Wilde Spekulationswut
Dieses Edelmetall schneidet jetzt noch besser ab als Silber!
Erst gaben in diesem Jahr Gold, dann Silber am Edelmetallmarkt den Ton an. Jetzt wurden sie von Platin überholt.
- Platin überholt Silber mit +157,7% Jahresrendite.
- Hohe Nachfrage trifft auf begrenztes Platin-Angebot.
- Vorsicht: Preisanstieg könnte in Crash enden.
- Report: Favoritenwechsel - diese 5 Werte sollten Anleger im Depot haben!
Gold, Silber und Co: Am Rohstoffmarkt ist die Hölle los!
Angesichts weltweit steigender Aktienmärkte haben viele Anlegerinnen und Anleger keinen Grund, sich in diesem Jahr über eine schwache Performance zu beklagen. Deutlich in den Schatten gestellt wurden sie jedoch von Rohstoff-, vor allem von Edelmetallinvestoren. Die konnten angesichts der Gold- und Silberpreisrallye so richtig abräumen und zum Teil dreistellige Renditen erzielen.
Gab erst Gold, angetrieben von anhaltenden Zentralbankkäufen und einem wachsenden Privatanlegerinteresse den Ton an, zog Silber in den vergangenen Wochen nach und bringt es so inzwischen auf eine Rendite von +150,4 Prozent. Mit Silberproduzenten wie Pan American Silver (+166,2 Prozent) ließen sich aufgrund der Hebelwirkung von Minen-Aktien noch mehr herausholen.
Platin ist die neue Nummer 1
Doch seit dem Dienstag hat der Edelmetallmarkt einen neuen Top-Performer. Dank eines Anstiegs um jeweils mehr als 7 Prozent am Montag und Dienstag konnte Platin an Silber vorbeiziehen und bringt es gegenüber dem Jahreswechsel jetzt auf ein stolzes Plus von +157,7 Prozent.
Auch Palladium war in den vergangenen Tagen stark gefragt und konnte binnen einer Woche über 10 Prozent zulegen. Hier belaufen sich die Kursgewinne in diesem Jahr aber auf "nur" +107,3 Prozent.
Kleines Angebot trifft plötzlich auf hohe Nachfrage
Als Grund für das starke Interesse an Platin geben Händlerinnen und Händler unterschiedliche Gründe an. Seit November kann das Edelmetall an der chinesischen Terminbörse in Guangzhou gehandelt werden, was zu einem Anstieg des Anlegerinteresses geführt hat. Schon bei Gold und Silber gaben Experten ein großes Interesse insbesondere im Asien-Pazifik-Raum an.
Dazu kommt die Marktenge des Metalls. Im vergangenen Jahr wurden weltweit lediglich 170 bis 190 Tonnen Platin gefördert. Gleichzeitig verfügt das Edelmetall über eine breite Anwendungspalette von Schmuck, über Medizintechnik bis hin zur chemischen und zur Automobilindustrie, wo Platin als Katalysator genutzt wird.
Aufgrund des engen Marktes und der begrenzen Liquidität wirkt sich ein plötzlich steigendes Anlegerinteresse besonders stark auf den Preis aus. Hier liegt neben fundamentalen Gründen, darunter auch ein höheres geopolitisches Absicherungsinteresses, inzwischen auch einfach eine Spekulationsblase vor, mit deren Platzen Anlegerinnen und Anleger ähnlich wie in vorherigen Runs (beispielsweise nach Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine) jederzeit rechnen müssen.
Fazit: Eine explosive Mischung treibt den Preis
Dank eines starken Runs in den vergangenen Wochen wurde Silber am Dienstag von Platin überholt, das sich mit seiner starken Preisentwicklung an die Spitze des Edelmetallmarktes gesetzt hat. Hier trifft ein begrenztes Angebot auf ein stark gestiegenes Anleger- und Investoreninteresse.
Als Narrative gelten geopolitische Spannungen, einerseits zwischen den USA und Venezuela und andererseits zwischen den USA und China. Dazu kommt eine verstärkte Risikofreude sowie der sogenannte Debasement-Trade – also die Furcht vor einer Abwertung von Fiat-Währungen. Das hat zu einer Spekulationswut und ungebrochenes Kaufinteresse geführt.
Inzwischen gilt es aber am gesamten Edelmetallmarkt mit Vorsicht zu agieren. Der Preisauftrieb kann zwar noch für einige Zeit anhalten, aber der fahnenartige Anstieg bei Gold, Silber, Platin und Co. legt nahe, dass dieser Run enden wird wie die vorherigen auch: Mit einem Crash. Wie weit die Rallyes jetzt schon gelaufen sind, offenbart ein Blick auf die RSI-Werte, die inzwischen auf allen Zeitebenen im hohen 80er- beziehungsweise sogar 90er-Bereich liegen. Das sind Extremwerte, wie sie in der Vergangenheit unmittelbar vor dem Platzen von Investitionsblasen aufgetreten sind.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

