Rheinmetall, TKMS & Co
Europa jubelt – Börse nicht: Rüstungs-Sell-off wird zur Zitterpartie
Optimistische Töne aus Washington, Berlin und Kiew schicken Rüstungsaktien auf Talfahrt. Anleger reagieren sensibel auf das Momentum in Richtung Waffenstillstand.
- Rüstungsaktien fallen wegen Friedensgesprächen.
- Selenskyj fordert Sicherheitsgarantien, kein Konsens.
- EU plant Unterstützung, Entscheidung über Kredite steht an.
- Report: Vorsicht, geheim!
Die Aussicht auf ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs belastet am Dienstag erneut deutsche Rüstungswerte. Auf der Handelsplattform Tradegate verloren Rheinmetall bis zu 4,3 Prozent bevor sie sich etwas erholten. Renk, Hensoldt und TKMS gaben zunächst zwischen knapp drei und über fünf Prozent nach. Der Stoxx Europe Aerospace and Defense Sector notierte zuletzt 1,5 Prozent tiefer, das schwedische Unternehmen Saab verlor 4,5 Prozent. Marktbeobachter führen die Verluste auf die deutlichen Fortschritte bei den jüngsten Gesprächen in Berlin zurück, an denen Vertreter der Ukraine, der USA und europäischer Staaten teilnahmen.
US-Präsident Donald Trump sagte, man sei jetzt "näher" als je zuvor an einer Lösung. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der inzwischen einräumt, dass ein NATO-Beitritt unrealistisch
ist, konzentriert sich auf Sicherheitsgarantien, die Artikel 5 ähneln sollen. "Bevor irgendwelche Schritte auf dem Schlachtfeld unternommen werden, sollten das Militär und die Zivilbevölkerung ein
klares Verständnis davon haben, wie die Sicherheitsgarantien aussehen werden", erklärte er. Selenskyj sagte zudem, er habe mit den USA eine Vereinbarung erzielt, die Garantien über den Kongress
rechtsverbindlich zu machen.
Die USA boten laut einem US-Beamten "Artikel-5-ähnliche" Garantien an; zugleich deutete Trump an, dass die Ukraine im Rahmen eines Friedensabkommens Gebietsverluste akzeptieren müsse: "Um ehrlich zu sein, haben sie das Gebiet bereits verloren." Selenskyj widersprach und sagte, über territoriale Fragen gebe es keinen Konsens, ein Referendum sei nicht diskutiert worden. Er forderte Washington auf, weiterhin in dieser "schwierigen" Frage zu vermitteln.
In Berlin sagten europäische Staats- und Regierungschefs zu, nach einem Abkommen eine multinationale Truppe in die Ukraine zu entsenden, um beim Wiederaufbau des Militärs sowie beim Schutz des Luftraums und der Seewege zu helfen. Die ukrainische Armee solle in Friedenszeiten 800.000 Soldaten umfassen, um "Konflikte abzuschrecken". Zudem stellten die USA ein Überwachungs- und Konfliktvermeidungsmodell für den Waffenstillstand in Aussicht. Die Europäer boten eine "rechtlich bindende Verpflichtung" an, im Falle eines neuen russischen Angriffs zu reagieren, ohne jedoch eine echte gegenseitige Verteidigungsgarantie auszusprechen.
Russlands Präsident Wladimir Putin zeigt bislang keine Bereitschaft zu Zugeständnissen und fordert weiterhin weitgehende Demilitarisierungsschritte und Einschränkungen der ukrainischen Streitkräfte. Zugleich signalisierte Moskau, dass NATO-Truppen in der Ukraine als Ziele betrachtet würden.
Am Donnerstag müssen zudem die EU-Staats- und Regierungschefs entscheiden, wie die Ukraine finanziell unterstützt werden soll – auch durch die mögliche Verwendung eingefrorener russischer Vermögenswerte zur Absicherung eines 210-Milliarden-Euro-Kredits.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

