Jobless Recovery
Wachstum ja – Jobs nein: Das ist DAS stille Risiko für Aktien in diesem Jahr
Goldman Sachs warnt vor einer Jobless Recovery: Die Wirtschaft wächst, doch Jobs bleiben aus. KI, schwacher Beschäftigungsaufbau und Risiken könnten den Optimismus an den Aktienmärkten untergraben.
- US-Wirtschaft könnte 2026 Jobless Recovery erleben.
- Schwacher Beschäftigungsaufbau und KI als Risiken.
- Wall Street optimistisch, doch Unsicherheiten bleiben.
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Die Ökonomen von Goldman Sachs warnen davor, dass sich die US-Wirtschaft 2026 in Richtung einer sogenannten "Jobless Recovery" bewegen könnte, also einer wirtschaftlichen Erholung ohne nennenswerten Beschäftigungsaufbau. Dieses Phänomen beschreibt eine wirtschaftliche Erholung von einer Rezession, bei der das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwar steigt, aber die Arbeitslosenzahlen nicht sinken oder sogar noch ansteigen.
In einem aktuellen Kundenbericht beschreibt David Mericle, Chefökonom für die USA, solch ein Szenario, in dem das Wirtschaftswachstum anhält, ohne dass nennenswert neue Arbeitsplätze entstehen. "Wir sehen eine Phase des Wachstums ohne neue Arbeitsplätze, ähnlich wie bei der Jobless Recovery Anfang der 2000er Jahre, als plausibles Alternativszenario", sagte Mericle.
Als zentrale Risiken für den Arbeitsmarkt nennt Goldman Sachs einen schwachen Ausgangspunkt beim Beschäftigungsaufbau, eine nur langsam sinkende Zahl offener Stellen sowie Unternehmen, die verstärkt über Entlassungen nachdenken und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Senkung der Arbeitskosten vorantreiben. Mericle bezeichnete den Arbeitsmarkt für 2026 als potenziell "instabil". Zwar rechne Goldman mit einem über dem Konsens liegenden Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und einer unterdurchschnittlichen Inflation, doch bleibe der Arbeitsmarkt der größte Unsicherheitsfaktor. "Die Aussichten für den Arbeitsmarkt sind unsicherer – wir erwarten eine Stabilisierung, sehen jedoch die Möglichkeit einer weiteren Abschwächung als das Hauptrisiko für 2026", sagte Mericle.
Aktuelle Daten stützen diese Einschätzung. Im Dezember wurden lediglich 50.000 neue Stellen geschaffen und damit deutlich weniger als erwartet. Zudem wurden die Zahlen für Oktober und November um insgesamt 76.000 Stellen nach unten revidiert. In den vergangenen zwölf Monaten entstanden nur 584.000 neue Arbeitsplätze – der schwächste Zuwachs seit 2020. Gleichzeitig stieg die Zahl der Menschen, die mangels Alternativen in Teilzeit arbeiten. Während das Gesundheitswesen im Dezember den Großteil der neuen Jobs stellte, blieben andere Sektoren schwach. Besonders das verarbeitende Gewerbe baute unter dem Einfluss der Zölle der Trump-Regierung innerhalb eines Jahres 68.000 Stellen ab.
Trotz dieser Signale zeigt sich die Wall Street weiterhin bullish. Laut FactSet werden für den S&P 500 2026 in jedem Quartal zweistellige Gewinnzuwächse erwartet, mit einem Plus von 15 Prozent für das Gesamtjahr. Strategen sehen den Index zum Jahresende bei rund 8.010 Punkten.
Genau dieser Optimismus könnte jedoch durch eine "Jobless Recovery" ins Wanken geraten, selbst wenn die Federal Reserve die Zinsen weiter senkt. Tim Urbanowicz von Innovator Capital Management warnte, dass sowohl ein zu starker Aufschwung mit steigenden Anleiherenditen als auch ein beschleunigter Jobabbau durch KI erhebliche Risiken für die Märkte darstellen könnten.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
