Griechenland-Comeback
Die größte Aktien-Rallye in Europa hat weiter Beine
Griechenland hat sich zu einer wachsenden Wirtschaftsmacht in Europa entwickelt. Mit einer beeindruckenden Schuldenreduzierung und einer stabilen Finanzlandschaft steht das Land vor einem vielversprechenden Jahrzehnt.
- Griechenland: Stabilität und Wachstum in der Eurozone.
- Schuldenreduzierung von 210% auf 119% bis 2029.
- Hohe Aktiengewinne und internationale Investoreninteresse.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Griechenland, das lange als das Sorgenkind der Eurozone galt, hat in den letzten Jahren markante Fortschritte erzielt. Vom höchsten Schuldenberg in Europa hat sich das Land von einem Leistungsbilanzdefizit zu einer der stabilsten Volkswirtschaften der Region entwickelt. Jetzt, 15 Jahre nach der Eurokrise, sieht Griechenland die Früchte harter Sparmaßnahmen und tiefgreifender Reformen.
Ein zentrales Symbol für Griechenlands Erholung ist die schnelle Reduktion seiner Staatsverschuldung. Während das Verhältnis von Schulden zum Bruttoinlandsprodukt noch während der Pandemie 2020 rund 210 Prozent betrug, erwartet das griechische Finanzministerium, dass dieser Wert bis 2027 auf 131,7 Prozent sinken wird – und bis 2029 sogar auf 119 Prozent. Das ist ein beachtlicher Erfolg, wenn man bedenkt, dass Griechenland noch vor wenigen Jahren als hoffnungsloser Fall und schwer regierbar galt.
Auch wenn die Verschuldung von aktuell knapp 146 Prozent des BIP immer noch die höchste in der Eurozone ist, vor Italien mit 137 bis 140 Prozent und Portugal mit rund 130 Prozent, sehen Experten das Land auf dem richtigen Weg und verweisen auf die anhaltenden Bemühungen, die sowieso schon hohen Primärüberschüsse noch weiter zu steigern.
Griechenland hat in den letzten Jahren konstant Einnahmen erzielt, die höher waren als seine Ausgaben (abzüglich Zinszahlungen), was zu der Verschuldungsreduktion beigetragen hat. Auch die Rückzahlung von Kreditaufnahmen aus der Schuldenkrise wurde schneller als geplant abgeschlossen. Griechenland hat seine Schulden beim Internationalen Währungsfonds vollständig zurückgezahlt und plant, weitere Kreditverpflichtungen vorzeitig zu begleichen, was das Vertrauen in seine wirtschaftliche Stabilität stärkt.
Dieser wirtschaftliche Erfolg hat auch das internationale Vertrauen in Griechenland wiederhergestellt. Die Ratingagentur Fitch Ratings prognostiziert, dass Griechenland zwischen 2019 und 2026 den größten Schuldenabbau in Europa verzeichnen wird – über 40 Prozentpunkte des BIP. Auch Banken wie Morgan Stanley und JPMorgan haben Griechenland als einen der vielversprechendsten Märkte für 2026 auf ihre "Top Picks"-Listen gesetzt.
Die griechische Wirtschaft wächst mit einer Geschwindigkeit, die viele europäische Länder übertrifft. JPMorgan erwartet für 2026 ein Wachstum des BIP von über 2 Prozent. Auch die Griechenland-Aktien haben sich als äußerst lukrativ erwiesen. Seit Jahresbeginn ist der Leitindex Athex um etwa 42 Prozent hochgeschnellt, auf Sicht der vergangenen fünf Jahre ging es sogar um 161 Prozent aufwärts. Zum Vergleich: Der DAX hat in dem Zeitraum um gut 83 Prozent zugelegt.
Ein wichtiger Aspekt von Griechenlands Comeback ist die Stärke seines Bankensektors. Trotz der Schuldenkrise und jahrelanger Sparpolitik stehen griechische Banken heute besser da als viele ihrer europäischen Kollegen. Bank of America und UBS heben Griechenlands Banken hervor, die im Vergleich zu anderen europäischen Banken immer noch zu günstigen Bewertungen gehandelt werden, während die Ertragskraft und Rentabilität weiterhin über dem europäischen Durchschnitt liegen.
Ganz ohne Risiko ist der Markt aber nicht. Neben der nach wie vor hohen Verschuldung bleibt auch die Korruption ein Problem. Aktuell gibt es in Griechenland landesweite Proteste von Bauern, die wegen Korruption von ehemaligen Regierungsmitgliedern und Versäumnissen bei der Auszahlung von EU-Agrarfördergeldern auf die Straße gehen. Der Rücktritt des früheren griechischen Landwirtschaftsministers Makis Voridis und von drei stellvertretenden Ministern im Sommer war eine Reaktion auf die Enthüllung von "Unregelmäßigkeiten" bei der Verwaltung der EU-Agrarsubventionen.
Dennoch überwiegen aktuell die Chancen. Im nächsten Jahr werden die griechischen Aktien auf den Status eines entwickelten Marktes hochgestuft, kündigte FTSE Russell an. Diese Entscheidung wird Griechenland für eine breitere Investorenbasis zugänglich machen, was zu erhöhten Kapitalzuflüssen führen dürfte und die Börse weiter antreiben könnte.
Griechenland hat in den letzten Jahren erstaunliche Fortschritte gemacht. Vom Land der Schuldenkrise hat es sich zu einem der stabilsten und wachstumsstärksten Länder in der Eurozone entwickelt. Dank solider wirtschaftlicher Reformen und einer vorausschauenden Schuldenpolitik sind mehrere Großbanken davon überzeugt, dass das Land vor einem vielversprechenden Jahrzehnt steht.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


