$12-Milliarden-Hilfspaket
China kauft viel zu wenig Soja – Washington muss US-Farmer retten
Die US-Regierung spannt einen milliardenschweren Rettungsschirm auf, weil China seine Soja-Zusagen verfehlt – und Amerikas Farmer erneut abstürzen.
- US-Regierung startet 12-Milliarden-Rettungsschirm.
- China verfehlt Soja-Zusagen dramatisch, nur 3 Mio. Tonnen.
- Farmer leiden unter hohen Kosten und schwachen Verkäufen.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Die Hoffnung war groß, als Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping Ende Oktober ein neues Kaufprogramm für US-Sojabohnen vereinbarten. Doch wenige Wochen vor Jahresende ist klar: Peking liegt dramatisch hinter seinen Zusagen zurück. Statt der versprochenen 12 Millionen Tonnen haben chinesische Käufer bislang nur rund 3 Millionen Tonnen gebucht – ein Bruchteil dessen, was US-Farmer erwartet hatten. Die Frustration wächst, denn die Exportmärkte sind längst nicht so zurückgekehrt, wie es das Weiße Haus versprochen hatte.
Um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern, legt die US-Regierung nun ein neues Hilfspaket im Umfang von 12 Milliarden US-Dollar auf. Bis zu 11 Milliarden davon fließen als direkte Einmalzahlungen an Landwirte – ein Notprogramm, das stark an die milliardenschweren Unterstützungsrunden während des ersten Handelskriegs 2018 und 2019 unter der ersten Trump-Regierung erinnert.
Betroffen sind alle großen Agrarsektoren, vor allem aber die Sojafarmer, deren Erträge seit Monaten unter niedrigen Verkäufen und steigenden Kosten leiden. Das Landwirtschaftsministerium verweist auf nahezu ausgetrocknete Absatzmärkte: China, einst wichtigster Kunde für US-Sojabohnen, greift inzwischen bevorzugt auf deutlich günstigere Lieferungen aus Brasilien zurück.
Kommerziell ergibt das Sinn. US-Sojabohnen kosten derzeit über 11 US-Dollar je Scheffel und sind damit kaum wettbewerbsfähig. Händler warnen zudem vor prall gefüllten chinesischen Lagerbeständen und schwachen Margen in den Ölmühlen. Die Folge: Selbst wenn Peking politisch kauft, geschieht dies schleppend – und keinesfalls in dem Tempo, das nötig wäre, um die Ziele zu erreichen. Experten halten einen Endjahres-Endspurt für "praktisch unmöglich".
Der politische Druck in Washington steigt. Trump, der China vorwirft, frühere Absprachen nicht eingehalten zu haben, stellt die Hilfen als notwendigen Schutzschirm für Amerikas ländliche Kernwählerschaft dar. Da es für private chinesische Händler ökonomisch kaum Sinn macht, die teuren US-Sojabohnen zu kaufen, hängt alles an den staatlichen Käufern in China – vor allem Cofco. Doch die werden durch bürokratische und logistische Hürden ausgebremst.
Rein theoretisch wäre es für Peking noch möglich, seine Zusagen zu erfüllen, doch dafür müssten in den nächsten drei Wochen Bestellungen über 9 Millionen Tonnen in den USA eingehen. Viel mehr als eine symbolische Geste wäre das nicht. Denn geliefert werden können diese Mengen sowieso nicht mehr in der kurzen Zeit und die Schiffe für den Transport sind auch nicht gebucht. Allerdings hat die chinesische Seite auch nie offiziell bestätigt, wirklich so viel Soja zu kaufen, wie Washington angekündigt hat.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte zuletzt auch US-Finanzminister Scott Bessent. Der enge Trump-Vertraute, selbst langjähriger Akteur im Agrarsektor, hat gerade seine umfangreichen Soja-Assets verkauft – nach eigenen Angaben, um Auflagen seiner Ethikvereinbarung zu erfüllen. Bessent besaß bis zu 25 Millionen US-Dollar an Ackerland in North Dakota und erzielte damit jährlich bis zu eine Million US-Dollar an Einnahmen. Sein Ausstieg zeigt, wie politisch aufgeladen das Thema Soja inzwischen geworden ist.
Unterm Strich bleibt für viele amerikanische Farmer das alte Gefühl: Sie sind die leidtragenden im geopolitischen Kreuzfeuer zwischen Washington und Peking. Und selbst wenn der Staat jetzt einspringt, und Milliarden an Unterstützung auszahlt, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein und kann nicht jährlich wiederholt werden.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


