Risikoflaute
Bitcoin und XRP schwächeln weiterhin zum Jahresende
Zum Jahresende bestimmen geringe Liquidität, Gewinnmitnahmen und US-Konjunkturdaten die Richtung am Krypto-Markt, was sich auch bei Bitcoin und XRP bemerkbar macht.
- Krypto-Markt unter Druck: Gewinnmitnahmen und Liquidität
- Bitcoin bleibt unter 90.000 USD, Ethereum leicht im Plus
- Wichtige US-Konjunkturdaten könnten Markt beeinflussen
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Der Krypto-Markt geht mit angezogener Handbremse in die letzte volle Handelswoche des Jahres. Bitcoin notiert am Montagmittag leicht im Plus bei rund 89.800 US-Dollar, bleibt damit jedoch unter der psychologisch wichtigen Marke von 90.000 US-Dollar. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf etwa 2,3 Prozent. Ethereum kann sich dem Abwärtsdruck entziehen und legt um 2,2 Prozent auf rund 3.160 US-Dollar zu. XRP hingegen gibt um 0,6 Prozent auf 1,99 US-Dollar nach.
Risikoflaute zum Jahresende belastet den Krypto-Markt
Bereits am Sonntag hatten Kryptowährungen nachgegeben. Marktbeobachter verweisen auf eine Kombination aus Gewinnmitnahmen zum Jahresende, sinkender Risikobereitschaft und spürbar ausgedünnten Handelsvolumina, die selbst kleinere Orders stärker auf die Preise durchschlagen lassen.
"Zum Jahresende sichern viele Händler ihre Profite und wollen ihre Positionierung erst Anfang 2026 neu bewerten", so Jeff Mei, Chief Operating Officer der Börse BTSE.
Makrodaten im Fokus
Der Krypto-Markt tut sich schwer seit dem scharfen Rücksetzer im Oktober neues Momentum aufzubauen. Ein wesentlicher Belastungsfaktor bleibt die Geldpolitik der Federal Reserve. Zwar hatte die Notenbank zuletzt die Zinsen um 25 Basispunkte gesenkt, der begleitende Tonfall wurde von den Märkten jedoch als überraschend restriktiv interpretiert.
Mit den geldpolitischen Sitzungen für 2025 abgeschlossen, richtet sich der Blick nun auf eine Serie wichtiger US-Konjunkturdaten. In den kommenden Tagen stehen unter anderem Einzelhandelsumsätze, Arbeitsmarktdaten, Verbraucherpreise (CPI), der PCE-Inflationsindex sowie mehrere Reden von Fed-Mitgliedern an. Analysten erwarten, dass insbesondere die Inflationsdaten darüber entscheiden könnten, ob sich die Hoffnung auf eine Lockerung der Finanzierungsbedingungen im kommenden Jahr erfüllt.
"Der Makrokalender übernimmt jetzt die Kontrolle", sagte Timothy Misir, Research-Leiter bei BRN. Positive Überraschungen bei der Inflation könnten die Erzählung eines restriktiven Zinsschritts untermauern, während schwächere Daten riskantere Anlagen kurzfristig stützen würden.
Liquiditätsrückgang verstärkt Ausschläge
Die Zurückhaltung der Investoren zeigt sich auch in den Handelsvolumina. Diese sind in den vergangenen Sitzungen deutlich zurückgegangen – ein typisches Muster zum Jahresende, das Preisbewegungen jedoch verstärken kann. "Anleger zögern derzeit, neue Krypto-Positionen einzugehen", sagte Mei.
Gleichzeitig schwanken die Nettozuflüsse in Bitcoin-ETFs positiv. Zuletzt wurden zwar Zuflüsse von 49 Millionen verzeichnet in den Tagen zuvor kam es jedoch auch zu Abflüssen von 73 Millionen. Insgesamt ist der Markt auch dort negativ aufgestellt mit 289 Millionen US-Dollar Abflüssen im letzten Monat bei BTC-ETFs. Bei Ethereum ETFs sieht es ähnlich aus. In der letzten Woche hab es Tage mit Zuflüssen von über 170 Millionen US-Dollar, jedoch auch Tage mit 75 Millionen US-Dollar Abflüsse. Insgesamt verzeichnen ETH-ETFs Abflüsse von 183 Millionen im letzten Monat und 75 Millionen in der letzten Woche.
Hebelabbau, Miner-Rückzug und vorsichtige Langfrist-Signale
In den vergangenen 24 Stunden wurden laut Daten von CoinGlass Positionen im Wert von rund 298 Millionen US-Dollar liquidiert, davon entfielen fast 80 Prozent auf Long-Positionen. Der Abbau spekulativer Hebel hat zwar den Druck aus dem Markt genommen, bislang aber keine nachhaltige Erholung ausgelöst.
Auf der Angebotsseite sank die Bitcoin-Hashrate zuletzt um etwa acht Prozent, nachdem Berichte über Minenabschaltungen in der chinesischen Region Xinjiang aufkamen. Historisch haben solche Rückgänge das Angebot verknappt und mit Verzögerung stabilisierend gewirkt.
Die gedämpfte Stimmung spiegelt sich auch in den Prognosen wider. Die britische Bank Standard Chartered hat ihr Kursziel für Bitcoin zum Jahresende 2025 jüngst von 200.000 auf 100.000 US-Dollar halbiert und verweist auf geringere Unternehmensnachfrage und langsamere ETF-Zuflüsse. Am langfristigen Potenzial hält das Institut jedoch fest und sieht Kurse von bis zu 500.000 US-Dollar bis 2030.
Autor: Pascal Grunow, wallstreetONLINE Redaktion

