China-Schock und E-Auto-Frust
Gewinn bricht um 76% ein: Das Drama der deutschen Autokonzerne
Umsätze steigen, doch die Gewinne brechen ein. Besonders deutsche Autobauer geraten unter Druck, während China Tempo macht. Warum die Branche vor einem entscheidenden Wendepunkt steht.
- Umsätze steigen, Gewinne brechen ein, besonders in D.
- Chinesische Hersteller wachsen, deutsche unter Druck.
- Elektromobilität kommt langsam, Markt bleibt hart.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Die weltgrößten Autokonzerne haben im dritten Quartal zwar mehr Fahrzeuge verkauft und höhere Umsätze erzielt, doch beim Gewinn setzte sich der Abwärtstrend fort. Der Umsatz der Hersteller stieg insgesamt um 4,1 Prozent, der Pkw-Absatz legte um 3,8 Prozent zu. Der operative Gewinn brach jedoch um 37 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro ein und erreichte damit laut EY den niedrigsten Stand seit 2018.
Besonders hart traf es die deutschen Autobauer. Ihr operativer Gewinn sackte im Vergleich zum Vorjahr um 76 Prozent ab, während Absatz und Umsatz in etwa stagnierten. Mit einem gemeinsamen EBIT von nur noch 1,7 Milliarden Euro fiel das Ergebnis auf den niedrigsten Wert seit dem dritten Quartal 2009. In Summe entwickelten sich die deutschen Konzerne bei Umsatz, Gewinn und Margen schwächer als alle anderen Autonationen. Lediglich beim Pkw-Absatz schnitten die japanischen Hersteller mit einem Minus von einem Prozent noch schlechter ab.
Deutlich dynamischer präsentierten sich die chinesischen Hersteller. BYD, Geely und Great Wall Motors steigerten ihren Umsatz gemeinsam um sieben Prozent und den Absatz um 13 Prozent. Gleichzeitig sank ihr Gewinn um 14 Prozent. Im Ranking der profitabelsten Autobauer lag im dritten Quartal Suzuki mit einer Marge von 9,2 Prozent vorn, gefolgt von BMW mit 7,0 Prozent und Toyota mit 6,8 Prozent. Die durchschnittliche Marge aller 19 von EY analysierten Konzerne fiel auf 3,9 Prozent und erreichte damit den tiefsten Stand seit mindestens zehn Jahren. Seit 2023 hat sich die Marge der Branche mehr als halbiert.
Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY, spricht von einer tiefen Krise der Branche. Besonders stark litten derzeit die deutschen Autobauer.
"Die allgemeine Schwäche des Premiumsegments, die US-Zollpolitik, negative Wechselkurseffekte, hohe Investitionen in Elektroautos, die sich bislang nicht amortisieren, und hohe Restrukturierungsausgaben sorgen für einen perfekten Sturm."
Er setzt dennoch auf eine Erholung. "Es bleibt die Hoffnung, dass das bilanzielle Reinemachen bald abgeschlossen ist und die Kostensenkungsmaßnahmen rasch Früchte tragen", so Gall. Der laufende Personalabbau, vor allem in Deutschland, verursache zwar hohe Einmalkosten, könne aber mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Auch die strategische Neuausrichtung mit einem längeren Festhalten an der Verbrenner-Technologie sei teuer, dürfte sich jedoch auszahlen. Die Erwartungen an einen schnellen Durchbruch der Elektromobilität hätten sich nicht erfüllt, insbesondere in westlichen Märkten. Die Mehrheit der Käufer greife weiterhin zu Verbrennern, meist in Kombination mit Hybrid-Technologie.
Zusätzlichen Druck erzeugt der chinesische Markt. Die Verkäufe deutscher Autobauer in China lagen im dritten Quartal neun Prozent unter dem Vorjahreswert. Der China-Anteil am Absatz ist seit 2020 von 39 auf 29 Prozent gefallen. "Der chinesische Markt ist extrem wettbewerbsintensiv, und Premiumfahrzeuge verkaufen sich wegen der schwachen Konjunktur schlechter", sagte Gall. Zudem bevorzugten chinesische Käufer zunehmend heimische Elektroauto-Marken. Ein Ende des Abwärtstrends sei derzeit nicht absehbar, womit ein früherer Gewinntreiber wegfalle.
Gleichzeitig gewinnen chinesische Hersteller global an Bedeutung. Geely und Great Wall Motors steigerten ihren Umsatz um 26 beziehungsweise 21 Prozent, der Absatz legte um 43 und 20 Prozent zu. Dennoch schrumpfte die Marge der chinesischen Hersteller von 6,0 auf 4,9 Prozent. Auch sie seien nicht immun gegen den Margendruck, betonte Gall.
Dennoch sieht er chinesische Konzerne als ernstzunehmende globale Wettbewerber. Sie profitierten von hoher Entwicklungsgeschwindigkeit, schlanken Strukturen und modernen Produktionsmethoden. Die deutschen Hersteller hätten die Zeichen erkannt und versuchten, schneller und kosteneffizienter zu werden.
Auch Analysten der UBS sehen Licht und Schatten. Für 2026 erwarten sie eine ausgewogene Entwicklung, warnen jedoch vor dem begrenzten Aufwärtspotenzial durch den globalen Vormarsch chinesischer Hersteller. Ein gleichmäßigerer Übergang zur Elektromobilität, Kostensenkungen und neue Technologien könnten stützen. BMW zähle für die UBS zu den bevorzugten Herstellern. Bei den Zulieferern sehen die Analysten unter anderem Continental und Aumovio im Vorteil.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion

