Aktie überverkauft
Selloff übertrieben – Ausgerechnet Bernstein ruft bei Rheinmetall zum Einstieg
Kaum ein Analyst war kritischer als Adrien Rabier – jetzt dreht er komplett. Die Aktie sei überverkauft, die Panik übertrieben, die Aussichten intakt.
- Analyst Rabier stuft Rheinmetall von "Market-Perform" hoch.
- Überverkaufte Aktie spiegelt übertriebenes Pessimismus wider.
- Rheinmetall profitiert von Deutschlands Rüstungsplänen.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Die Rheinmetall-Aktie hat in den vergangenen Wochen deutlich nachgegeben und notiert laut Bernstein inzwischen "nahe einem Bärenmarkt". Analyst Adrien Rabier stufte den Wert nun von "Market-Perform" auf "Outperform" hoch. Die rund 20-prozentige Korrektur habe "ein außergewöhnliches Unternehmen mit einer normalen Bewertung" hinterlassen. In den Kursen spiegele sich inzwischen "ein übermäßig pessimistisches Szenario", sagte Rabier. "Was heute eingepreist ist, kommt einem Bären-Szenario nahe."
Der Rücksetzer fiel in eine Phase, in der europäische Rüstungswerte wegen der Hoffnung auf einen möglichen Friedensplan für die Ukraine unter Druck geraten waren. Ein Branchenkorb von Goldman Sachs liegt rund 19 Prozent unter seinem Oktoberhoch. Rabier betont jedoch, dass sich an den Fundamentaldaten wenig geändert habe: Europas Regierungen bauten ihre Streitkräfte weiter aus, Deutschland plane sogar den größten Verteidigungsauftrag seiner Geschichte. Nach Informationen aus Parlamentskreisen soll der Haushaltsausschuss kommende Woche Rüstungsbestellungen im Volumen von 52 Milliarden Euro freigeben. "Deutschland will die stärkste Armee Europas aufbauen, und Rheinmetall dürfte den größten Teil dieser Chance für sich nutzen", schreibt Rabier.
Auch international wird die Aktie zunehmend bullisher bewertet. Morgan Stanley führt Rheinmetall als Top-Pick im europäischen Verteidigungssektor und sieht ein Kurspotenzial von über 50 Prozent in den kommenden zwölf Monaten. Die Bank verweist auf eine "starke saisonale Erholung" im ersten Halbjahr und ein Bewertungsniveau, das trotz der Kursverdopplung seit Jahresbeginn nicht überzogen sei. Besonders bemerkenswert: 81 Prozent der europäischen und globalen Long-only-Fonds halten die Aktie bislang gar nicht – ein Zeichen für erheblichen Nachholbedarf, sollte sich der Sektor stabilisieren.
Parallel dazu arbeitet Rheinmetall an einer strategischen Weichenstellung in Europa. Laut Bloomberg hat Vorstandschef Armin Papperger in den vergangenen Monaten Gespräche mit Berliner Regierungsvertretern und der Förderbank KfW geführt, um eine engere Verbindung mit dem Konkurrenten KNDS zu prüfen. Ziel wäre ein führender europäischer Landverteidigungskonzern, der die zersplitterte Panzerindustrie konsolidiert.
Trotz der jüngsten Schwäche bleibt Rheinmetall an der Börse breit unterstützt: Nach der Hochstufung stehen nun 25 Kaufempfehlungen und keine einzige Verkaufsempfehlung im Markt. Für Analysten ist klar: Die kurzfristigen Kursverluste verändern nichts daran, dass der Konzern zentraler Profiteur der europäischen Wiederaufrüstung bleibt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
Die Rheinmetall Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +1,31 % und einem Kurs von 1.627EUR auf Tradegate (12. Dezember 2025, 09:20 Uhr) gehandelt.

