Mit Ferrari im Rücken
Abgelehnt, aber nicht vorbei? Diese Offerte heizt die Juventus-Aktie an
Ein Krypto-Gigant bietet 1,1 Milliarden Euro für Juventus und kassiert eine Absage. Die Aktie schießt dennoch nach oben. Warum Anleger auf eine Fortsetzung des Übernahmepokers setzen.
- Tether bietet 1,1 Mrd. Euro für Juventus, Absage erhalten.
- Juventus-Aktie steigt trotz Ablehnung um 14 Prozent.
- Exor lehnt Verkauf ab, betont emotionale Bindung.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Die Aktie von Juventus Football Club sprang am Montag so stark wie in diesem Jahr noch nie.
Auslöser war ein Übernahmeangebot von Tether Holdings im Volumen von 1,1 Milliarden Euro, das jedoch umgehend zurückgewiesen wurde. Das Krypto-Unternehmen legte am späten Freitag ein Barangebot für den Erwerb der 65,4 Prozent großen Beteiligung der Holding Exor vor. Der gebotene Preis lag bei 2,66 Euro je Aktie und entsprach einem Aufschlag von 21 Prozent. Aus einem Schreiben an Exor, das Bloomberg vorliegt, geht hervor, dass Tether damit die vollständige Kontrolle über den italienischen Fußballverein anstrebte.
Exor, die Investmentgesellschaft der Familie Agnelli, lehnte das Angebot umgehend ab. Ein eigens einberufener Vorstand entschied am Wochenende einstimmig, die Offerte zurückzuweisen. Exor machte zugleich deutlich, dass kein Interesse bestehe, den Anteil an Juventus an Tether oder einen anderen Käufer zu veräußern.
An der Börse sorgte die Nachricht dennoch für Fantasie. Die Juventus-Aktie legte zeitweise um bis zu 14 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag zu. Das deutet darauf hin, dass einige Anleger die Ablehnung nicht als endgültiges Ende der Ambitionen von Tether werten.
Das Angebot kommt für die Agnelli-Familie zu einem sensiblen Zeitpunkt. Exor richtet sein Portfolio angesichts tiefgreifender Umbrüche in der Automobilindustrie neu aus. Die Holding ist größter Einzelaktionär von Ferrari und von Stellantis. Anfang des Jahres stimmte Exor dem Verkauf des Nutzfahrzeuggeschäfts Iveco an Tata Steel und Leonardo zu.
Parallel verhandelt das Unternehmen über den Verkauf des Medienkonzerns Gedi Gruppo Editoriale an die griechische Antenna Group. Der italienische Außenminister betonte am Sonntag, das Medienhaus solle in italienischer Hand bleiben, um die Pressefreiheit zu sichern, wie Bloomberg berichtet.
Der Nettovermögenswert von Exor hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdreifacht. Er stieg von rund 11 Milliarden Euro auf über 36 Milliarden Euro im Juni dieses Jahres.
John Elkann, CEO von Exor, unterstrich die emotionale Bedeutung des Vereins für seine Familie. "Juventus ist seit 102 Jahren Teil meiner Familie", sagte er am Samstag in einer Videoerklärung.
Juventus gehört zu den traditionsreichsten Fußballvereinen Italiens. Im April war der Klub der erste große europäische Verein, bei dem ein Krypto-Unternehmen zum Großaktionär wurde. Tether erwarb damals einen Anteil von 10,7 Prozent.
Das Übernahmeangebot fällt in eine sportlich und wirtschaftlich anspruchsvolle Phase für Juventus. Der Klub kämpft um Anschluss an die europäische Spitze. Tether erklärte, bereit zu sein, rund 1 Milliarde Euro in die Entwicklung des Vereins zu investieren.
Tether-Chef Giancarlo Devasini wurde in Turin geboren. Sowohl er als auch Paolo Ardoino, CEO von Tether, bezeichnen sich als langjährige Fans des Vereins. Im Oktober schlug Tether zwei Kandidaten für den Vorstand von Juventus vor. Einer von ihnen, Francesco Garino, zog in das Gremium ein.
Ardoino äußerte zuletzt deutliche Kritik an der Führung des Klubs. "Das Management behandelt Juventus immer noch so, als lebte es in den Neunzigern oder Achtzigern", sagte er im Oktober. Das sei in einem zunehmend globalen Wettbewerbsumfeld im Profisport der falsche Ansatz.
Tether hat in den vergangenen Jahren einen Teil der Erlöse aus US-Staatsanleihen, die den Stablecoin USDT absichern, in neue Beteiligungen gelenkt. Investitionen flossen unter anderem in Landwirtschaft, Sport und soziale Medien.
Auch Italien profitiert davon. Tether hält 30 Prozent an dem Medienunternehmen Be Water und beteiligte sich mit über 70 Millionen Euro an dem Robotik-Start-up Generative Bionics aus Genua.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
