Vom Absturz zum Höhenflug
Tesla-Aktie auf Rekordkurs dank Robotaxi-Plänen
Teslas Aktie wird von autonomen Zukunftsvisionen beflügelt, obwohl Absatzprobleme und anhaltender Wettbewerbsdruck das Kerngeschäft weiter ausbremsen.
- Teslas Aktie erreicht Rekordhoch trotz Absatzproblemen.
- Autonome Robotaxis wecken Hoffnungen bei Investoren.
- Wettbewerbsdruck und Subventionsauslauf belasten Geschäft.
- Report: Renditeturbo 2026 - 5 Aktien mit Potenzial
Was für Tesla-Investoren zu Jahresbeginn wie ein Albtraum begann, hat sich binnen weniger Monate in eine Rallye verwandelt. Nach einem Kurssturz von 36 Prozent im ersten Quartal – dem schlechtesten Jahresauftakt seit 2022 – hat die Aktie des US-Elektroautobauers nicht nur alle Verluste wettgemacht, sondern ein neues Rekordniveau erreicht.
Am Dienstag schloss die Tesla-Aktie bei 489,88 US-Dollar und damit so hoch wie nie zuvor. Das entspricht einem Tagesplus von 3,1 Prozent. Auf Jahressicht liegt die Aktie inzwischen rund 21 Prozent im Plus.
Robotaxi-Hoffnung entfacht neue Fantasie
Auslöser der jüngsten Kursgewinne war eine Ankündigung von CEO Elon Musk: Tesla testet in Austin, Texas, bereits vollständig fahrerlose Fahrzeuge – ohne Sicherheitsfahrer und ohne Insassen. Das ist ein bedeutender Schritt, fast sechs Monate nach dem Start eines Pilotprogramms mit menschlicher Aufsicht.
Für viele Investoren ist das ein lange erwartetes Signal. Seit Jahren verspricht Musk, dass Teslas bestehende Elektrofahrzeuge per Software-Update zu autonomen Robotaxis werden könnten. Die aktuellen Tests nähren die Hoffnung, dass dieses Versprechen Realität werden könnte.
Absatz bricht ein, Erlöse schrumpfen
Die Zahlen aus dem operativen Geschäft zeichnen ein deutlich weniger euphorisches Bild. Im ersten Quartal gingen die Auslieferungen um 13 Prozent zurück, der Automotive-Umsatz brach sogar um 20 Prozent ein. Auch im zweiten Quartal setzte sich der Abwärtstrend fort: Die Erlöse aus dem Autogeschäft sanken um weitere 16 Prozent.
Erst in der zweiten Jahreshälfte zeigte sich eine Stabilisierung. Im Oktober meldete Tesla für das dritte Quartal ein Umsatzplus von 12 Prozent. In den USA hatten viele Käufer noch schnell zugeschlagen, um von einer staatlichen Steuergutschrift zu profitieren, die Ende September auslief. Die Aktie legte in diesem Zeitraum um rund 40 Prozent zu.
Harter Wettbewerb und auslaufende Subventionen
Die Herausforderungen bleiben jedoch erheblich. Der Wegfall der Steuervergünstigungen und der wachsende Konkurrenzdruck setzen Tesla zu. In China drängen Hersteller wie BYD und Xiaomi mit günstigeren oder technisch attraktiveren Modellen auf den Markt, in Europa verschärft Volkswagen den Wettbewerb.
Zwar brachte Tesla im Oktober günstigere Varianten des Model Y und des Model 3 auf den Markt. Nach Daten von Cox Automotive fielen Teslas US-Verkäufe im November auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren.
Analysten bleiben optimistisch
Trotz der operativen Schwächen sehen einige Analysten weiterhin erhebliches Potenzial. Mizuho erhöhte in dieser Woche das Kursziel für Tesla von 475 auf 530 US-Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung. Verbesserungen bei der "Full Self-Driving (Supervised)"-Technologie könnten, so die Analysten, eine beschleunigte Expansion der Robotaxi-Flotte in Austin und San Francisco ermöglichen.
Auch Morgan Stanley erwartet einen massiven Ausbau: Bis Ende 2035 könnte Teslas Robotaxi-Flotte auf rund eine Million Fahrzeuge anwachsen.
Rivalen ziehen sich zurück – Ford mit Milliardenabschreibung
Zusätzlichen Rückenwind erhielt Tesla durch Nachrichten von der Konkurrenz. Ford kündigte an, bestimmte größere Elektrofahrzeuge aufgrund mangelnder Nachfrage nicht weiter zu produzieren. Gleichzeitig nahm das Unternehmen eine Abschreibung von 19,5 Milliarden US-Dollar auf sein E-Auto-Geschäft vor.
Autor: Pascal Grunow, wallstreetONLINE Redaktion

