.
Am Montagmorgen hat der Marinekonzern erstmals seit seiner Eigenständigkeit Einblick in seine Bücher gewährt. Dabei zeichnet sich Wachstum quer über alle Finanzkennzahlen hinweg ab. Vor allem der hohe Auftragsbestand sorgt für langfristige Perspektiven.
Starke Auftragseingänge, verbesserte Erlöse
Gegenüber dem Vorjahr legten die Erlöse um 9,3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu, wie das Unternehmen mitteilte. Vor allem in den Bereichen U-Boote und Atlas Electronics (Sonarsysteme) ist der Konzern kräftig gewachsen.
Hier konnten auch besonders hohe Auftragseingänge erzielt werden, die sich nach vier Nachbestellungen innerhalb des 212CD-Programmes sowie einigen anderen Buchungen auf insgesamt 18,2 Milliarden Euro belaufen. Das entspricht gegenüber dem Vorjahresniveau von 11,6 Milliarden Euro einem Anstieg von 55 Prozent.
Operative Erträge steigen dank Margenverbesserungen deutlich
Darüber hinaus konnten einige weitere operative Verbesserungen erzielt werden. So kletterte der Bruttoertrag nach einer Margensteigerung von 1,8 Prozentpunkten auf 17,6 Prozent um 22,4 Prozent auf 383 Millionen Euro. Beim bereinigten EBIT konnte sich TKMS sogar um 53 Prozent auf 131 Millionen Euro steigern. Das Unternehmen führt den überproportional hohen Anstieg auf "einen höheren Anteil von Projekten mit höheren Margen" zurück.
Insgesamt wurde ein Nettogewinn in Höhe von 108 Millionen Euro erzielt, nach 88 Millionen Euro im vorigen Geschäftsjahr. Beim freien Cashflow wurde unterdessen eine Verdopplung auf 784 Millionen Euro erzielt. TKMS machte hierfür Vorauszahlungen verantwortlich.
Überzeugende Langfristprognose, aber 2026 nur geringes Wachstum
Auch eine Prognose stellte der Konzern am Montagmorgen vor. Demnach wird ein "kontinuierliches Umsatzwachstum" angestrebt mit einer durchschnittlichen jährlichen Steigerungsrate (CAGR) von 10 Prozent. Die EBIT-Marge soll sich mittelfristig auf über 7 Prozent belaufen.
Schon jetzt sieht sich das Unternehmen auf einem guten Weg dorthin: Im kommenden Geschäftsjahr wird mit einer weiteren Verbesserung der Profitabilität gerechnet. Unterdessen sollen die Erlöse zunächst konstant bleiben innerhalb einer Spanne von -1 bis +2 Prozent. Das bereinigte EBIT soll sich dabei mit 100 bis 150 Millionen Euro ebenfalls im Bereich des bereits in diesem Jahr erzielten Ergebnisses belaufen.
Mit Blick auf zusätzliche Ausgaben rechnet TKMS mit 200 Millionen Euro, die vor allem in den Ausbau des Standortes in Wismar investiert werden sollen. Weitere Finanzziele sollen im kommenden Quartal vorgestellt werden.
Aktie mit freundlichem Wochenstart
In der Vorbörse konnte die Aktie von der Zahlenvorlage geringfügig profitieren. Am Handelsplatz Lang & Schwarz legte TKMS über 1 Prozent zu und folgte damit anderen deutschen Verteidigungswerten, die am Montag vom am Wochenende veröffentlichten Strategiepapier der Trump-Regierung profitieren, das eine Kampfansage an den europäischen Kontinent und seine freiheitlich-demokratische Grundordnung darstellt – und den Druck auf die EU erhöhen dürfte, für ihre Sicherheit künftig selbst zu sorgen.
Fazit: Bewertung bereits ambitioniert, Vorteile für die Konkurrenz
TKMS hat erstmals Einblick in seine Geschäftsentwicklung gegeben. Die ist grundsätzlich positiv und mit Blick auf die starken Auftragseingänge von einem optimistischen Ausblick auf die Zukunft geprägt. Bei der Ertragsstärke zeichnet sich allerdings noch Handlungsbedarf ab, wie das Unternehmen selbst einräumt. Dabei dürfte das kommende Geschäftsjahr zu einem Übergangsjahr werden; TKMS sieht hierfür nur ein geringes Wachstum.
Das mittelfristig angepeilte Wachstum mit einer CAGR von 10 Prozent stößt bei Anlegerinnen und Anlegern jedoch auf Zustimmung, wie die erste, positive Kursreaktion zeigt. Mit einem KGVe 2026 von knapp 35 ist TKMS jedoch, wie andere deutsche Rüstungswerte auch, ambitioniert bewertet. Das könnte die Upside der Aktie limitieren. Den US-Mitbewerber Huntington Ingalls Industries gibt es bereits für das 17,4-Fache der im kommenden Jahr erwarteten Gewinne zu kaufen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

