DOJ-Angriff auf Fed-Chef
Bitcoin bleibt gelassen trotz Powell-Ermittlung
Eine politische Eskalation um Fed-Chef Powell erschüttert die Märkte. Während sichere Häfen wie Gold und Silber steigen, bleibt auch Bitcoin überraschend gelassen.
- Politische Eskalation um Fed-Chef Powell sorgt für Unsicherheit.
- Gold und Silber steigen, Bitcoin bleibt stabil und gelassen.
- Untersuchung könnte Fed-Unabhängigkeit gefährden, Warnungen.
- Report: Favoritenwechsel - diese 5 Werte sollten Anleger im Depot haben!
Der Kryptomarkt zeigte sich zum Wochenauftakt volatil, aber bemerkenswert widerstandsfähig. Bitcoin und Altcoins legten am Montagmorgen zunächst zu, gaben ihre Gewinne bis zum Mittag jedoch wieder ab. Unterm Strich notiert der Markt nahezu unverändert. Auslöser der kurzfristigen Bewegung war weniger ein krypto-spezifischer Impuls als vielmehr eine politische Eskalation in Washington.
Im Zentrum steht Jerome Powell, Chairman der Federal Reserve. Die Ermittlungen des Department of Justice betreffen den Vorwurf, Powell habe den US-Kongress im Zusammenhang mit einem Renovierungsprojekt der Fed-Zentrale irreführend informiert. Powell bestätigte die Untersuchung am Sonntag und wies die Vorwürfe als "Vorwand" zurück. Vielmehr gehe es um einen grundlegenden Angriff auf die Unabhängigkeit der Notenbank.
"Es geht darum, ob die Fed weiterhin auf Basis von Daten und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen handeln kann – oder ob Geldpolitik künftig durch politischen Druck oder Einschüchterung bestimmt wird", erklärte Powell.
Märkte reagieren – Gold stark, Bitcoin verhalten
Die ersten Marktreaktionen fielen klassisch aus. Sichere Häfen profitierten: Gold stieg um knapp 2 Prozent, Silber sogar um rund 5 Prozent. Bitcoin reagierte zuerst auch positiv und legte zeitweise um 1,7 Prozent auf rund 92.000 US-Dollar zu, bevor die Bewegung wieder auslief.
"Die juristischen Schritte fügen der Makrolage eine neue Unsicherheitsebene hinzu", sagte Jimmy Xue, Mitgründer und COO des Yield-Protokolls Axis. "Die Infragestellung der Unabhängigkeit einer Zentralbank stärkt das Narrativ von Bitcoin als neutralem Asset, das außerhalb politischer und rechtlicher Machtkämpfe operiert."
Politischer Sprengstoff: Trump, Powell und die Fed
Brisant ist auch, wer die Ermittlungen leitet. Zuständig ist die US-Staatsanwältin für den District of Columbia, Jeanine Pirro, eine Trump-Vertraute. Das sorgte selbst innerhalb der Republikanischen Partei für heftige Kritik. Senator Thom Tillis, Mitglied des Senate Banking Committee, sprach von einem klaren Versuch, die Unabhängigkeit der Fed zu untergraben, und kündigte an, sämtliche anstehenden Fed-Nominierungen blockieren zu wollen.
Marktbeobachter sehen darin eine weitere Eskalation im Dauerkonflikt zwischen Donald Trump und Powell. Trump hatte den Fed-Chef wiederholt wegen aus seiner Sicht zu hoher Zinsen attackiert und offen über einen Austausch nach Ende von Powells Amtszeit 2026 gesprochen.
Was das für Krypto bedeutet
Tim Sun, Senior Researcher bei HashKey Group, warnt vor einem "extrem gefährlichen Präzedenzfall", sollte die Untersuchung erfolgreich sein. Ein Präsident könne dann das Justizsystem nutzen, um einen Notenbankchef für eine unerwünschte geldpolitische Linie zu bestrafen.
Kurzfristig erwartet Sun allerdings keine klare Rallye, sondern höhere Volatilität. Politische Eingriffe würden Zinserwartungen entankern, die Zinskurve verzerren und zunächst alle Risikoanlagen – inklusive Bitcoin – stärker schwanken lassen.
Autor: Pascal Grunow, wallstreetONLINE Redaktion

