Tag der Wahrheit
Wird Strategy heute aus dem Nasdaq 100 gekickt?
Der Nasdaq 100 wird neu sortiert – und Strategy steht plötzlich im Zentrum der Debatte. Analysten warnen vor Milliardenabflüssen, andere halten einen Rauswurf für unwahrscheinlich. Heute fällt die Entscheidung.
- Nasdaq 100 entscheidet über Strategy-Ausschluss heute.
- Analysten warnen vor Milliardenabflüssen bei Streichung.
- Strategy könnte als Holdinggesellschaft eingestuft werden.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Der Bitcoin-Hortungsriese Strategy könnte bei der jährlichen Neuzusammensetzung des Nasdaq-100 vor einem heiklen Moment stehen. Laut mehreren Analysten besteht das Risiko, dass das Unternehmen aus dem Index fällt – nicht wegen seiner Größe, sondern wegen wachsender Zweifel am Geschäftsmodell. Strategy, das einst als MicroStrategy ein klassisches Softwareunternehmen war, hatte sich 2020 vollständig auf Bitcoin-Investitionen verlagert und wurde erst im vergangenen Dezember in die Technologie-Unterkategorie des Nasdaq-100 aufgenommen. Einige Marktbeobachter kritisierten das als Fehlgriff, da das Modell "eher einem Investmentfonds ähnelt".
Der Wechsel ins Krypto-Modell hat die Bilanz massiv verschoben: Strategy meldete für das dritte Quartal einen Nettogewinn von 2,78 Milliarden US-Dollar – fast ausschließlich durch eine Rechnungslegungsänderung, die Gewinne aus Bitcoin ermöglicht. Das traditionelle Softwaregeschäft steuert nur 128,7 Millionen US-Dollar Umsatz bei. Damit wächst die Sorge, dass Strategy formal nicht in die Indexlogik passt. "Wenn Strategy eher als Holdinggesellschaft oder Kryptowährungsunternehmen denn als traditionelles Softwareunternehmen angesehen wird, dann ist es anfällig für eine Streichung", zitiert Reuters Steve Sosnick von Interactive Brokers.
Die Aktie ist zugleich hochvolatil: Sie liegt 65 Prozent unter dem Hoch von 2024 und seit Jahresbeginn über 36 Prozent im Minus – weit schwächer als Bitcoin selbst. Obwohl Strategys Marktwert mit 52,7 Milliarden US-Dollar weiterhin größer ist als bei rund 30 anderen Indexmitgliedern, schrumpfte er im Vergleich zum Wert seiner Bitcoin-Bestände, die inzwischen mehr als 61 Milliarden US-Dollar betragen.
Ein Indexausschluss hätte Folgen. Laut Kaasha Saini von Jefferies drohen passive Abflüsse von etwa 1,6 Milliarden US-Dollar, sollten ETF-Ströme umschichten. Andere Analysten warnen ebenfalls vor technischen Risiken: Mike O’Rourke von JonesTrading nennt die Aufnahme im Vorjahr einen "Fehler", den Nasdaq nun "korrigieren" könne.
Gleichzeitig gibt es Stimmen der Entwarnung. H.C.-Wainwright-Analyst Mike Colonnese betont, Strategy sei "größer als etwa 30 andere Unternehmen im Nasdaq 100" und deshalb vermutlich sicher. CEO Michael Saylor spielte das Risiko zuletzt herunter und sagte, ein möglicher Ausschluss "spiele keine Rolle".
Die Debatte wird durch einen zweiten Druckpunkt verstärkt: Der globale Indexanbieter MSCI prüft, ob Unternehmen für digitale Vermögensverwaltung wie Strategy aus seinen Benchmarks entfernt werden sollen. Eine Entscheidung fällt im Januar.
Die Nasdaq gibt ihre Entscheidung nach Börsenschluss am Freitag bekannt; die Änderungen treten am 22. Dezember in Kraft.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
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