Zu mächtig für Drohungen

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    Ölriese weist Trump in Schranken – und steigt auf Rekordhoch

    Exxon will sich aus Venezuela heraushalten, US-Präsident Donald Trump droht mit Strafmaßnahmen. Doch an der Börse kommt die Haltung des Ölkonzerns gut an, die Aktie steigt auf ein Allzeithoch.

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    Zu mächtig für Drohungen - Ölriese weist Trump in Schranken – und steigt auf Rekordhoch

    Es ist ein ungewöhnliches Bild: Während US-Präsident Donald Trump öffentlich gegen Exxon Mobil austeilt, markiert die Aktie des größten westlichen Ölkonzerns ein neues Rekordhoch. Anleger scheinen die politische Konfrontation nicht nur zu ignorieren – sie werten sie offenbar als positives Signal. Der Grund liegt weniger in Venezuela als in Exxons grundsätzlicher Strategie.

    Auslöser war ein Treffen von rund 20 Ölmanagern im Weißen Haus, wo Exxon-CEO Darren Woods ungewöhnlich offen erklärte, Venezuela sei in seiner jetzigen Form "uninvestierbar". Zu hoch seien politische Risiken, zu unsicher Eigentumsrechte, zu schlecht der Zustand der Infrastruktur. Trump reagierte verärgert, warf Exxon vor, "zu clever" zu agieren, und drohte, den Konzern von künftigen Ölprojekten in Venezuela auszuschließen.

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    An der Börse verpuffte der Konflikt jedoch schnell. Nach einem kurzen Rücksetzer legte die Aktie zu und erreichte ein neues Allzeithoch. Für Investoren ist das kein Widerspruch. Im Gegenteil: Viele sehen in Woods’ Haltung ein Lehrbuchbeispiel für die berühmte Disziplin des "Exxon Way". Der Konzern investiert nur dort, wo langfristige Renditen, rechtliche Stabilität und operative Kontrolle zusammenkommen. Politischer Opportunismus zählt nicht dazu.

    Venezuela steht sinnbildlich für alles, was Exxon vermeiden will. Der Konzern wurde dort bereits zweimal enteignet, verlor Milliardenwerte und erhielt trotz Schiedsgerichtsurteilen nur einen Bruchteil der zugesprochenen Entschädigungen zurück. Dass Trump nun milliardenschwere Investitionen fordert, während Ölpreise um 60 US-Dollar je Barrel notieren und der globale Markt gut versorgt ist, überzeugt die Branche kaum. Selbst Trump-nahe Manager räumen ein: Es gibt keinen ökonomischen Zwang, jetzt in Venezuela aktiv zu werden. Viele sehen das Land mit seiner maroden Infastruktur eher als Milliardengrab.

    Exxon Mobil

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    Stattdessen punktet Exxon mit einem Portfolio, das die Wall Street überzeugt. Der Konzern verdient entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Förderung über Raffinerie bis Chemie. Vor allem zwei Regionen gelten als Gelddruckmaschine: das Permian Basin in Texas und New Mexico sowie das Offshore-Geschäft vor Guyana. Dort ist Exxon zum Schlüsselakteur aufgestiegen. Laut der Energy Information Administration zählt Guyana inzwischen zu den wichtigsten Wachstumstreibern der globalen Ölversorgung – maßgeblich dank Exxons Investitionen.

    Für Anleger kommt ein weiterer Punkt hinzu: Trumps Wunsch nach einem Ölpreis von 50 US-Dollar gilt in der Branche als kaum tragfähig. Ein solcher Preis würde Investitionen bremsen, das Angebot verknappen und letztlich wieder höhere Preise nach sich ziehen. Exxon profitiert von dieser Logik. Das Unternehmen ist groß genug, um niedrige Preise zu überstehen – und diszipliniert genug, um kein Kapital in politisch riskanten Großprojekten zu binden. Einige kleinere Schieferöl-Produzenten, die bereits beim jetzigen Ölpreis kurz vor dem Bankrott stehen, dürften hingegen das Nachsehen haben.

    Der offene Widerspruch gegenüber dem Weißen Haus wird nicht als Gefahr gesehen, sondern als Beweis für Exxons Verhandlungsmacht. Während kleinere Anbieter auf politische Zugeständnisse angewiesen sind, kann sich Exxon Zurückhaltung leisten. Genau das honoriert der Markt. Das Rekordhoch ist weniger ein Votum gegen Trump – als ein Vertrauensbeweis in ein Geschäftsmodell, das sich nicht von kurzfristiger Politik treiben lässt.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


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    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
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