Handel und Sanktionen
Venezuelas Öl vor dem Neustart: Warum Asien jetzt wieder zugreift!
Vitol und Trafigura sprechen mit Raffinerien in China und Indien über venezolanisches Öl. Ein erstes Signal aus Washington verändert die Dynamik im Markt.
- Vitol und Trafigura verhandeln mit Raffinerien in Asien.
- US-Genehmigung könnte venezolanisches Öl wieder beleben.
- Indische Raffinerien warten auf Klarheit aus Washington.
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Die Rohstoffhändler Vitol Group und Trafigura Group loten neue Absatzchancen für venezolanisches Öl in Asien aus. Nach Informationen von Bloomberg führen beide Häuser Gespräche mit großen Raffinerien in Indien und China. Auslöser ist eine vorläufige Genehmigung der Regierung der Vereinigten Staaten, das Rohöl wieder zu vermarkten.
Die Kontakte zu asiatischen Käufern begannen am vergangenen Wochenende. Die Gespräche befinden sich laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen noch in einem frühen Stadium. Verbindliche Angebote liegen bisher nicht vor. Vitol und Trafigura äußerten sich auf Anfrage nicht.
Asien bleibt Schlüsselmarkt
Asien war über Jahre hinweg der wichtigste Absatzmarkt für Venezuelas schwere Rohölsorte Merey. Trotz Sanktionen der Vereinigten Staaten floss der Großteil der Exporte nach China, meist mit deutlichen Abschlägen. Indien stieg zeitweise ein, nachdem eine Ausnahmegenehmigung erteilt worden war. Die Käufe endeten jedoch im vergangenen Jahr, nachdem Präsident Donald Trump einen Zoll von 25 Prozent auf Länder angekündigt hatte, die Öl aus Venezuela beziehen.
Nun wächst das Interesse erneut. Raffinerien in Indien und China prüfen laut Bloomberg einen Wiedereinstieg. In einem ohnehin gut versorgten Markt könnte venezolanisches Öl eine zusätzliche Quelle sein.
Indische Raffinerien warten auf Klarheit
Der staatliche Konzern Indian Oil gehört zu den Unternehmen, die auf eine Bestätigung aus Washington warten, um wieder Merey verarbeiten zu dürfen. Eine Stellungnahme blieb aus. Reliance Industries erklärte vergangene Woche, man warte auf Klarheit für Käufer außerhalb der Vereinigten Staaten und "würde den Kauf des Öls in konformer Weise in Betracht ziehen". Weitere Fragen ließ der Konzern unbeantwortet.
Parallel dazu sprechen Vitol und Trafigura auch mit Raffinerien in den Vereinigten Staaten, um dortiges Interesse auszuloten.
Politischer Rahmen noch offen
Unklar ist, welche Mengen tatsächlich verkauft werden könnten und ob sich die Freigabe auf eine erste Tranche beschränkt, die Trump in Aussicht gestellt hatte. Für die Händler wäre ein Deal dennoch attraktiv. Beide verfügen über langjährige Erfahrung mit venezolanischem Öl.
Vitol arbeitete zuletzt mit Lizenzen des Finanzministeriums der Vereinigten Staaten. Trafiguras globaler Ölchef Ben Luckock sagte vergangene Woche, sein Unternehmen führe Gespräche mit der Regierung über eine Rückkehr nach Venezuela. Laut einem Faktenblatt des Weißen Hauses sollen Erlöse aus den Verkäufen auf von den Vereinigten Staaten kontrollierte Konten fließen. Die Mittel sollen sowohl Venezuela als auch den Vereinigten Staaten zugutekommen.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

