Amerikas Chip-Dilemma
Intel testet heikle China-Technik – droht der nächste Chip-Skandal?
Intel hat Chip-Werkzeuge eines Herstellers mit sanktionierten China-Einheiten getestet. Das weckt massive Sicherheitsbedenken – und verschärft den politischen Druck.
- Intel testet Werkzeuge von ACM, die in China sanktioniert.
- Politischer Druck wächst, US-Chip-Hersteller betroffen.
- ACM weist Sicherheitsbedenken zurück, betont Trennung.
- Report: Vorsicht, geheim!
Intel hat in diesem Jahr Werkzeuge des in Kalifornien ansässigen Herstellers ACM Research geprüft. Dessen Einheiten in Shanghai und Südkorea stehen auf US-Sanktionslisten. Zwei Personen mit direkter Kenntnis sagen, Intel habe die sogenannten Nassätzwerkzeuge für seinen künftigen Chipfertigungsprozess getestet, der als 14A bekannt ist. Dieser soll 2027 starten. Ob Intel die Technik übernimmt, ist offen. Reuters fand keine Anhaltspunkte dafür, dass Intel bereits über den Einsatz der Werkzeuge im hochmodernen Produktionsverfahren entschieden hat, und sah zugleich keinerlei Hinweise auf Verstöße gegen US-Regeln.
Wachsender politischer Druck
Doch weil chinesische Ausrüster zunehmend weltweit auftreten, wächst der parteiübergreifende Unmut im Kongress. Anfang des Monats brachten Abgeordnete erneut einen Gesetzentwurf ein, der US-subventionierten Chipherstellern verbieten soll, bei ihren geförderten Erweiterungsprojekten chinesische Technik einzusetzen. Chris McGuire, Senior Fellow beim Council on Foreign Relations, sagt: "Chinesische Werkzeuge könnten von Peking aus leicht ferngesteuert oder physisch manipuliert werden, um die US-Chip-Produktion zu beeinträchtigen oder sogar zum Erliegen zu bringen." Die Tests zeigten "eklatante Lücken in den US-amerikanischen Richtlinien zum Schutz von Technologien".
Die US-Regierung verfolgt unter Präsident Donald Trump zugleich einen weicheren Kurs. Nach Pekings Exportkontrollen bei seltenen Erden erlaubte er Nvidia jüngst den Verkauf einer abgespeckten KI-Chipversion nach China. Beide Parteien im Kongress wollen dennoch Hersteller, die milliardenschwere US-Subventionen erhalten, künftig von chinesischer Ausrüstung fernhalten.
ACM betont Trennung – China weist Vorwürfe zurück
ACM weist die Sicherheitsrisiken zurück. Das Unternehmen erklärt, die US-Einheiten seien strikt von den sanktionierten Shanghai-Strukturen getrennt. Amerikanische Kunden würden ausschließlich von US-Personal betreut. Die chinesische Botschaft in Washington sagte, eine wirtschaftliche Kooperation dürfe "nicht politisiert" werden.
Tiefe Wurzeln in China
Gründer David Wang hält über 57 Prozent der Stimmrechte. Zwar sitzt ACM in Kalifornien, doch die Forschung findet überwiegend in Shanghai statt. Dort unterhält das Unternehmen laut eigener Darstellung vollständige Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten. ACM liefert außerdem an YMTC, CXMT und SMIC, die allesamt im Fokus US-amerikanischer Sanktionen stehen.
Seit 2023 betreibt ACM ein neues Zentrum in Oregon, nur rund eine Meile von Intels wichtigstem Forschungsstandort entfernt. Berichte von Kerrisdale Capital deuten darauf hin, dass ACM dort Werkzeuge für Intel qualifiziert und weitere Evaluierungen laufen. Intel kommentiert das nicht.
Chinas globaler Vorstoß
Laut Gartner Research hält ACM acht Prozent Marktanteil im Segment der Reinigungssysteme. Chinesische Anbieter drängen mit Preisen, die laut TechInsights um 20 bis 30 Prozent unter denen westlicher Wettbewerber liegen, stärker auf den Weltmarkt. Ein Bericht des US-Repräsentantenhauses warnt, chinesische Toolhersteller hätten bereits globale Fortschritte erzielt.
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Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
