Amerika spaltet sich
Fed-Chef Powell: Reiche kaufen weiter – Arme sparen sich arm
Steigende Vermögenswerte treiben die Ausgaben der Reichen, während niedrige Einkommen durch teure Alltagsgüter ausgebremst werden. Fed-Chef Jerome Powell sieht eine wachsende Schieflage im Konsum.
- Reiche konsumieren mehr, Geringverdiener leiden.
- Powell warnt vor wachsender Schieflage im Konsum.
- Arbeitsmarkt zeigt negative Trends, besonders bei Kleinbetrieben.
- Report: Renditeturbo 2026 - 5 Aktien mit Potenzial
Fed-Chef Jerome Powell hat offen eingeräumt, dass sich in den USA eine "K-förmige Wirtschaft" herausbildet – und er stellt deren Stabilität infrage. Auf der Pressekonferenz nach der Zinssitzung erklärte er, das Phänomen sei "eine eindeutige Sache", die sich sowohl in den Fed-Daten als auch in Unternehmensberichten widerspiegele. Während wohlhabendere Haushalte dank steigender Immobilien- und Aktienwerte weiter konsumierten, litten Menschen mit niedrigem Einkommen unter hohen Preisen für Alltaggüter.
Powell beschrieb damit eine Wirtschaft, in der sich die Schere zwischen Vermögenden und Geringverdienern weiter öffnet: "Wir hören viel darüber … Menschen kaufen weniger, wechseln zu billigeren Produkten." Gleichzeitig stiegen Vermögenswerte "tendenziell eher im Besitz von Menschen mit höherem Einkommen und Vermögen". Die Folge: Das obere Drittel der Haushalte trägt inzwischen einen überproportionalen Teil des US-Konsums.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt die Datenlage am Arbeitsmarkt. Wegen des Regierungsstillstands konnte das Bureau of Labor Statistics wochenlang keine Daten erheben. "Die Daten könnten also verzerrt sein", zitiert Fortune Powell. Die Fed gehe davon aus, dass die jüngsten Zahlen zur Beschäftigung um rund 60.000 Stellen pro Monat zu hoch ausfallen und die Wirtschaft real eher 20.000 Jobs pro Monat verliere. Zudem zeigten Unternehmens- und Haushaltsumfragen sowohl ein sinkendes Arbeitsangebot als auch eine geringere Nachfrage.
Auch aus der Privatwirtschaft kommen Warnsignale. ADP-Chefökonomin Nela Richardson sieht keinen Anlass für Optimismus für 2026. Ihre Echtzeitdaten zeigten im November einen Rückgang der privaten Beschäftigung um 32.000 Stellen, getrieben von massiven Abgängen bei kleinen Unternehmen: Betriebe mit 1 bis 19 Mitarbeitern strichen 46.000 Jobs, Firmen mit 20 bis 49 Beschäftigten 74.000. Nur Großunternehmen stellten ein. Diese kleinteiligen, aber einheitlich negativen Entwicklungen seien ein Frühindikator für eine Wirtschaft, deren Verbesserungen "länger brauchen, um bei den kleinen Leuten anzukommen".
Trotz der Unsicherheiten senkte die Fed die Zinsen um weitere 25 Basispunkte auf 3,5 Prozent. Powell machte jedoch klar, dass nun vorerst keine weiteren Schritte folgen dürften: "Wir haben jetzt dreimal gesenkt … wir sind gut positioniert, um abzuwarten."
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
