Dollar-Dominanz untergraben
Asien schwenkt in Richtung Euro
Asiatische Märkte wenden sich zunehmend dem Euro zu und lösen dadurch eine Verlagerung der globalen Finanzmärkte aus. Das kann Folgen für die Dollar-Dominanz in der Weltwirtschaft haben.
- Asiatische Märkte wechseln zunehmend zum Euro.
- Dollar-Dominanz schwächt sich durch Schuldenaufnahme.
- Euro könnte bis 2026 auf 1,25 USD steigen.
- Report: Vorsicht, geheim!
Die Weltwirtschaft befindet sich in einem langsamen, aber tiefgreifenden Wandel. Eine der auffälligsten Entwicklungen der letzten Jahre ist, dass immer mehr asiatische Länder ihre Handelsbeziehungen und Finanzierungen vom US-Dollar auf den Euro umstellen.
Der asiatische Raum, einst fest in der Hand des US-Dollars, hat begonnen, verstärkt Euro-denominierte Anleihen zu emittieren. Im Jahr 2025 schnellten Euro-Emissionen durch Unternehmen und Regierungen um 75 Prozent hoch, zeigen Daten von Bloomberg. Dadurch kletterte der Anteil von Euro-Bonds an den Gesamtemissionen auf einen neuen Rekord.
Der Druck auf die US-Währung kommt nicht nur durch die Handelskriege und wirtschaftlichen Spannungen zwischen den USA und anderen Ländern, sondern auch durch die strategische Diversifizierung der asiatischen Märkte. In einem Umfeld, das durch Unsicherheiten hinsichtlich der US-Wirtschaft und der amerikanischen Handelspolitik geprägt ist, suchen asiatische Unternehmen und Regierungen zunehmend nach Alternativen, die nicht in erster Linie den Greenback als Basiswährung nutzen.
Die Verschiebung hin zum Euro fällt in eine Zeit, in der der US-Dollar zunehmend Schwächen zeigt. Laut einer Prognose der Deutschen Bank wird der Dollar bis Ende 2026 voraussichtlich um weitere 10 Prozent gegenüber einem Korb der weltweit wichtigsten Währungen nachgeben, nachdem er in diesem Jahr bereits 8,7 Prozent eingebüßt hat. Zum Euro hat der Greenback 2025 bislang 11 Prozent verloren.
Ein wesentlicher Grund für diese Schwäche ist die maßlose Schuldenaufnahme der USA – insbesondere das stark steigende Zwillingsdefizit (Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit). Dieser Schuldenberg hat dazu geführt, dass die Nachfrage nach US-Vermögenswerten, insbesondere nach Staatsanleihen, gesunken ist.
Hinzu kommt die US-Zinspolitik. Die Federal Reserve wird die Zinsen in den kommenden Monaten voraussichtlich weiter senken. Prognosen zufolge wird sich das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten in den nächsten Jahren etwas verlangsamen, was den US-Dollar zusätzlich schwächt.
Für den Euro ergeben sich durch die zunehmende Akzeptanz in Asien und die potenzielle Schwäche des US-Dollars ermutigende Perspektiven. Laut der Deutschen Bank wird der Euro bis Ende 2026 voraussichtlich den Wert von 1,25 US-Dollar erreichen. Diese Prognose basiert auf einer positiven globalen Wachstumsentwicklung, einem konjunkturellen Aufschwung in Europa, insbesondere in Deutschland, und der Hoffnung auf eine Lösung im Ukraine-Konflikt, die das europäische Wachstum ankurbeln könnte.
"Trotz des dramatischen Wertverlusts des US-Dollars in der ersten Hälfte des Jahres 2025, hat er dadurch nur einen kleinen Teil seiner Überbewertung eingebüßt", sagt George Saravelos, Leiter weltweite FX-Strategie bei der Deutschen Bank. "Dass der Dollar nach wie vor überbewertet ist, zeigt sich am besten an dem wachsenden Leistungsbilanzdefizit, das in den vergangenen 12 Monaten offenbar die kritische Schwelle von 4 Prozent des BIP überschritten hat. Ein derartiger Außenfinanzierungsbedarf war in der Vergangenheit stets ein wichtiger Indikator für eine Schwäche des Dollars."
Tatsächlich gilt historisch ein Defizit von rund 4 bis 5 Prozent des BIP als kritischer Wert, ab dem die Währung – im Zweifel – deutlich unter Druck geraten kann. Wenn der Bedarf an Kapital aus dem Ausland eine solche Größenordnung erreicht, wächst die Abhängigkeit von globalen Kapitalströmen. Und wenn Investoren dann das Vertrauen verlieren, kann das einen Teufelskreis auslösen, aus dem selbst die weltgrößte Volkswirtschaft nur mit Mühe wieder herauskommen kann. finanzielle Probleme und wirtschaftliche Instabilität wären die Folge und letztendlich eine Abwertung des US-Dollars.
Der Siegeszug des Euros in Asien, kombiniert mit der schleichenden Schwäche des US-Dollars, deutet darauf hin, dass sich die Zeit mit nur einer dominierenden Weltwährung ihrem Ende nähern könnte. Und auch wenn der Greenback seine Schlüsselrolle als Weltreservewährung nicht sofort verlieren wird, könnten Währungen wie der Euro und der chinesische Yuan, aber auch Gold in den nächsten Jahren erheblich an Einfluss gewinnen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
