Zinssenkung früher möglich?
Bitcoin verharrt – Inflationsdaten könnten den Krypto-Markt bewegen
Analysten warnen vor falsch bepreisten Zinssenkungschancen, während Bitcoin weiter seitwärts läuft und die heute anstehenden Inflationsdaten im Mittelpunkt stehen.
- Analysten warnen vor Fehleinschätzungen bei Zinssenkungen.
- Bitcoin bleibt seitwärts, Inflationsdaten im Fokus.
- Politischer Druck könnte Fed-Entscheidungen beschleunigen.
- Report: Favoritenwechsel
Der Krypto-Markt startet ruhig in den Dienstag. Bitcoin notiert am Morgen nahezu unverändert bei rund 91.950 US-Dollar, ein Plus von 0,2 Prozent. Ethereum gibt leicht nach und verliert 0,9 Prozent auf etwa 3.125 US-Dollar. Auch bei den meisten Altcoins bleibt die Bewegung begrenzt, größere Ausschläge sind lediglich bei Monero zu beobachten.
Bitcoin bewegt sich seit fast zwei Monaten in einer engen Spanne zwischen 90.000 und 94.000 US-Dollar. Gleichzeitig verharrt die implizite Volatilität nahe historischer Tiefstände, was darauf hindeutet, dass Anleger kaum mit einem größeren Impuls rechnen.
Analysten sehen Fehleinschätzung bei Zinserwartungen
Laut Analysten unterschätzen die Märkte aktuell die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Lockerung durch die US-Notenbank. "Das Risiko rund um die CPI-Veröffentlichung erscheint mir asymmetrisch, da der Markt davon ausgeht, dass es unter Powell mit rund 60 Prozent Wahrscheinlichkeit keine weiteren Zinssenkungen geben wird", schrieb Quinn Thompson, CIO von Lekker Capital.
Auch die aktuell eingepreisten rund 75 Prozent Wahrscheinlichkeit für nur eine einzige Zinssenkung vor den US-Midterms hält er für zu niedrig.
Politischer Einfluss erhöht den Druck auf die Notenbank
Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch politische Faktoren. Mit Stephen Miran, einem neuen Fed-Kandidaten aus dem Umfeld von Donald Trump, könnte der Druck auf die Notenbank weiter steigen. Analysten sehen darin ein Argument, warum die geldpolitische Linie schneller als erwartet kippen könnte.
Auch andere Marktbeobachter teilen die Einschätzung, dass die Erwartungen zu konservativ sind. "Die Märkte preisen die Chancen auf eine Zinssenkung zu niedrig ein", sagt Sean Dawson, Research-Chef bei Derive.
Schwache Arbeitsmarktdaten treffen auf zähe Inflation
Die US-Wirtschaft schuf im Dezember lediglich 50.000 neue Stellen, der schwächste Zuwachs seit Jahren. Gleichzeitig verharrt die Kerninflation bei rund 2,6 Prozent und damit über dem Ziel der Notenbank. Verzerrungen durch Zölle und Nachwirkungen des Regierungsstillstands im Vorjahr erschweren die Interpretation der Daten zusätzlich. Umso größer ist die Bedeutung der anstehenden Verbraucherpreisdaten, die als möglicher Wendepunkt gelten.
Verstärkt wird das Szenario durch politischen Druck auf die Notenbankspitze. Die strafrechtliche Klage des Justizministeriums gegen Fed-Chef Jerome Powell wird von Marktteilnehmern als beispiellos bewertet. "Das zeigt, dass Trump bereit ist, gegen jedes Fed-Mitglied vorzugehen, das seine Zinssenkungsforderungen nicht teilt", sagt Derek Lim, Research-Leiter beim Krypto-Market-Maker Caladan.
Fazit: Inflationsdaten entscheiden
Bleibt die Inflation hartnäckig hoch und zwingt die Fed zu einem weiterhin restriktiven Kurs, dürfte der Kurs von Bitcoin in seiner engen Handelsspanne gefangen bleiben. Fällt der Inflationsbericht jedoch überraschend schwach aus, könnte die derzeitige Ruhe abrupt enden. In diesem Fall droht eine schnelle Neubewertung der Zinserwartungen – mit entsprechend kräftigen Ausschlägen nach oben am Krypto-Markt.
Autor: Pascal Grunow, wallstreetONLINE Redaktion
Bitcoin wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,77 % und einem Kurs von 91.906USD auf CryptoCompare Index (13. Januar 2026, 09:08 Uhr) gehandelt.

