So beginnt Abschwung
Wenn selbst Reiche sparen, wird es brandgefährlich
Jahrelang trugen Wohlhabende den Konsum. Jetzt kippt die Stimmung auch bei Top-Verdienern. Das ist kein Gefühl mehr – sondern ein handfestes Risiko für Wachstum und Märkte.
- Wohlhabende Verbraucher zeigen sinkende Konsumlaune.
- Sorgen um Arbeitsmarkt steigen, Rezessionsrisiko wächst.
- Abhängigkeit von Top-Verdienern gefährdet Wirtschaft.
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Selbst wohlhabende Amerikaner beginnen, sich spürbar mehr Sorgen um ihre Jobs zu machen – ein Signal, das Ökonomen als potenziell gefährlich für die US-Wirtschaft einstufen. Neue Daten von Morning Consult zeigen, dass sich die Verbraucherstimmung zuletzt deutlich eingetrübt hat, besonders bei Haushalten mit hohem Einkommen.
Der Gesamtindex zur Verbraucherstimmung fiel in der vergangenen Woche um 2,1 Punkte. Treiber war ein massiver Einbruch um 10,5 Punkte bei Erwachsenen mit einem Jahreseinkommen von über 100.000 US-Dollar. "Die Verbraucherstimmung scheint sich zu verschlechtern, insbesondere bei Amerikanern mit hohem Einkommen, die seit Ende Dezember eine Abschwächung des Arbeitsmarktes spüren", zitiert MarketWatch John Leer, Chefökonom von Morning Consult. Daraus folge: "Ich glaube, dass die Wirtschaft auf eine Schwächephase zusteuert."
Seit sechs bis acht Wochen nähmen Sorgen um den US-Arbeitsmarkt deutlich zu. Besonders auffällig sei, dass inzwischen 11,2 Prozent der Haushalte mit mittlerem Einkommen angeben, netto weniger zu verdienen – ein Niveau, das laut Morning Consult historisch häufig mit Rezessionen einhergehe. Brisant ist dies auch deshalb, weil dieselben Daten im Frühjahr noch als Stabilitätsanker galten, als neue US-Zölle Rezessionsängste ausgelöst hatten.
Ökonomen beschreiben die US-Wirtschaft seit Monaten als "K-förmig": Wohlhabende Haushalte tragen den Großteil des Konsums, während einkommensschwächere Gruppen unter Druck stehen. "Eines der größten Risiken für die Wirtschaft im Jahr 2026 ist eindeutig der Rückzug wohlhabender Verbraucher", sagte Heather Long, Chefökonomin der Navy Federal Credit Union. Die aktuelle Entwicklung sei "ein frühes Warnsignal für Unruhe, selbst unter den Wohlhabenden".
Gleichzeitig warnt Long vor Überinterpretation. Die höchsten Einkommensgruppen über 150.000 US-Dollar konsumierten weiter kräftig, etwa beim Autokauf. Anders sehe es bei Haushalten um die 100.000-Dollar-Marke aus: "Unternehmen wollen keine hohen Boni mehr zahlen. Sie wollen nicht mehr so viele Beförderungen vergeben. Sie wollen keine großen Gehaltserhöhungen mehr gewähren." Das schwächere Lohnwachstum treffe auf erneut steigende Preise.
Brisant ist die Abhängigkeit der Gesamtwirtschaft von diesen Gruppen. Über 60 Prozent der monatlichen Konsumausgaben stammen aus Haushalten mit Einkommen über 170.000 US-Dollar. Sollten auch diese Verbraucher bremsen, hätte das erhebliche Folgen.
Auch Fed-Chef Jerome Powell hatte bereits im Dezember eingeräumt, dass sich eine K-förmige Wirtschaft verfestigt. Während Vermögende von steigenden Aktien- und Immobilienwerten profitieren, müssten andere "weniger kaufen und zu billigeren Produkten wechseln". Welche Form die US-Wirtschaft 2026 annimmt, ist laut Ökonomen offen – die Risiken nehmen jedoch sichtbar zu.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
