"Fast wie bei Viagra"
110 Millionen krank, erst 15 Millionen behandelt – hier riecht Novo das Geld
Novo Nordisk sieht einen strukturellen Shift im milliardenschweren Abnehm-Markt und rechnet damit, dass orale Präparate bis 2030 mehr als ein Drittel ausmachen werden.
- Novo Nordisk setzt auf orale Adipositas-Therapien.
- Tabletten könnten bis 2030 ein Drittel des Marktes.
- Wettbewerber investieren stark in Adipositas-Markt.
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Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk treibt den Einstieg in einen neuen Teilmarkt für Adipositas-Therapien voran und setzt dabei auf Tabletten statt Spritzen. Auf der Gesundheitskonferenz von JPMorgan in San Francisco sagte Novo-Nordisk-CEO Mike Doustdar, dass Tabletten neue Patientengruppen erschließen könnten. Derzeit würden nur 10 bis 15 Millionen Amerikaner medikamentös behandelt, obwohl rund 110 Millionen an Adipositas litten. Ein wesentlicher Grund sei die Abneigung vieler Patienten gegen Injektionen.
Novo hat Anfang Januar eine tägliche Tablettenform von Wegovy in den USA eingeführt, mit einem Einstiegspreis von 149 US-Dollar pro Monat. Der Konzern erwartet, dass orale Präparate bis 2030 mehr als ein Drittel des globalen GLP-1-Adipositasmarkts ausmachen könnten. "Wir glauben, dass die Tablette tatsächlich bis zu einem Drittel oder mehr dieses Marktes insgesamt ausmachen könnte, wenn wir weitergehen", sagte Ludovic Helfgott, Executive Vice President für Produkt- und Portfoliostrategie. Die Neubewertung spiegele ein besseres Verständnis eines zunehmend verbrauchergetriebenen Marktes wider, in dem viele Patienten die Behandlung selbst bezahlen. Laut Helfgott könnten Tabletten insbesondere Gruppen erschließen, die bislang unterrepräsentiert waren, darunter Männer und jüngere Patienten oder Menschen, die Adipositas nicht als Krankheit akzeptieren. Novo priorisiert zunächst einen starken US-Start, um Lieferengpässe wie nach der Einführung von Wegovy 2021 zu vermeiden und einen "globalen Halo-Effekt" zu erzielen.
Auch Wettbewerber und potenzielle Nachahmer positionieren sich. Pfizer sieht im boomenden Selbstzahler-Markt Parallelen zum Viagra-Geschäft der späten 1990er-Jahre. CEO Albert Bourla sagte, man habe unterschätzt, wie schnell sich dieser Markt entwickeln würde: "Jetzt sehen wir, dass das fast wie bei Viagra funktioniert, wo die Menschen bereit waren, dafür zu bezahlen und es zu kaufen, obwohl es überhaupt nicht erstattet wurde." Pfizer hat mit der bis zu 10 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme von Metsera massiv in Adipositas-Therapien investiert und plant bis Jahresende zehn Phase-3-Studien. "Wir setzen alles auf Adipositas", sagte Bourla.
Der wachsende Markt zieht auch kleinere Entwickler an. Der CEO von Viking Therapeutics, Brian Lian, sagte, das strategische Interesse an Abnehm-Medikamenten sei größer, als es nach außen wirke. "Ich denke, das Interesse ist wahrscheinlich breiter, als es sichtbar ist", erklärte er mit Blick auf mögliche Übernahmen oder Partnerschaften. Analysten schätzen den Markt bis zum Ende des Jahrzehnts auf ein jährliches Volumen von über 150 Milliarden US-Dollar.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

