66% Plus in 9 Monaten
Südafrika startet durch – gegen alle US-Maßnahmen
Scharfe Warnungen der US-Regierung, eingefrorene Hilfen und politische Spannungen – doch Südafrika ist seit einem Jahr nicht zu bremsen. Aktien und Währung feiern eine der stärksten Rallyes seit Jahrzehnten.
- Südafrika trotzt US-Kritik und zeigt starke Marktperformance.
- Aktienmarkt steigt um 38%, Rand wertet 14% auf.
- Rohstoffpreise treiben Rallye, Investoren zeigen Interesse.
- Report: Gold & Silber auf Rekordjagd
Für Südafrika war 2025 ein Jahr der Gegensätze. Politisch geriet das Land zunehmend ins Visier der US-Regierung, die Pretoria wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen kritisierte und sogar per Executive Order wirtschaftliche Hilfen einstellte. Ökonomisch jedoch bewies das Land bemerkenswerte Widerstandskraft – und stellte unter Beweis, dass es auch ohne Rückendeckung aus Washington erfolgreich agieren kann. Und die Rallye hält an.
An den Finanzmärkten wurde diese Eigenständigkeit eindrucksvoll sichtbar. Die Marktkapitalisierung der an der Johannesburg Stock Exchange gelisteten Unternehmen stieg erstmals seit 2019 wieder auf über 500 Milliarden US-Dollar. Besonders pikant dabei ist, dass die steile Aufwärtsbewegung zu dem Zeitpunkt startete, zu dem US-Präsident Donald Trump den Ton gegenüber dem Land verschärfte und Strafzölle von 30 Prozent einführte. Im Zeitraum seit dem 10. April 2025 hat der südafrikanische Aktienmarkt rund zwei Drittel an Wert gewonnen.
Damit überholte Südafrika mehrere größere Märkte wie Norwegen, Malaysia oder die Türkei. Der FTSE/JSE Africa All Share Index legte im gesamten Jahresverlauf 2025 um 38 Prozent zu und verzeichnete damit die beste Performance seit 2005. Rohstoffaktien wie Anglogold Ashanti, Harmony Gold, Sibanye Stillwater oder Impala Platinum haben in den vergangenen 12 Monaten teilweise mehr als 200 Prozent zugelegt.
Getrieben wurde die Rallye vor allem von Bergbau- und Edelmetallwerten. Steigende Gold- und Metallpreise sorgten für kräftige Gewinnzuwächse, während internationale Investoren den Sektor neu entdeckten. Parallel dazu wertete der südafrikanische Rand deutlich auf. Gegenüber dem US-Dollar gewann die Währung rund 14 Prozent, was die Aktienrallye in US-Dollar gerechnet sogar auf ein Plus von 57 Prozent anhob. Anfang 2026 erreichte der Rand mit Kursen um 16,3 je US-Dollar den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren.
Der Rückenwind hält an. Zum Jahresbeginn setzt sich der Aufwärtstrend fort, gestützt durch weiter steigende Goldpreise und eine robuste Nachfrage nach südafrikanischen Assets. Strategen sehen weiteres Potenzial: Kursziele zwischen 16,1 und 15,9 Rand je US-Dollar würden die Attraktivität des Marktes für internationale Anleger weiter erhöhen.
Auch strukturell profitiert Südafrika von der Entwicklung. Die starke Performance hat das Gewicht des Landes im MSCI Emerging Markets Index zeitweise sogar über das von Saudi-Arabien gehoben. Das hat Folgen: Höhere Indexgewichte zwingen passive Fonds (z.B. ETFs) zu zusätzlichen Käufen, was insbesondere bei großen Standardwerten für zusätzliche Nachfrage sorgt. Analysten sprechen von einem sich selbst verstärkenden Effekt.
Unterstützt wird das Szenario durch den Rohstoffzyklus. In einem Umfeld schwindender Kaufkraft vieler Währungen dürften Edelmetalle weiter gefragt bleiben, erklärte Evy Hambro von BlackRock gegenüber Bloomberg. Viele Minenaktien hätten die zugrunde liegende Preisrallye bei Gold, Silber und Kupfer bislang noch nicht vollständig nachvollzogen, was dem südafrikanischen Markt weiteren Auftrieb geben könnte.
Trotz politischer Spannungen, US-Kritik und wirtschaftlicher Maßnahmen der weltgrößten Volkswirtschaft hat das kleine Südafrika bewiesen, dass es sich am Kapitalmarkt behaupten kann. Aktienmarkt und Währung entwickelten sich zu den stärksten Performern unter den Emerging Markets.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


