Fallendes Messer?
So tief kann die Netflix-Aktie noch fallen
Die Aktie von Netlix ist derzeit mehreren Turbulenzen ausgesetzt. Besonders der Deal des Streaming-Riesen, Warner Bros Discovery zu kaufen, hat die Anleger massiv verunsichert.
- Netflix-Aktie unter Druck durch Warner-Deal-Skepsis.
- Konkurrenz bietet 108 Mrd. USD, Netflix nur 82 Mrd. USD.
- Deal könnte langfristig Gewinnzuwachs und Potenzial bringen.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Was sich zunächst wie eine positive Nachricht anhört, könnte gleich mehrere Kehrseiten haben und auf Misstöne bei den Anlegern stoßen: Der gigantische Deal von Netflix, eines der großen US-Filmstudios zu kaufen, Warner Bros Discovery.
Aus der Sicht von Netflix ist die Expansion folgerichtig. Am Markt wird die Aktie abgestraft, was ebenso verständlich ist, da zunächst die Bedenken überwiegen. Was treibt diese Skepsis?
Konkurrent Paramount Skydance hat erneut ein feindliches Angebot abgegeben, obwohl der offizielle Bieterwettbewerb vorbei ist. 108 Milliarden US-Dollar will das Unternehmen jetzt auf den Tisch legen, während Netflix Kaufpreis bei 82 Milliarden US-Dollar liegt.
Und US-Präsident Donald Trump hat die Überprüfung der Vereinbarung angeordnet. Die Behörden könnten die Transaktion blockieren, wodurch Netflix eine Strafe von 5,8 Milliarden US-Dollar zahlen müsste, ohne neuen Deal.
Dass die Kaufsumme mittelfristig den Gewinn bei Netflix verwässern könnte, ist klar: Die aktuell vereinbarte Übernahme umfasst eine temporäre Fremdfinanzierung in Höhe von 59 Milliarden US-Dollar von Wall-Street-Banken. 25 Milliarden US-Dollar sollen durch Anleihen, 20 Milliarden US-Dollar zinsgünstige Darlehen mit verzögerter Auszahlung aufgebracht werden, weitere 5 Milliarden US-Dollar durch flexible Kredite. Ein Teil der Verbindlichkeiten wird voraussichtlich auch aus dem Cashflow getilgt.
Das Streaming-Unternehmen, das von S&P Global Ratings mit A und von Moody's Ratings mit A3 bewertet wird, ist anfällig für eine Herabstufung auf das BBB-Rating, schreiben die Analysten Morgan Stanley in einer Mitteilung vom Montag.
Aber: Im Deal mit Warner Bros steckt richtig viel Potenzial: Denn Netflix erwirbt zugleich die Rechte von Harry Potter-Filmen, dem Comic DC Universum (u.a. mit Batman), sowie die Rechte an Dune, Matrix, Game of Thrones und teilweise an Herr der Ringe. Hier sind Prequels oder Spin-offs möglich, Abowachstum und Merchandise.
Wie steht es um die Netflix-Aktie? Die 200-Tage-Linie liegt bei 88 US-Dollar, momentan steht die Aktie bei rund 94 US-Dollar. Splittbereinigt notierten die Anteilsscheine derzeit rund 30 Prozent unter ihrem Allzeithoch aus Juni. Der MACD bestätigt den Abwärtstrend und zeigt eine negative Divergenz, was bedeutet, dass die Kaufkraft nachlässt. In dieser Woche läuft die Aktie stabil über der 200-Tage-Linie. Sollte der Deal nicht zustande kommen, könnten die Papiere weiter absacken. Dann könnten die Anteilsscheine diese Linie nach unten durchbrechen und sich erst wieder bei rund 75 US-Dollar konsolidieren (75 US-Dollar ergibt sich aus historischen Tiefs und Konsolidierungsbereichen).
Die Aktie befindet sich zwar seit dem Allzeithoch in einem langfristigen Abwärtstrend. Sollte der Deal aber zustande kommen, so ist langfristig mit einem Gewinnzuwachs zu rechnen. Sicherheitsbewusst hieße hier dieses Ergebnis zuerst abzuwarten; selbst wenn die Vereinbarung nicht zustande kommt, so wäre die Aktie aber auch bei 75 oder 80 US-Dollar ein Kauf.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion

