Volle Lager, keine Käufer
US-Sojaexporte brechen ein – Keine Entspannung für Farmer
Die US-Sojaexporte fallen weiter und die Nachfrage bleibt weg. Bei hohen Lagerbeständen, starker Konkurrenz aus Brasilien und dem Käuferstreik Chinas ist keine Entspannung in Sicht.
- US-Sojaexporte sinken, Nachfrage bleibt schwach.
- Hohe Lagerbestände und Konkurrenz aus Brasilien.
- Chinas Käufe helfen nicht, Markt bleibt unter Druck.
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Seit Monaten brodelt es am US-Sojamarkt und die neuesten Zahlen zeigen, dass keine Besserung der Lage in Sicht ist. Die Prognose für die Soja-Verkäufe im laufenden Vermarktungsjahr bis Ende August wurden um 60 Millionen Bushel gesenkt, wie das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) am Montag bekannt gab. Nach einer Rekordernte fehlt es einfach an Käufern.
Der Kern des Problems liegt im Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Erstens ist das Angebot in den USA aktuell sehr hoch. Die Sojabohnenproduktion fiel stärker aus als erwartet, zeigt der WASDE-Bericht. Und da China trotz anderweitiger Zusagen bislang nur sehr zögerlich einkauft, füllen sich die US-Lager immer weiter.
Zweitens verschärft sich die Konkurrenz aus Brasilien. Auch dort ist die Ernte größer ausgefallen als erwartet und für Käufer ist brasilianische Ware oft günstiger und logistisch attraktiver als das Angebot aus den USA. Und drittens bleibt die China-Nachfrage hinter den Hoffnungen zurück. Zwar gab es einzelne starke Verschiffungswochen, strukturell aber liegt das Exporttempo deutlich unter dem Vorjahr. In einem Markt, der stark auf China ausgerichtet ist, wiegt diese Zurückhaltung schwer.
Zwar hat der chinesische Staatskonzern Sinograin erst am Freitag 10 Schiffsladungen US-Sojabohnen mit einem Volumen von rund 600.000 Tonnen bestellt, das ist jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Lieferungen sollen überwiegend im April und Mai erfolgen, also zeitlich stark verzögert, berichtet Reuters. Die Bestellung bringt China näher an seine Zusage heran, bis Ende Februar 12 Millionen Tonnen US-Soja abzunehmen, doch für den Markt hat der Deal nur begrenzte Signalwirkung. Die Käufe dienen vor allem der staatlichen Lagerbewirtschaftung und ersetzen keine laufende Nachfrage. Zudem sind die chinesischen Lager (nicht zuletzt dank kräftiger Einkäufe in Brasilien) bereits gut gefüllt.
Die Daten vom Montag zählt zu den wichtigsten Marktereignissen im Agrarhandel des Jahres und gelten als Top-Auslöser für Preisbewegungen bei Getreide und Ölsaaten. In einem Markt, der auf konstantes Wachstum angewiesen ist, bedeutet die Senkung der Exportprognose um 3,7 Prozent gegenüber der bisherigen Erwartung eine herbe Enttäuschung. Genau deshalb war die Reaktion so eindeutig.
Der Cash-Preis für Sojabohnen sackte als Reaktion auf die Zahlen um 13,25 Cent ab, die Futures gaben je nach Kontrakt rund 12 bis 15 Cent nach. Für einen einzelnen Handelstag ist das ein außergewöhnlich starker Rückgang – kein Panikverkauf, aber ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Nachfrage bei Weitem nicht ausreicht, um das Angebot aufzufangen.
Der WASDE-Bericht bündelt Produktions-, Verbrauchs- und Lagerdaten für das gesamte Vermarktungsjahr und stellt eine fundamentale Einschätzung der Lage am Sojamarkt für Monate im Voraus dar. Entscheidend ist dabei die Prognose für die Lagerbestände zum Ende des Wirtschaftsjahres, und die wurde im Bericht um 58 Millionen Bushel heraufgesetzt. Zurückzuführen ist das vor allem auf die sinkenden Exporte. Für US-Sojafarmer ist das ein eindeutig negatives Signal: Je voller die Lager sind, umso höher ist der Druck auf die Preise.
Eine schnelle Entspannung ist nicht absehbar. Solange Brasilien reichlich liefert, China selektiv kauft und die US-Lager bis zum Bersten gefüllt sind, bleibt der Exportdruck hoch. Leidtragende sind vor allem US-Farmer, deren Margen unter fallenden Preisen leiden, sowie Logistik- und Vermarktungsketten, die auf hohe Auslastung angewiesen sind. Für den Markt insgesamt bedeutet das: Der US-Sojamarkt bleibt strukturell unter Druck – und jede Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung braucht entweder einen Nachfrageschub oder eine Angebotsdrosselung. Beides ist derzeit nicht in Sicht.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


