Der perfekte Sturm?
Safe-Haven-Run frisst Risiko: Gold & Silber knacken neue Rekorde
Politische Unruhen im Nahen Osten plus Vorladungen gegen die Fed haben einen Safe-Haven-Run ausgelöst – Edelmetalle erreichen neue Rekordmarken.
- Politische Unruhen und Fed-Vorladungen belasten Märkte.
- Gold und Silber erreichen neue Rekordpreise.
- Unsicherheiten fördern Diversifizierung weg vom Dollar.
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Gold und Silber haben zu Wochenbeginn kräftig zugelegt, nachdem neue Angriffe der Trump-Regierung auf die US-Notenbank die Sorgen um deren Unabhängigkeit verschärft haben. Auslöser war die Aussage von Fed-Chef Jerome Powell, dass das US-Justizministerium die Notenbank wegen Kostenüberschreitungen beim Umbau ihres Hauptsitzes vorgeladen und sogar mit einer strafrechtlichen Anklage gedroht habe. Powell wertete dies als Folge der anhaltenden politischen Spannungen über die Geldpolitik.
"All dies spricht nicht nur für die lächerliche Unbeständigkeit der Trump-Regierung, sondern wird auch das Vertrauen in die US-Wirtschaftsinstitutionen und damit auch in Vermögenswerte erneut erschüttern", sagte Michael Brown, Senior Research Strategist bei Pepperstone. In der Folge sprang der Silberpreis zeitweise um fast sechs Prozent auf über 84 US-Dollar je Unze, Gold erreichte mit rund 4.600 US-Dollar ein neues Rekordniveau.
Parallel dazu gewann an den globalen Märkten erneut der sogenannte "Sell America"-Handel an Dynamik. US-Dollar, US-Staatsanleihen und US-Aktien-Futures gerieten unter Druck, da Investoren die politische Einflussnahme auf die Geldpolitik neu bewerteten. "Jede Entwicklung, die Fragen zur Unabhängigkeit der Fed aufwirft, erhöht die Unsicherheit hinsichtlich der US-Geldpolitik", kommentierte Gary Tan, Portfoliomanager bei Allspring Global Investments. Dies dürfte "den bestehenden Trend zur Diversifizierung weg vom US-Dollar verstärken und das Interesse an traditionellen Absicherungsinstrumenten wie Gold erhöhen".
Der Bloomberg-Dollarindex gab im asiatischen Handel nach, während die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen anzogen – ein Signal für steigende Risikoaufschläge. JPMorgan Asset Management rechnet damit, dass die Debatte die Zinskurve weiter versteilen könnte, während Invesco nicht-US-Anlagen zunehmend attraktiver sieht.
Zusätzlichen Rückenwind erhielten Edelmetalle durch geopolitische Spannungen, darunter die Eskalation im Iran sowie anhaltende Unsicherheiten rund um Trumps Zollpolitik. Analysten sehen darin eine wachsende institutionelle Risikoprämie. "Dies erinnert daran, mit wie vielen Unsicherheiten die Märkte zu kämpfen haben – Geopolitik, die Debatte um Wachstum und Zinsen und nun eine neue, durch Schlagzeilen ausgelöste Erinnerung an eine institutionelle Risikoprämie", sagte Charu Chanana, Chef-Anlagestratege bei Saxo Markets.
Auch fundamental bleiben die Aussichten für Gold und Silber gestützt. Sinkende Realrenditen, Erwartungen weiterer Zinssenkungen und anhaltende physische Nachfrage sprechen laut Marktbeobachtern für ein konstruktives Umfeld – auch wenn die erhöhte Volatilität kurzfristig Risiken birgt. "Angesichts der Rekordhöhen sollten Anleger jedoch konstruktiv, aber vorsichtig bleiben und sich auf erhöhte Volatilität einstellen", sagte Priyanka Sachdeva von Phillip Nova.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

