Washington ermittelt
Wenn Krankheiten zum Geschäft werden: UnitedHealth unter Druck
Ein Senatsbericht wirft UnitedHealth aggressive Methoden bei Medicare Advantage vor. Interne Vorgaben, fragliche Diagnosen und Milliarden an Extra-Zahlungen stehen im Raum.
- UnitedHealth nutzt aggressive Methoden für Medicare-Zahlungen.
- Interne Vorgaben führten zu fraglichen Diagnosen.
- Ermittlungen des Justizministeriums laufen parallel.
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Die UnitedHealth Group hat nach Ansicht eines Untersuchungsausschusses des US-Senats aggressive Methoden genutzt, um höhere Zahlungen aus dem Medicare-Advantage-Programm zu erzielen. Das geht aus einem neuen Bericht des Justizausschusses hervor, wie das Wall Street Journal am Montag berichtete. Grundlage waren rund 50.000 Seiten interner Unterlagen, die der Konzern übergab.
Im Zentrum steht die sogenannte Risikoanpassung. Der Staat zahlt Versicherern Pauschalen und überweist mehr Geld, wenn Versicherte teure Krankheiten haben. Laut Bericht habe UnitedHealth diese Logik systematisch ausgereizt und die Risikoanpassung "in ein Geschäft verwandelt, was nicht die ursprüngliche Absicht war".
Auslöser war eine Recherche des Wall Street Journal
Ausschusschef Chuck Grassley aus Iowa hatte die Unterlagen im Februar angefordert. Er verwies dabei auf eine Recherche des Wall Street Journal aus dem Jahr 2024. Die Zeitung berichtete, UnitedHealth habe Diagnosen in Patientenakten ergänzt, die Milliarden an zusätzlichen Bundesmitteln auslösten. Viele Betroffene hätten dafür keine Behandlung erhalten.
Parallel laufen zivile und strafrechtliche Ermittlungen des Justizministeriums der Vereinigten Staaten. UnitedHealth bestätigte diese im Juli.
Pflegekräfte, Prämien und Datenanalyse
Der Senatsbericht erhebt keinen formalen Vorwurf. Er beschreibt jedoch detailliert die Methoden. UnitedHealth setzte Pflegekräfte für Hausbesuche ein, zahlte Ärzten Prämien für mögliche Diagnosen und nutzte künstliche Intelligenz sowie Datenanalysen. Das Unternehmen "scheint all diese Mechanismen bis zum Äußersten zu nutzen", heißt es.
Interne Leitlinien hätten teils Diagnosen ohne empfohlene Tests nahegelegt. So sei Vorhofflimmern anhand von Medikamenten diagnostiziert worden, obwohl üblicherweise ein Elektrokardiogramm nötig ist. Ähnlich verfuhr der Konzern bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung.
Besonders brisant ist der Umgang mit Schmerzpatienten. Wer Opioide einnahm, sollte als opioidabhängig gelten, selbst bei bestimmungsgemäßem Gebrauch. Das widerspreche medizinischen Leitlinien, so der Bericht.
Auch die Diagnose diabetischer Katarakte sorgte für Kritik. Laut Bericht empfahl UnitedHealth, diese auch nach einer Operation weiter zu erfassen. Ärzte bezeichneten solche Diagnosen als "anatomisch unmöglich". Später habe der Konzern diese Praxis beendet.
Testgerät brachte 1,4 Milliarden US-Dollar
Im Hausbesuchsprogramm HouseCalls nutzte UnitedHealth zeitweise das Gerät QuantaFlo zur Erkennung peripherer arterieller Verschlusskrankheit. Zwischen 2019 und 2021 erhielt der Konzern dafür 1,4 Milliarden US-Dollar. Mitarbeiter berichteten dem Wall Street Journal von häufigen Fehlalarmen.
Der Konzern widerspricht. Ein Sprecher sagte, man halte sich an alle Medicare-Vorgaben und liefere gute Ergebnisse bei Prüfungen. "Wir konzentrieren uns weiter darauf, niedrigere Kosten, besseren Zugang und höhere Versorgungsqualität zu bieten", sagte er. Die Berichterstattung des Wall Street Journal hält UnitedHealth für "unvollständig und ungenau".
Chefmediziner Wyatt Decker sagte 2024, die Tests seien "extrem wichtig" für bessere Behandlungsergebnisse. Nach einer Regeländerung stellte Medicare Zusatzvergütungen ein. UnitedHealth beendete daraufhin den Einsatz des Geräts.
Eine Reform der Risikoanpassung belastete zuletzt die Zahlen des Konzerns und ließ den Aktienkurs deutlich fallen.
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Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
Die Unitedhealth Group Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -1,93 % und einem Kurs von 290EUR auf Tradegate (12. Januar 2026, 16:00 Uhr) gehandelt.
