Deutsche-Bank-Studie warnt!
Doch kein Deutschland-Turbo: Ist das 100-Milliarden-Paket nur ein Strohfeuer?
Die Euphorie war groß, als die neue Bundesregierung im Frühjahr beschloss, die Schatulle aufzumachen und das Land mit 100 Milliarden Euro neuen Schulden wieder auf Vordermann zu bringen. Was ist davon geblieben?
- 100 Milliarden Schulden für Infrastruktur und Verteidigung.
- Verzögerungen und Unterauslastung bei Projekten erwartet.
- Langfristig hohe Sparbedarfe und soziale Ausgaben steigen.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Deutschland plant die größte staatliche Ausgabenoffensive seit Jahrzehnten – doch der Finanzmotor stottert. Ein neuer Deutsche-Bank-Bericht zeigt: Der politische "Big-Spend"-Plan für Infrastruktur und Verteidigung kommt deutlich langsamer in Fahrt als gedacht. Während Berlin ab 2026 einen kräftigen konjunkturellen Schub erwartet, warnen die Analysten vor erheblichen Verzögerungen, strukturellen Risiken – und einer Überschätzung der kurzfristigen Wirkung des Schuldenpakets.
Kern des Programms ist eine auf fünf Jahre angelegte Ausgabenwelle, die nach Lockerung der Schuldenbremse bis 2029 zusätzliche 850 Milliarden Euro an Bundesverschuldung ermöglichen soll. Ziel: Modernisierung maroder Infrastruktur, Digitalisierung und ein massiver Aufwuchs der Verteidigungsausgaben auf 3,5 Prozent des BIP. Doch schon 2025 bleibt Berlin deutlich hinter den eigenen Plänen zurück: Vor allem bei Verteidigungs- und Investitionsprojekten kommt es laut Bericht zu "beträchtlicher Unterauslastung" der Budgets. Das Ergebnis: Das Bundesdefizit könnte bis zu 40 Milliarden Euro niedriger ausfallen als vorgesehen.
Der große fiskalische Impuls verschiebt sich damit auf 2026, wenn die Regierung erstmals ohne Übergangshaushalt arbeiten kann. Die Deutsche Bank rechnet dennoch damit, dass das Defizit – anders als vom Finanzministerium prognostiziert – eher bei 3,5 Prozent des BIP statt über 4 Prozent liegen wird. Grund: Die Verwaltung brauche länger, um Mittel tatsächlich in Projekte zu überführen. Das schnelle Wachstum, das Berlin erwartet, dürfte deshalb "flacher" ausfallen. Der Fiskalimpuls könnte demnach im kommenden Jahr das BIP um rund 1 Prozent steigern.
Langfristig zeigt der Bericht ein düsteres Bild: Ein großer Teil der neuen Schulden fließt nicht in Zukunftsprojekte, sondern in laufende Ausgaben und soziale Transfers. Das begrenze den Wachstumsbeitrag. Ab 2027 steigen zudem die Konsolidierungszwänge massiv – allein das Finanzministerium sieht 172 Milliarden Euro an Sparbedarf im Kernhaushalt bis 2029. Parallel wachsen die Bundeszuschüsse zur Rentenversicherung Richtung 150 Milliarden Euro pro Jahr.
Das ernüchternde Fazit der Experten: Deutschlands Schuldenoffensive liefert zwar kurzfristig ein konjunkturelles Strohfeuer, aber kaum strukturelle Stärkung. Ab 2027 droht ein finanzielles "Erwachen mit Kater".
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
