Megatrend Verteidigung
Rheinmetall, Saab & Co laufen – und bleiben günstiger als die US-Konkurrenz
Europas Verteidigungswerte profitieren von langfristigen Budgets, NATO-Plänen und politischem Rückenwind. Trotz kräftiger Kursgewinne handeln sie weiter mit Abschlag gegenüber US-Rüstungsaktien.
- Verteidigungsausgaben in Europa steigen stark an.
- Geopolitische Spannungen treiben langfristigen Trend.
- Europäische Rüstungsaktien bleiben unterbewertet.
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Die stark steigenden Verteidigungsausgaben in Europa entwickeln sich nach Einschätzung von Investoren zu einem langfristigen "Megatrend". Getrieben wird diese Neubewertung durch anhaltende geopolitische Spannungen, Zweifel an der künftigen Sicherheitsrolle der USA in der NATO sowie durch konkrete militärische Eskalationen zu Beginn des Jahres 2026, darunter der Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte und neue Spannungen rund um Grönland.
Raphaël Thuin, Leiter Kapitalmarktstrategien bei Tikehau Capital, sieht darin eine strukturelle Zäsur für Europas Sicherheitspolitik. Jahrzehnte der Unterinvestition hätten zu einem "erschöpften Zustand" der europäischen Verteidigungsfähigkeit geführt. "Unabhängig von der Ukraine und unabhängig vom Friedensplan – der hoffentlich bald unterzeichnet wird – sollte dieser Trend weit darüber hinausgehen", sagte Thuin gegenüber CNBC. Die Bedrohung durch Russland werde nicht verschwinden, ebenso wenig die Notwendigkeit, militärische Fähigkeiten dauerhaft zu stärken. Zudem betonte er: "Welche Regierung auch immer als nächste an die Macht kommt, sie wird sicherlich nicht für die europäische Sicherheit aufkommen."
Die jüngsten geopolitischen Ereignisse hätten den Trend weiter beschleunigt, sagte Aneeka Gupta von WisdomTree. Die Spannungen um Grönland, die stockenden Friedensbemühungen in der Ukraine und die US-Operation in Venezuela bestätigten Europas Entscheidung, Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen und kritische Fähigkeiten stärker zu lokalisieren. Dies verstärke eine Aufrüstungspipeline in Billionenhöhe.
An den Börsen spiegelt sich diese Entwicklung deutlich wider. Seit Jahresbeginn legten europäische Rüstungsaktien kräftig zu, darunter Rheinmetall, Leonardo, Renk, Hensoldt und Saab. Der Stoxx Europe Aerospace & Defense Index schloss 2025 bereits mit einem Plus von mehr als 56 Prozent. Trotz dieser Rallye werden europäische Titel weiterhin mit einem Bewertungsabschlag gegenüber US-Rüstungsaktien gehandelt.
Langfristig stützen laut Investoren massive Ausgabenprogramme wie die 800 Milliarden Euro schwere EU-Initiative "Rearm Europe", höhere nationale Verteidigungsbudgets und der politische Wille, verstärkt privates Kapital zu mobilisieren. Helen Jewell von BlackRock betonte, dass langfristige NATO- und EU-Ausgabenpläne Verteidigungsunternehmen unabhängig von kurzfristigen geopolitischen Schwankungen unterstützen dürften.
Thuin rechnet damit, dass Europa mittelfristig 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für militärische Ausrüstung aufwendet, mit bis zu 5 Prozent inklusive Sicherheits- und Cyberausgaben. Zwar könnten Friedensfortschritte in der Ukraine kurzfristig für Kursrücksetzer sorgen, langfristig stehe jedoch der Wiederaufbau europäischer Militärkapazitäten bevor. "Raketen, Luftabwehrsysteme, Kampfflugzeuge, Kriegsschiffe – es gibt eine breite Palette von Ausrüstungsgütern, die beschafft werden müssen", sagte Thuin.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

