Die dunkle Seite des KI-Hypes
Tech-Sell-off erschüttert Wall Street – droht jetzt das Jahresendrallye-Fiasko?
Nach der scharfen Korrektur im Tech-Sektor zum Ende der vergangenen Woche stehen die Märkte unter Strom. Kann die Jahresendrallye noch zünden, oder ist die KI-Euphorie an ihren Grenzen angekommen?
- Märkte nervös nach Tech-Korrektur, KI-Euphorie fraglich.
- Oracle und Nvidia belasten, Investitionen übertrieben.
- Volatilität bleibt hoch, Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten.
- Report: Vorsicht, geheim!
Die US-Aktienfutures legen zu Wochenbeginn leicht zu, nachdem ein scharfer Ausverkauf im Technologiesektor die Wall Street am Freitag belastet hatte. Zweifel an hohen KI-Investitionen und der Frage, ob die Bewertungen der Branche noch tragfähig sind, haben die Risikobereitschaft spürbar gedämpft. S&P-500- und Nasdaq-100-Futures stiegen um rund 0,2 Prozent, während viele asiatische Börsen nachgaben. Besonders der südkoreanische Kospi, das als Gradmesser der KI-Euphorie gilt, verlor 1,8 Prozent.
Auslöser der Nervosität war eine Reihe schwacher Signale aus dem KI-Ökosystem: Der Einbruch bei Nvidia, die deutliche Korrektur bei Broadcom sowie Oracles Absturz nach unerwartet hohen Investitionsausgaben. Kyle Rodda, Senior Market Analyst bei Capital.com, erklärte: "Die 'Santa Rallye' kann angesichts neuer Befürchtungen hinsichtlich der Bewertung von KI nicht in Gang kommen." Anleger diskutieren zunehmend, ob sie ihr Engagement in der Branche reduzieren oder auf die langfristige Chance setzen sollen.
Der KI-Boom stößt unterdessen sichtbar an physische und finanzielle Grenzen. Oracles Aktien sind seit September um 45 Prozent gefallen, nachdem das Unternehmen allein im Quartal 12 Milliarden US-Dollar investierte – weit mehr als erwartet. Zudem hob Oracle seine Investitionsprognose um weitere 15 Milliarden US-Dollar an, größtenteils für Rechenzentren für OpenAI. Bloomberg berichtete über Verzögerungen aufgrund von "Arbeits- und Materialengpässen", was Oracle später dementierte. Doch Experten wie Rechenzentrumsforscher Jonathan Koomey sehen strukturelle Engpässe: "Die Welt der Bits bewegt sich schnell. Die Welt der Atome nicht. Und Rechenzentren sind der Ort, an dem diese beiden Welten aufeinanderprallen."
Ein von Goldman Sachs zusammengestellter Korb aus Rechenzentrumsaktien verzeichnete den größten Tagesverlust seit der Zollankündigung der US-Regierung im Frühjahr. Hardwarehersteller wie Western Digital, Micron und Seagate standen ebenso unter Druck wie Rechenzentrumsbetreiber und Energieversorger, die vom KI-Bau-Boom abhängig sind.
Parallel wächst die Belastung durch Fremdfinanzierung. Die Renditen von Oracle-Anleihen sind massiv gestiegen, einige handeln wie Junk-Bonds. Analysten sehen darin ein Warnsignal, dass der KI-Ausbau zunehmend kreditgetrieben ist. Laut Bank of America haben Google, Meta, Amazon, Microsoft und Oracle in diesem Jahr zusammen Anleihen über rund 121 Milliarden US-Dollar begeben. Oracle gilt dabei als besonders verschuldet, mit rund 100 Milliarden US-Dollar Gesamtverbindlichkeiten und einer schwächeren Bonität.
Trotz der Sorgen betonen einige Strategen, dass der KI-Trend intakt bleibt. Ed Yardeni sprach von einer Phase der "Verdauungsstörungen" im Technologiezyklus, nicht vom Ende der Story. UBS sieht weiterhin "eine hohe Rentabilität" und erwartet, dass die Themen KI, Energie und Langlebigkeit 2026 treiben werden.
Kurzfristig bleibt die Volatilität hoch. Entscheidend für die Stimmung werden diese Woche der US-Arbeitsmarktbericht und neue Inflationsdaten – beide durch den US-Regierungsstillstand jedoch auf älteren Erhebungen basierend, was zusätzliche Unsicherheit schafft.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

