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Diagnostik-Spezialist Qiagen: Ist das die langweiligste Aktie im DAX?
Qiagen gehört zu den kleinsten und am meisten unterschätzen Werten im DAX. Die Aktie ist ein defensives Bollwerk mit cleverer Ausschüttungspolitilk.
- Qiagen: Unterschätzter DAX-Wert mit stabiler Ausschüttung.
- Umsatzplus von 5% und Gewinn über Erwartungen erzielt.
- Erstmals Bardividende von 25 US-Cent in Aussicht.
- Report: Vorsicht, geheim!
Rheinmetall, Siemens Energy, Bayer und Volkswagen: Diese DAX-Aktien haben 2025 die Schlagzeilen beherrscht. Am anderen Ende des deutschen Leitindexes ging es dagegen deutlich geräuschloser zu. Weder Rüstungsrallye noch KI-Boom haben die Geschäfte des Diagnostikspezialisten Qiagen stark in Wallung gebracht.
Der Konzern ist zwar im deutschen Leitindex notiert, hat seinen Hauptsitz allerdings im niederländischen Venlo. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 10 Milliarden Euro landet der Konzern auf Platz 34 der 40 DAX-Werte.
Während die mediale Berichterstattung oft von der Marktkapitalisierung, der Bekanntheit der Marke und aktuellen politischen und wirtschaftlichen Ereignissen abhängt, ist Qiagen in einer Nische aktiv, die selten auf das breite Interesse von Privatanlegern stößt. Auch mit starken Kursgewinnen konnte die Aktie in diesem Jahr nicht punkten. Aus Anlegersicht muss das Jahr mit einem Minus von 15 Prozent als klare Enttäuschung verbucht werden.
Dabei hält Qiagen gerade für Biotech-Investoren eine besonders spannende Anlagestory bereit. Qiagen ist ein global führendes Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen und stellt die Werkzeuge her, die Labore, Forscher und Ärzte benötigen, um molekulare Erkenntnisse aus Proben zu gewinnen.
Qiagen wurde 1984 von Wissenschaftlern der Universität Düsseldorf gegründet und ist eine der wenigen deutschen Biotech-Erfolgsgeschichten, die es bis zum Weltmarktführer geschafft haben. Von einem universitären Spin-off stiegen die Hildener auf in Deutschlands erste Börsenliga. An der Spitze des Vorstands steht seit 2019 Thierry Bernard, der das Unternehmen durch die Pandemie-Zeit führte.
Vor 2020 war Qiagen zwar in Fachkreisen bekannt, aber nur bei wenigen Investoren auf dem Radar. Als Hersteller der essentiellen Bausteine für fast alle PCR-Tests macht sich das Unternehmen in kürzester Zeit einen Namen. Im Jahr 2021 stieg der Umsatz um rund 20 Prozent auf 2,25 Milliarden US-Dollar, der Gewinn verdoppelte sich zeitweise.
Die Aktie schwamm mit auf der Corona-Welle und stieg Ende 2021 auf den höchsten Stand seit der Dotcom-Blase. Zwar musste Qiagen wie viele Pandemie-Profiteure auch das Ende der Sonderkonjunktur verkraften. Doch in den Jahren danach hat es der Konzern geschafft, mit den Milliardengewinnen aus der Pandemie Schulden abzubauen und massiv in neue Technologien zu investieren, die nun das Wachstum stützen.
Im dritten Quartal 2025 hat der Konzern solide Zahlen vorgelegt, doch der Markt blickt noch skeptisch auf das Wachstumstempo. Dabei sehen unter anderem die Analysten von Berenberg mehrere Trends, die das defensive Profil des Diagnostikspezialisten klar unterstreichen.
Der DAX-Zwerg bleibt in seinen Kernsegmenten ein globaler Top-3-Anbieter, profitiert von starken Marken, einem breiten Produktzyklus und wachstumsstarken Plattformen.
Entgegen der aktuellen Kursflaute wurden die Jahresziele im November leicht angehoben, trotz eines schwierigen Umfelds. Das Umsatzplus von 5 Prozent (CER) und ein über den Erwartungen liegender Gewinn pro Aktie zeigen, dass Qiagen operativ stabil bleibt. Die Rückkehr zu Wachstum in den Sample Technologies signalisiert Rückenwind vor neuen Geräteeinführungen.
Auch die Bewertung erscheint attraktiv – rund EV/EBITDA-Verhältnis von 11 und ein KGV von 17.
Kurzfristige Risiken drücken die Erwartungen, doch strukturell bleibe Qiagen eine der stabilsten Wachstumsstories im Diagnostiksektor, schreiben die Analysten. Für Anleger besonders spannend: Erstmals soll in diesem Jahr eine Bardividende von 25 US-Cent fließen.
In der Vergangenheit hatte das Unternehmen auf ein steuerlich optimierties Ausschüttungsmodell gesetzt, das für Anleger besonders attraktiv ist. Das Verfahren läuft vollständig über die Eigenkapitalstruktur: Qiagen erhöht dabei den Nennwert seiner Aktien vorübergehend durch die Auflösung einer Rücklage, führt anschließend eine Aktienzusammenlegung durch und setzt den Nennwert wieder auf das ursprüngliche Niveau. Das dabei freiwerdende Kapital wird an die Anteilseigner ausgeschüttet – ohne die Unsicherheiten klassischer Rückkaufprogramme.
Für Anleger hat das Modell einen entscheidenden Vorteil: Die Zahlung gilt nicht als Dividende, sondern mindert den Einstandskurs. Eine Steuer fällt daher erst beim späteren Verkauf an.
Nicht nur die Divdende stimmt Analysten positiv für die Aktie. Von 6 Analysten, die den Wert covern, raten 4 zum Kauf der Qiagen-Papiere. Als mögliche Kurstreiber in den nächsten Jahren gilt auch eine potenzielle Übernahme. Schon mehrfach hat Qiagen das Interesse großer US-Konzerne wie Thermo Fisher auf sich gezogen.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
