Überhitzte KI-Werte
Burry sieht OpenAI am Abgrund – und vergleicht Palantir mit einem Dotcom-Opfer
Michael Burry stellt sich erneut gegen den KI-Hype. OpenAI sieht er trotz möglicher Rekord-IPO-Pläne auf Netscape-Spuren – und Palantir für so überbewertet wie einst DiamondCluster.
- Burry warnt vor KI-Hype und vergleicht mit Netscape.
- Palantir sieht er als überbewertet wie DiamondCluster.
- Finanzielle Transparenz von OpenAI ist fraglich.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Michael Burry, bekannt aus "The Big Short", hat mit einer neuen Serie von Warnungen gleich zwei der prominentesten KI-Unternehmen ins Visier genommen. In einer auf X veröffentlichten Liste "lustiger Fakten" erklärte er, OpenAI werde am Ende das gleiche Schicksal erleiden wie Netscape, jener legendäre Browser-Pionier, der nach seinem spektakulären IPO 1995 erst gehypt wurde und kurz darauf vom Markt verschwand. Selbst ein möglicher Börsengang mit einer Bewertung von 1 Billion US-Dollar und einem Erlös von 60 Milliarden US-Dollar "würde bei weitem nicht ausreichen, obwohl es der größte Börsengang in der Geschichte mit mehr als dem doppelten Erlös wäre". Und dennoch, so Burry, "wird es nichts an seinem Netscape-Schicksal ändern".
Auch zu Palantir zieht er eine historische Parallele. Für Burry ist der Datenanalyse-Spezialist das moderne Gegenstück zu DiamondCluster – einem Beratungsunternehmen, dessen Bewertung während der Dotcom-Blase explodierte, bevor der Kurs kollabierte und die Firma schließlich für rund 380 Millionen US-Dollar an PwC verkauft wurde. "Palantir ist ein Diamantencluster", schrieb er. Er sieht in der heutigen Bewertung von rund 433 Milliarden US-Dollar dieselben Übertreibungen, die DiamondCluster einst ins Verderben führten. Burry erinnerte daran, dass er selbst 2001 in das Unternehmen investierte – und später schmerzlich erkannte, wie riskant Investments in B2B-Firmen in späten Zyklusphasen sein können.
Seine Kritik erfolgt in einer Phase, in der institutionelle Anleger bei Palantir dennoch massiv zukaufen. Cerity Partners erhöhte den Bestand um 4,4 Prozent, Federated Hermes um 69 Prozent. Während Burry vor einer Überbewertung warnt, wetten große Vermögensverwalter auf weiteres Wachstum.
Parallel richtet sich Burrys Skepsis auch gegen die finanzielle Transparenz von OpenAI. Er verweist auf die enormen Investitionspläne des Unternehmens und auf die Herausforderungen für Wirtschaftsprüfer wie Deloitte, deren Aufgabe es sei, ein Geschäftsmodell zu bewerten, "das selbst Experten nur teilweise verstehen". Für Burry ist das Ausmaß der geplanten KI-Investitionen ein Warnsignal, das an die Übertreibungen der Dotcom-Ära erinnert – mit technologischer Euphorie, schwer nachvollziehbaren Finanzstrukturen und Bewertungen, die sich von klassischen Maßstäben lösen. Die Parallelen seien offensichtlich: überzogene Erwartungen, geringe Profitabilität und eine Dynamik, die von Narrativen statt Fundamentaldaten getrieben werde.
Seine Botschaft ist damit eindeutig: Sowohl Palantir als auch OpenAI könnten sich – trotz ihres heutigen Einflusses – in denselben Mustern bewegen, die einst Netscape und DiamondCluster zu Fall brachten.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
Die Palantir Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,06 % und einem Kurs von 156,0EUR auf Tradegate (08. Dezember 2025, 13:27 Uhr) gehandelt.

