Earnings Preview
Micron, Nike und Co. – Diese Zahlen gilt es jetzt zu beachten!
Diese in den kommenden Tagen (KW51) anstehenden US-Quartalszahlen müssen Anlegerinnen und Anleger kennen: Herausforderungen, Erwartungen und die aktuell eingepreisten Kursreaktionen – alles auf einen Blick!
Mittwoch, 17. Dezember: General Mills
Anlegerinnen und Anleger von Konsumgüterherstellern hatten in den vergangenen 12 Monaten nichts zu lachen. Reihenweise sind hier die Kurse gepurzelt – zum Teil um mehr als die Hälfte, so auch beim Spezialisten für abgepackte Nahrungsmittel General Mills. Die Ursachen für den schwachen Branchentrend sind vielfältig. Höhere Produktionskosten, eine sinkende Nachfrage und die wachsende Konkurrenz durch Handelsmarken sind die wichtigsten Gründe für die schwache Aktienkurs- und Geschäftsentwicklung.
Das wiederum hat zu vielerorts günstigen Unternehmensbewertungen und attraktiven Dividendenrenditen geführt. General Mills, das am Mittwoch Einblick in seine Bücher geben wird, handelt mit einem für 2026 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,8 und bietet aktuell eine Ausschüttung von 5,6 Prozent. So günstig war die Aktie seit mehr als 5 Jahre nicht bewertet.
Damit ist nicht nur General Mills, sondern die gesamte Branche ein aussichtsreicher Turnaround-Kandidat für das kommende Jahr, sobald sich eine Verbesserung des Umfelds und eine stabilere Geschäftsentwicklung abzeichnet. Mit Blick auf die geringeren Erwartungen für das abgelaufene Quartal könnten solche positiven Impulse aber noch auf sich warten lassen.
Analystinnen und Analysten rechnen mit Erlösen in Höhe von 4,78 Milliarden US-Dollar – einem Rückgang von 8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der bereinigte Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) soll von 1,40 US-Dollar vor 12 Monaten auf 1,02 US-Dollar sinken. Ein überproportionaler Rückgang von 27,1 Prozent, der den anhaltenden Margendruck verdeutlicht.
Nichtsdestotrotz zeigen sich Händlerinnen und Händler am Optionsmarkt hoffnungsvoll, dass General Mills die Talsohle erreicht haben könnte, und wetten mehrheitlich auf nach den Zahlen steigende Kurse. 64,5 Prozent der am kommenden Freitag verfallenden Optionen sind Call-Optionen, denen eine Put-Quote von 35,5 Prozent gegenüber steht. Für die Aktie ist eine Kursreaktion von 4,6 Prozent eingepreist. Das liegt im Durchschnitt der vergangenen Quartale.
Mittwoch, 17. Dezember: Micron
Nach enttäuschenden Kursreaktionen auf eigentlich starke Quartalszahlen von Nvidia, Marvell und Broadcom sowie der Sorgen um die finanzielle Nachhaltigkeit von KI-Investitionen wie im Fall von Oracle zeigt der KI-Trade zum Jahresende immer deutlichere Risse. Auch die hohen Unternehmensbewertungen werden von Anlegerinnen und Anlegern zunehmend in Frage gestellt.
Damit befindet sich auch die Aktie von Speicherchiphersteller Micron in einer schwierigen Position. Einerseits ist die Nachfrage sowohl nach Massen- als auch Arbeitsspeicher inzwischen überwältigend, sodass Hersteller wie Micron, SK Hynix und Samsung ihre Preise nach Belieben anpassen können. Eine ähnliche Situation hatte es während des Bitcoin-Booms 2021 im Bereich von Grafikkarten gegeben. Selbst gebrauchte DDR-Speicher wechseln inzwischen für Hunderte US-Dollar beziehungsweise Euro den Besitzer.
Andererseits ist das Papier angesichts eines Plus von 145,5 Prozent in den vergangenen 12 Monaten bereits hervorragend gelaufen und die Bewertung mit einem KGVe 2026 von 13,3 nur auf den ersten Blick günstig: Das langfristige Mittel liegt im hohen einstelligen Bereich, denn Speicherchips sind stark zyklisch. Schon eine sich geringfügig abflachende Nachfragekurve dürfte zu rasch sinkenden Margen führen. Für noch höhere Kurse der Aktie muss Micron also glaubhaft in Aussicht stellen, dass die Nachfrage über die kommenden zwei Jahre hinaus hoch bleibt.
Zunächst aber wird der Konzern dank seiner Position als wichtiger Zulieferer für Grafikbeschleuniger die Früchte des rasanten Auf- und Ausbaus von Rechenzentren genießen dürfen. Gegenüber dem Vorjahresquartal wird mit einem Umsatzanstieg von 8,71 auf 12,84 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 47,4 Prozent gerechnet. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll von 1.79 US-Dollar um 118,4 Prozent auf 3,91 US-Dollar klettern.
Angesichts der zuletzt schwachen Kursreaktionen bei Mitbewerbern und anderen KI-Profiteuren wettet mit einer Call-Quote von 50,8 Prozent nur eine knappe Mehrheit der Händlerinnen und Händler auf steigende Aktienkurse. Gerechnet werden muss mit einer Kursbewegung von bis zu 10,4 Prozent.
Donnerstag, 18. Dezember: FedEx
Transportdienstleister gelten als wichtiger Wasserstandsmelder für die US-Konjunktur. Eine hohe Nachfrage und ein starkes Paketaufkommen signalisieren eine robuste Entwicklung und einen hohen Privatkonsum, ein geringes Transportvolumen wiederum deutet auf Schwäche hin. Daher gilt der Dow Jones Transportation Index als Vorläuferindikator für den Gesamtmarkt.
Doch dieser Zusammenhang wird seit Jahren zunehmend infrage gestellt. Das hat mit dem Wandel im Transportsektor insbesondere durch Online- und Einzelhandelsriesen wie Amazon, Walmart und Costco zu tun, die einen immer größeren Teil ihrer Warenlieferungen selbst abwickeln und damit zu ihren eigenen Transportdienstleistern geworden sind. Das stellt traditionelle Konzerne wie Fedex vor strukturelle Herausforderungen.
Doch im Fall von Fedex scheint das für ein grundsätzlich erfolgreicheres Unternehmen nötig gewesen zu sein. Zwar hatte der Konzern in den vergangenen Jahren wiederholt den Verlust von Amazon-Aufträgen zu beklagen, was sich auch in schwächeren Erlösen niedergeschlagen hat. Doch das Effizienz- und Kostenprogramm zeigt längst Wirkung. Die Erträge haben sich nicht nur stabilisiert, sondern sogar wieder verbessert. Die Aktie hat das im vergangenen halben Jahr bereits mit kräftigen Kursaufschlägen quittiert. Nun steht Fedex in der Pflicht, im wahrsten Sinne des Wortes zu liefern und den Vorschusslorbeeren gerecht zu werden.
Erwartet werden Erlöse in Höhe von 22,8 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal entspräche das einem Plus von rund 4 Prozent. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll mit 4,11 US-Dollar um 6 Cent höher ausfallen als vor 12 Monaten.
Nach den in diesem Jahr starken Kursgewinnen hat sich eine Mehrheit der Optionsanlegerinnen und -anleger gegen fallende Kurse abgesichert. Einer Put-Quote von 58,1 Prozent steht ein Call-Anteil von nur 41,9 Prozent gegenüber. Die eingepreiste Kursreaktion liegt bei 7,1 Prozent.
Donnerstag, 18. Dezember: Nike
Hinter den Anteilen von Sportartikelherstellern liegt ein schwieriges Jahr. Egal ob Puma, Adidas oder Nike – reihenweise sind die Kurse abgestürzt. Die starken Verluste sind auf den Zoll- und Handelsstreit, eine anhaltend schwache Verbraucherstimmung und verstärkten Wettbewerb zurückzuführen. Bei Nike kamen aufgrund hoher Lagerbestände außerdem Margen-Sorgen hinzu.
Doch ganz so schlecht, wie es die Kursverläufe suggerieren, ist die Lage nicht. Insgesamt zeichnet sich eine zwar deutlich schwächere, aber gegenüber den Vorjahren stabile Geschäftsentwicklung ab. Das hat vor allem bei Adidas und Lululemon zu attraktiven Bewertungen geführt – eine Ausgangslage, die sich rasch in höheren Kursen niederschlagen kann, wie die wohlwollende Kursreaktion bei Lululemon nach zufriedenstellenden Zahlen gezeigt hat.
Allerdings sind die Kanadier und auch die Herzogenauracher in diesem Jahr weiter gewachsen, was man von Nike angesichts von Umsatzrückgängen im hohen einstelligen beziehungswiese niedrigen zweistelligen Prozentbereich nicht behaupten kann. Auch im abgelaufenen Quartal dürften die Geschäfte nach Einschätzung der Expertinnen und Experten erneut schlechter gelaufen sein.
Erwartet wird ein Umsatzrückgang von einem Prozent auf 12,21 Milliarden US-Dollar. Beim bereinigten Gewinn pro Aktie könnten mit 0,38 US-Dollar weniger als die Hälfte stehen, als noch im vergangenen Jahr (0,78 US-Dollar). Das birgt hohe Risiken für die ohnehin schwache Aktie (-10,8 Prozent seit dem Jahresanfang), da Nike für 2026 noch immer mit einem KGVe von 40,8 bewertet ist.
Daran scheint sich eine Mehrheit der Anlegerinnen und Anleger, die auf eine nach den Zahlen steigende Aktie wettet, nicht zu stören. Der Call-Anteil liegt bei 63,1 Prozent. Eingepreist ist eine Kursreaktion von 8,3 Prozent. Nach einer Serie von vier schwachen Reaktionen in Folge konnte sich Nike im vergangenen Quartal bereits zum zweiten Mal hintereinander deutlich steigern (+6,4 Prozent).
Freitag, 19. Dezember: Paychex
Der US-Arbeitsmarkt präsentierte sich in den vergangenen Monaten in einer zunehmend schwachen Verfassung. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind kontinuierlich gestiegen, während die Zahl der offenen Stellen geschrumpft ist – nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Unternehmen beginnen, Einstiegspositionen durch KI-Assistenten zu ersetzen. Dazu kommen die anhaltende Krise im verarbeitenden Gewerbe sowie der Regierungsstillstand.
Diese nachteilige Entwicklung hat nicht nur zur Entscheidung der US-Notenbank, ihren Leitzins am vergangenen Mittwoch noch einmal zu senken geführt, sondern sich auch in einem stark gefallenen Kurs bei Lohnbuchhalter Paychex geführt, dessen Aktie hoch mit Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt korreliert ist. Das Minus seit dem Jahresauftakt beträgt 17,7 Prozent.
Doch es gibt durchaus hoffnungsvolle Zeichen. In der vergangenen Woche waren die als offen gemeldeten Stellen deutlich höher als erwartet. Auch in der Paychex-Aktie, einem in den vergangenen Jahren überaus zuverlässigen Dividendenwachstumswert, ist eine Erholung zu erkennen. Nicht zuletzt, weil die Bewertung mit einem KGVe 2026 von 21,1 deutlich unter dem historischen Mittel von 28,8 liegt und die Dividendenrendite mit rund 3,7 Prozent so hoch wie lange nicht ist.
Die Zahlen sowie der Ausblick des Unternehmens sind somit auch ein Gradmesser für den US-Arbeitsmarkt. Ein starkes Ergebnis könnte Anlegerinnen und Anlegern die Furcht vor einer weiteren Abschwächung nehmen und bei der Aktie zu einem Turnaround führen. Erwartet werden Erlöse in Höhe von 1,55 Milliarden US-Dollar. Das entspricht gegenüber dem Vorjahresquartal einem Anstieg von 17,4 Prozent – nicht zuletzt auch aufgrund der Übernahme von Paycor. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll 1,23 US-Dollar betragen nach 1,14 US-Dollar im Jahr zuvor.
Nach dem bislang unbefriedigenden Jahresverlauf wettet eine Mehrheit der Optionshändlerinnen und -händler auf eine nach den Zahlen steigende Aktie. Die Call-Quote liegt bei 62,0 Prozent. Die eingepreiste Kursreaktion liegt bei ± 6,5 Prozent, das ist ein für Paychex leicht überdurchschnittlicher Wert und zeigt die Verunsicherung gegenüber der weiteren Entwicklung an.
Weitere nennenswerte US-Quartalszahlen:
| Wert | Datum | Zeit | erw. EPS * | erw. Umsatz | erw. Kursbew. | Börsenwert |
| Lennar | Di.,16.12. | Nachbörse | 2,18 $ | 9,13 Mrd. $ | ± 6,2 % | 29,5 Mrd. $ |
| Organigram | Di., 16.12. | Vorbörse | -0,01 $ | 52,9 Mio. $ | ± 11,2 % | 256,9 Mio. $ |
| Jabil | Mi., 17.12. | Vorbörse | 2,72 $ | 8,07 Mrd. $ | ± 8,6 % | 23,8 Mrd. $ |
| Accenture | Do., 18.12. | Vorbörse | 3,73 $ | 18,5 Mrd. $ | ± 7,3 % | 168,9 Mrd. $ |
| Cintas | Do., 18.12. | Vorbörse | 1,20 $ | 2,77 Mrd. $ | ± 5,3 % | 75,4 Mrd. $ |
| Heico | Do., 18.12. | Nachbörse | 1,22 $ | 1,17 Mrd. $ | ± 6,0 % | 43,2 Mrd. $ |
| Darden Rest. | Do., 18.12. | Vorbörse | 2,10 $ | 3,08 Mrd. $ | ± 6,7 % | 21,2 Mrd. $ |
| FactSet | Do., 18.12. | Vorbörse | 4,36 $ | 600,6 Mio. $ | ± 9,1 % | 11,0 Mrd. $ |
| Birkenstock | Do., 18.12. | Vorbörse | 0,42 $ | 611,8 Mio. $ | ± 9,4 % | 8,4 Mrd. $ |
| CarMax | Do., 18.12. | Vorbörse | 0,30 $ | 5,64 Mrd. $ | ± 11,0 % | 6,0 Mrd. $ |
| KB Home | Do., 18.12. | Nachbörse | 1,79 $ | 1,66 Mrd. $ | ± 6,2 % | 4,2 Mrd. $ |
| BlackBerry | Do., 18.12. | Nachbörse | 0,04 $ | 137,5 Mio. $ | ± 10,5 % | 2,5 Mrd. $ |
| Carnival | Fr., 19.12. | Vorbörse | 0,25 $ | 6,38 Mrd. $ | ± 7,3 % | 36,3 Mrd. $ |
| Conagra | Fr., 19.12. | Vorbörse | 0,44 $ | 2,99 Mrd. $ | ± 4,9 % | 8,5 Mrd. $ |
| Lamb Weston | Fr., 19.12. | Vorbörse | 0,65 $ | 1,59 Mrd. $ | ± 9,6 % | 8,3 Mrd. $ |
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
Stand: Sonntag, 14. Dezember, 12:20 Uhr (MESZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

