Größter Crash seit Jahrzehnten
US-Dollar ist deutlich schwächer als viele glauben
Gemessen an seiner Bedeutung für den Welthandel war 2025 für den US-Dollar das zweitschwächste Jahr seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems. Eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht.
- US-Dollar 2025: Zweitschwächstes Jahr seit Bretton Woods.
- Stabilität täuscht: Verluste bei Schwellenländern gravierend.
- Anhaltende Dollar-Schwäche 2026, aber kein Kollaps.
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Nur auf den ersten Blick wirkte der US-Dollar zuletzt erstaunlich stabil. Seit dem Sommer 2025 bewegte sich der Dollar-Index (DXY) in einer engen Spanne, echte Trendbewegungen blieben aus. Doch dieses Bild täuscht. Der Rückgang war deutlich gravierender, als Marktteilnehmer wahrgenommen haben. Denn die Verluste der Währung verlagerten sich nur weg von den großen Industrieländern und hin zu den Schwellenländern.
Der handelsgewichtete US-Dollar, der eine deutlich breitere Entwicklung umfasst als der DXY und relevanter für globale Kapitalflüsse ist, fiel über das gesamte Jahr hinweg weiter, erklärt George Saravelos, weltweiter Leiter FX-Analyse bei der Deutschen Bank. Auf dieser Basis verzeichnete der Greenback 2025 den zweitgrößten Jahresverlust seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems Anfang der 1970er Jahre.
Dass der DXY monatelang seitwärts lief, spiegelt nur die Entwicklung des Greenback gegenüber den sechs großen Weltwährungen wider. Tatsächlich aber hat der US-Dollar seit dem Sommer vor allem gegenüber Schwellenland-Währungen und dem chinesischen Renminbi (Yuan) an Boden verloren. In der Breite war 2025 damit ein außergewöhnlich schwaches Dollar-Jahr – nur eben eines ohne dramatische Schlagzeilen.
Im Zentrum stehen mehrere Faktoren. Zum einen ist die US-Devise nicht länger die höchstverzinsliche Währung unter den großen Volkswirtschaften. Während die US-Notenbank die Zinsen gesenkt hat, bieten Länder wie Norwegen, Großbritannien und Australien höhere Renditen. Dieser Verlust des Renditevorteils entzieht dem US-Dollar einen seiner wichtigsten Stützpfeiler.
Zweitens hat sich das globale Wachstum verbreitert. Jahrelang waren die USA der klare Wachstumsmotor, inzwischen holen Europa mit fiskalischen Impulsen und Japan mit einer zyklischen Erholung auf. Da die Wirtschaft in anderen Ländern jetzt ähnlich stark wächst wie in den USA, ist es für Anleger weniger attraktiv, ihr Geld einseitig in US-Dollar anzulegen und sie diversifizieren ihre Anlagen stärker. Drittens bleibt das hohe US-Leistungsbilanzdefizit. Die USA sind auf stetige Kapitalzuflüsse angewiesen, um dieses Defizit zu finanzieren, mit anderen Worten also auf hohe Investitionen aus dem Ausland. In einem Umfeld geringerer Renditevorteile wird diese Abhängigkeit zunehmend zum Risiko.
Ein guter Frühindikator für den schwachen US-Dollar stellen die Edelmetallpreise dar. Sie zeigen Änderungen und den Start von Schwächeperioden meist besonders schnell an und legen zu, wenn das Vertrauen in Papierwährungen nachlässt. Tatsächlich notiert Gold nahe Rekordständen und auch der Silberpreis ist zuletzt regelrecht explodiert. Bemerkenswert ist zudem, dass der Greenback trotz geopolitischer Spannungen keine nachhaltige Safe-Haven-Rallye schafft.
Trotz seiner außergewöhnlichen Schwächephase kann aber (noch) nicht von einer strukturellen Abkehr vom US-Dollar gesprochen werden, sagt Deutsche-Bank-Experte Saravelos. Dazu hat er im globalen Zahlungsverkehr und als Reservewährung eine zu dominante Rolle. Eine solche Verlagerung erfolgt auch nicht über Wochen oder Monate hinweg, sondern benötige Jahrzehnte. Aber die ersten Schritte sind gemacht und eine Tendenz zeichnet sich ab.
Für 2026 erwartet die Deutsche Bank eine anhaltende Dollar-Schwäche, jedoch in gemäßigterem Ausmaß als im Ausnahmejahr 2025. Ein Kollaps steht nicht bevor. Doch die Kombination aus konjunkturellem, politischem und zinsbedingtem Gegenwind macht klar: Der US-Dollar ist verletzlicher, als es der ruhige Verlauf der letzten Monate vermuten ließ. Was bislang ein stiller Rückgang war, könnte im laufenden Jahr sichtbarer werden und sich als Trend weg von der US-Währung etablieren.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

