Bundestag vor Mega-Deal
Erst Abverkauf, jetzt 50-Milliarden-Bombe aus Berlin? Rheinmetall & Co steigen
Nach der Korrektur keimt neue Hoffnung. Der Bundestag könnte heute milliardenschwere Rüstungsdeals freigeben.
- Bundestag genehmigt Rüstungsdeals über 50 Mrd. Euro.
- Aktien der Rüstungsbranche erholen sich deutlich.
- Deutschland plant bis 2030 650 Mrd. Euro Verteidigung.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Die zuletzt unter Druck geratenen deutschen Rüstungsaktien steuern zur Wochenmitte auf eine Erholung zu. Auslöser ist ein Bericht der Financial Times, der auf eine bevorstehende Freigabe milliardenschwerer Verteidigungsausgaben durch den Bundestag verweist und von Marktteilnehmern als Stimmungsaufheller gewertet wird. Rheinmetall legten im Tradegate-Handel nach ihrem jüngsten Tief um 2,7 Prozent zu, auch Renk und Hensoldt verzeichneten Kursgewinne von bis zu 4,3 Prozent.
Nach Angaben der Financial Times soll das Parlament am Mittwoch Rüstungsausgaben von mehr als 50 Milliarden Euro genehmigen. Davon entfallen rund 21 Milliarden Euro auf Bekleidung und Schutzausrüstung für Soldaten. Weitere Verträge umfassen einen etwa vier Milliarden Euro schweren Auftrag für Puma-Schützenpanzer, an deren Produktion Rheinmetall beteiligt ist, sowie knapp zwei Milliarden Euro für Satellitensysteme zur Stärkung der Aufklärungsfähigkeiten an der östlichen NATO-Flanke.
Die Aktien der Branche hatten in den vergangenen Tagen unter Spekulationen über mögliche Fortschritte in Gesprächen über ein Ende des Ukraine-Krieges gelitten. Rheinmetall, 2025 bislang weiterhin stärkster Wert im DAX, hatte seit dem Zwischenhoch der Vorwoche zeitweise bis zu elf Prozent eingebüßt.
Die nun erwarteten Beschlüsse fügen sich in die umfassende Aufrüstung Deutschlands ein. Nach Jahrzehnten der Unterfinanzierung hatte die Invasion der Ukraine durch Russland im Jahr 2022 eine sicherheitspolitische Kehrtwende ausgelöst. Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz rief eine "Zeitenwende" aus und stellte einen Sonderfonds von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr bereit. Sein Nachfolger Friedrich Merz ging nach Amtsantritt im Mai noch weiter, hob Kreditbeschränkungen für Verteidigungsausgaben auf und kündigte an, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas auszubauen.
Bis 2030 plant Deutschland Verteidigungsausgaben von insgesamt rund 650 Milliarden Euro, etwa doppelt so viel wie in den fünf Jahren zuvor. Während die Haushalte für 2025 und 2026 bereits verabschiedet sind, muss der Haushaltsausschuss weiterhin alle Beschaffungsverträge mit einem Volumen von mehr als 25 Millionen Euro genehmigen. Ziel ist es, bestehende Fähigkeitslücken der NATO rasch zu schließen. "Besorgt euch bis 2029 alles, was ihr kriegen könnt", fasste Christian Mölling vom Thinktank Edina die Logik der Beschaffung zusammen – mit Blick auf das Jahr, in dem Russland nach Einschätzung deutscher Sicherheitskreise zu einem Angriff auf die NATO fähig sein könnte.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

