Neue Ära der Supercomputer
"Wir wollen gewinnen" – Dieses Unternehmen will die Quantenwelt erobern!
IBM rüstet sich für das Quantenzeitalter. Neue Systeme, milliardenschwere Forschung und große Pläne könnten den Tech-Veteranen an die Spitze einer ganzen Industrie bringen.
- IBM investiert stark in Quantencomputing-Technologie.
- Quantum System Two ermöglicht schnelle Datenverarbeitung.
- Marktanteil von 20% bis 2040 für IBM prognostiziert.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
IBM könnte erneut die Spitze der Computerwelt erklimmen. Mit seinem fortschrittlichsten System, dem Quantum System Two, arbeitet der Konzern an Computern, die auf den Gesetzen der Quantenmechanik basieren. Diese Technologie ermöglicht, große Datenmengen extrem schnell zu verarbeiten, chemische Prozesse zu simulieren und komplexe mathematische Probleme zu lösen. In Japan wird das System bereits genutzt, um die elektronische Struktur natürlicher chemischer Verbindungen zu modellieren – ein klarer Vorteil für die Chemieindustrie.
Investoren zeigen steigendes Interesse. Nach der Ausrufung des Jahres 2025 zum Internationalen Jahr der Quanten durch die Vereinten Nationen präsentierte Google einen besonders schnellen Quantenchip. Reine Quantenunternehmen wie Rigetti Computing, IonQ und D-Wave Quantum stiegen stark im Kurs. D-Wave gewann in diesem Jahr 237 Prozent, während der Tech-Index Nasdaq Composite nur 22 Prozent zulegte.
IBM als langfristiger Gewinner
"Wir wollen an der Basis des Quantencomputings stehen. Wir wollen gewinnen", sagt Jay Gambetta, Leiter von IBM Research, über den Quantum System Two. IBM arbeitet seit Jahrzehnten an Quantencomputern und hat bereits mehr Systeme ausgeliefert als jeder andere Hersteller. Die breite Aufstellung des Unternehmens in Cloud-Computing, IT-Beratung und künstlicher Intelligenz gibt Investoren zudem Sicherheit.
Quantencomputer sollen klassische Computer ergänzen, etwa bei der Medikamentenentwicklung oder Materialforschung. Große kommerzielle Anwendungen werden jedoch erst in fünf bis zehn Jahren erwartet.
Von der Theorie zur Praxis
IBM hat eine lange Tradition in Forschung und Technologieinnovation, angefangen bei der Gründung der Computing-Tabulating-Recording Company 1911, die später zu IBM wurde. In den 1940er Jahren wechselte IBM von mechanischen Buchungsmaschinen und Lochkarten auf elektronische Computer und Großrechner. Später gehörte das Unternehmen zu den frühen Anbietern von Personalcomputern, verkaufte die PC-Sparte jedoch 2005 an Lenovo wegen niedriger Gewinne und sinkender Marktanteile. In den 1990er Jahren baute IBM sein Geschäft in der IT-Beratung aus. Um die Jahrtausendwende demonstrierten IBM und die Stanford University erstmals den Shor-Algorithmus, einen Quantenalgorithmus zur Zerlegung großer Zahlen in Primfaktoren. "Wir blicken hier auf eine lange, stolze Geschichte der Mathematik zurück", sagt Gambetta.
Seitdem hat das Unternehmen 85 Quantencomputer an über 300 Organisationen geliefert, darunter Systeme mit mehr als 100 Qubits. Google hält nur zwei vergleichbare Systeme. Mit der Software Qiskit, einer Open-Source-Plattform auf Basis von Python, wurden bisher 3,8 Billionen Quantenoperationen durchgeführt.
Der entscheidende Schritt für die Industrie bleibt die Fehlerresistenz. Aktuelle Systeme sind zu fehleranfällig, um breit eingesetzt zu werden. IBM plant den Quanten-Supercomputer Quantum Starling bis 2029 mit 200 Qubits und 100 Millionen Operationen, der die Rechenleistung heutiger Systeme um das 20.000-fache steigern soll. Langfristig ist ein noch größeres System namens "Blue Jay" geplant.
Marktpotenzial und Wettbewerb
Analysten sehen ein Milliardenpotenzial: Morgan Stanley erwartet für IBM einen Marktanteil von 20 Prozent in einem 50-Milliarden-Dollar-Markt bis 2040. "IBM hat jede große Technologiewelle des letzten Jahrhunderts geprägt", sagt Analyst Erik Woodring. Die IBM-Aktie stieg in diesem Jahr um 41 Prozent, angetrieben von Quantenforschung, künstlicher Intelligenz und dem Cloud-Geschäft.
Ein offenes Rennen
Auch Alphabet, Amazon, Microsoft und Nvidia investieren in Quantencomputer. Gambetta betont: "Ich denke, es gibt genug Platz für viele Gewinner, mit dem Endziel, sicherzustellen, dass Quantencomputer zu einer Branche werden." Doch wenn ein Unternehmen die Spitze erreicht, könnte IBM die Nase vorn haben.
"Wenn Quantencomputer letztendlich in irgendeiner Form scheitern sollten", so Woodring, "wird es für alle beteiligten Unternehmen schwierig werden, aber IBM ist im Vergleich zu vielen Start-ups in einer viel besseren Position."
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Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
