Steigende Nachfrage bis 2040
Goldman Sachs: Ölpreis bleibt unter Druck, aber 2027 kommt die Wende
Nach einem schwachen Jahr 2025 dürfte sich der Ölpreis auch in diesem Jahr kaum erholen, warnt Goldman Sachs. Doch Ende der 20er-Jahre wende sich das Blatt, denn die Nachfrage nach Öl dürfte noch jahrzehntelang steigen.
- Ölpreise 2026: Abwärtstrend trotz geopolitischer Risiken.
- Überangebot von 2,3 Mio. Barrel pro Tag erwartet.
- Trendwende frühestens 2027, Preise bleiben volatil.
- Report: Vorsicht, geheim!
Der Ölmarkt steht vor einer Phase anhaltenden Preisdrucks. Nach Einschätzung von Goldman Sachs dürfte sich der Abwärtstrend bei den Ölpreisen im Jahr 2026 fortsetzen – trotz anhaltender geopolitischer Risiken. In ihrem aktuellen Rohstoffausblick erwarten die Analysten, dass das globale Überangebot den Markt weiter belastet und eine nachhaltige Erholung erst ab 2027 einsetzt.
Bereits 2025 war für den Ölmarkt ein ernüchterndes Jahr. Der durchschnittliche Brent-Preis lag rund 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau, obwohl geopolitische Spannungen – etwa rund um Russland, Iran oder Venezuela – immer wieder kurzfristige Preisspitzen auslösten. Ausschlaggebend war vor allem die Angebotsseite: Die globale Förderung wuchs stärker als erwartet, während die Nachfrage zwar stabil, aber nicht dynamisch genug zulegte, um das zusätzliche Angebot aufzunehmen.
Für 2026 rechnen die Analysten nun mit einem globalen Überhang von rund 2,3 Millionen Barrel pro Tag. Vor diesem Hintergrund prognostiziert Goldman Sachs durchschnittliche Preise von 56 US-Dollar je Barrel für Brent und 52 US-Dollar für WTI. Damit liegen die Erwartungen spürbar unter den derzeitigen Terminmarktpreisen. Steigende Lagerbestände, insbesondere in den OECD-Ländern, gelten als zentrales Signal dafür, dass der Markt niedrigere Preise benötigt, um Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Besonders deutlich ist der Angebotszuwachs in den USA, wo die Flüssigförderung neue Rekordstände erreicht hat. Hinzu kommen höhere Produktionsmengen aus Brasilien sowie eine vorsichtig optimistischere Einschätzung für Venezuela, wo eine teilweise Lockerung der Sanktionen zusätzliche Investitionen ermöglichen könnte. Gleichzeitig unterstellen die Analysten, dass die OPEC vorerst keine neuen Förderkürzungen beschließt, da die Produktionsausweitungen als strategisch motiviert gelten.
Trotzdem bleibt der Ölmarkt anfällig für politische Schocks. Unterbrechungen bei sanktionierten Lieferanten könnten jederzeit zu kurzfristigen Preissprüngen führen. Goldman Sachs geht jedoch davon aus, dass die politische Präferenz der US-Regierung für niedrige Energiepreise – auch mit Blick auf die Kaufkraft der Verbraucher – den Spielraum für dauerhaft höhere Preise begrenzt.
Eine Trendwende erwarten die Analysten frühestens ab 2027. Dann dürfte das Angebot außerhalb der OPEC langsamer wachsen, während die Nachfrage weiter zunimmt. Für die zweite Hälfte des Jahrzehnts bleibt Goldman Sachs grundsätzlich konstruktiv, senkt jedoch die langfristigen Preisannahmen. Für die Jahre 2030 bis 2035 werden nun durchschnittliche Brent-Preise von 75 US-Dollar je Barrel erwartet – fünf US-Dollar weniger als zuvor.
Für Anleger bedeutet das Umfeld vor allem eines: hohe Volatilität bei insgesamt begrenztem Aufwärtspotenzial. Goldman Sachs empfiehlt daher, sich auf weiter steigende Lagerbestände und niedrige Preise einzustellen, während Produzenten ihre Erlöse gegen mögliche weitere Rückgänge absichern sollten.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
