Acht Milliarden, sechs U-Boote
TKMS vor größtem Auftrag der indischen Rüstungsgeschichte: Aktie explodiert
Die TKMS-Aktie gehört zu den Gewinnern des jungen Jahres. Sechs U-Boote für Indien könnten der nächste große Kurstreiber werden.
- TKMS erhält Auftrag für sechs U-Boote in Indien.
- Kooperation zwischen Deutschland und Indien vertieft.
- TKMS-Aktie steigt über 35 Prozent seit Jahresbeginn.
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Deutschland und Indien wollen ihre sicherheitspolitische Zusammenarbeit deutlich vertiefen. Beim Indien-Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Ahmedabad unterzeichneten die Verteidigungsministerien beider Länder eine entsprechende Absichtserklärung. Konkrete Rüstungsverträge wurden zwar noch nicht abgeschlossen, doch im Zentrum steht ein milliardenschweres Projekt: Der deutsche Werftkonzern Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) soll in Zusammenarbeit mit indischen Partnern sechs konventionelle U-Boote in Mumbai bauen. Das erwartete Auftragsvolumen liegt bei rund acht Milliarden US-Dollar. Eine Unterzeichnung gilt als kurzfristig möglich und hätte Signalwirkung für weitere Kooperationen.
Für Indien wäre der Deal strategisch bedeutsam. Das Land ist laut Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) derzeit der größte Rüstungsimporteur der Welt und bezog zwischen 2019 und 2023 noch 36 Prozent seiner Waffen aus Russland. Diese Abhängigkeit soll schrittweise sinken. Der indische Verteidigungs- und Sicherheitsexperte Rahul Bedi betont, dass Indien bei neuen Rüstungsprojekten wie U-Booten oder Kampfjets künftig stärker auf europäische Partner wie Deutschland setze.
TKMS hatte sich im Wettbewerb durchgesetzt, nachdem der letzte Konkurrent aus Spanien ausgeschieden war. Konzernchef Oliver Burkhard begründete den Zuschlag mit der Technik: "Wir haben den Wettbewerb gewonnen, weil wir als einziger Anbieter einen Außenluft-unabhängigen Antrieb mit Brennstoffzelle liefern, der es ermöglicht, sehr lange zu tauchen." Der Auftrag wäre der größte in der indischen Rüstungsgeschichte. Beobachter werten ihn als Hinweis darauf, dass Neu-Delhi sich "aus der Konfrontation der USA mit Russland und China wegbewegen" wolle.
Indiens Ministerpräsident Narendra Modi kündigte darüber hinaus einen gemeinsamen Entwicklungsplan für die künftige Zusammenarbeit mit Deutschland an. Er zeigte sich dankbar für die Bereitschaft der Bundesregierung, Regularien im Rüstungshandel zu vereinfachen. "Wir werden einen Fahrplan ausarbeiten, um die Kooperation zwischen unseren Verteidigungsbereichen zu erhöhen", sagte Modi. Beide Länder wollten gezielt nach Möglichkeiten für gemeinsame Entwicklung und Produktion suchen.
Modi betonte zudem die politische Signalwirkung des Besuchs. Die Reise habe den bilateralen Beziehungen neuen Auftrieb verliehen und Vertrauen geschaffen. Die erste Asien-Reise des Kanzlers sei ein "starker Beweis dafür, welche Bedeutung er den Beziehungen mit Indien beimisst". Merz wird bei seinem zweitägigen Aufenthalt von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet, was den wirtschafts- und industriepolitischen Anspruch der Gespräche unterstreicht.
Der Kanzlerbesuch fällt in eine Phase wachsender sicherheitspolitischer Bedeutung maritimer Fähigkeiten. Steigende Verteidigungsausgaben, neue geopolitische Spannungen und der Fokus auf Regionen wie die Arktis treiben weltweit die Nachfrage nach U-Booten und Kriegsschiffen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch an der Börse wider: Die TKMS-Aktie liegt seit Jahresbeginn mehr als 35 Prozent im Plus. Am Montag haussiert sie mit einem Kursplus von über 10 Prozent an die MDAX-Spitze.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

