Sektor-Rotation statt Crash
Bringt die Schulden-Falle den KI-Boom ins Wanken?
Schuldenangst bremst KI-Boom: Anleger stoßen KI-Infrastruktur-Aktien wie Oracle ab. Die hohen Kosten für neue Rechenzentren drücken auf die Stimmung. Dennoch bleibt der Gesamtmarkt von den Verlusten bisher verschont.
- Schuldenangst bremst KI-Investitionen, Oracle betroffen.
- Anleger schichten Kapital in zyklische Werte um.
- Gesamtmarkt stabil, keine Panik, nur Sektorrotation.
- Report: Vorsicht, geheim!
Es ist ein Warnschuss für den derzeit heißesten Sektor: Investoren stoßen KI-Infrastruktur-Aktien wie Oracle, Broadcom und CoreWeave ab. Während die KI-Fantasie monatelang die Kurse trieb, rückt nun die Finanzierung der gigantischen Expansion in den Fokus. Die Sorge wächst, dass sich die Unternehmen bei ihren milliardenschweren Deals finanziell übernehmen könnten.
Oracle schockt mit seiner Ausgabenprognose
Auslöser der jüngsten Unruhe war unter anderem Oracle. Der Tech-Riese kündigte vergangenen Mittwoch an, seine Kapitalausgaben (Capex) im laufenden Geschäftsjahr um weitere 15 Milliarden US-Dollar aufzustocken. Gleichzeitig müssen die Leasing-Verpflichtungen für neue Rechenzentren ausgeweitet werden. Das Problem aus Sicht der Börsianer: Oracle finanziert diesen Kraftakt vornehmlich über Fremdkapital.
Die Quittung folgte am Montag: Die Oracle-Aktie schloss an der NYSE mit einem Minus von rund 2,7 Prozent. Nachbörslich ging es um weitere 1,3 Prozent nach unten. Noch härter traf es CoreWeave: Dessen Anteile verloren fast acht Prozent, nachbörslich ging es um weitere rund 0,7 Prozent nach unten. Auch der Chip- und Softwaregigant Broadcom geriet unter die Räder und verbuchte ein Minus von 5,6 Prozent. Hier beschleunigten zusätzlich Befürchtungen über sinkende Margen den Abverkauf.
Sektor-Rotation statt Panikverkauf
Bemerkenswert ist jedoch, dass die spezifische Schwäche der KI-Infrastrukturwerte den Gesamtmarkt kaum beeinflusste. Von einem Crash kann keine Rede sein. Vielmehr findet eine klassische Sektorrotation statt. Anleger schichten Kapital aus dem überhitzten Tech-Sektor in Bereiche wie zyklische Konsumgüter und Industriewerte um.
Entsprechend robust zeigten sich die Indizes: Der S&P 500 verlor lediglich 0,16 Prozent, während der Dow Jones Industrial Average mit einem minimalen Minus von nur 0,09 Prozent nahezu unverändert schloss. Ein stärkerer Rückgang war beim Nasdaq Composite zu verzeichnen, der aufgrund seiner höheren Tech-Gewichtung 0,59 Prozent nachgab und damit am stärksten von der spezifischen Korrektur im Technologiesektor betroffen war.
Expertenstimmen
"Es erfordert definitiv einen klaren ROI, um diese KI-Investitionen weiterhin zu finanzieren", so Witheiler gegenüber CNBC. Seine Einschätzung zur aktuellen Lage ist jedoch bullish: "Nach allem, was wir bisher gesehen haben, ist dieser ROI vorhanden."
Das Argument der Optimisten bleibt bestehen. Derzeit signalisieren fast alle KI-Unternehmen, dass mehr Rechenleistung ("Compute") direkt zu mehr Umsatz führt. Solange die Nachfrage der Kunden das Angebot übersteigt, ist die Verschuldung für den Ausbau der Infrastruktur gerechtfertigt – vorausgesetzt, Anbieter wie Oracle und CoreWeave behalten ihre Bilanzen im Griff.
Ist die KI-Blase also am Platzen oder handelt es sich nur um gesunde Vorsicht? Matt Witheiler, Leiter des Bereichs Late-Stage-Growth bei Wellington Management, mahnt zur Nüchternheit, sieht aber keinen Grund für Pessimismus. Gegenüber CNBC betonte er, dass hohe Schulden nur dann tragbar seien, wenn die Rendite stimmt.
*ab 500 Euro Ordervolumen, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

