Börse überbewertet
Aktien teuer wie nie? Die unbequeme Wahrheit für Anleger
Die Aktienmärkte sind historisch teuer. Viele erwarten den großen Knall. Doch die Daten erzählen eine andere Geschichte. Wo das wahre Risiko für Anleger liegt.
- Aktienmärkte teuer, aber kein sofortiger Rückgang.
- Shiller-KGV zeigt Überbewertung, langfristige Stabilität.
- Hohe Bewertungen schränken zukünftige Renditen ein.
- Report: Favoritenwechsel
Das Shiller-KGV signalisiert derzeit eine ausgeprägte Überbewertung an den Aktienmärkten. Ein unmittelbarer Kursrückgang lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Darauf verweist Birgit Henseler von der DZ Bank in einer aktuellen Analyse.
Das Shiller-KGV ist eine langfristige Bewertungskennzahl für Aktienmärkte. Man nutzt sie, um einzuschätzen, ob Aktien teuer oder günstig sind. Es zeigt, wie viele Jahre Gewinne Anleger im Schnitt im Voraus bezahlen.
Hohe Bewertungen können über Jahre bestehen bleiben. Sie werden von Liquidität, niedrigen Risikoprämien und stabilen Gewinnerwartungen getragen. Das Shiller-KGV eignet sich daher nicht als Timing-Instrument. Gleichzeitig steigt bei sehr hohen Niveaus die Wahrscheinlichkeit, dass die Renditen in den kommenden Jahren unter dem historischen Durchschnitt liegen.
Auffällig ist die Dauer der aktuellen Phase. Seit rund zehn Jahren liegt das Shiller-KGV durchgehend deutlich über seinem langfristigen Mittel. Eine so lange Phase erhöhter Bewertungen ist historisch selten. Statistische Auswertungen sprechen für einen Strukturbruch seit Ende der 1990er Jahre, wodurch frühere Bewertungsmaßstäbe nur noch eingeschränkt vergleichbar sind.
Als Treiber nennt die DZ Bank vor allem den technologischen Wandel. Immaterielle Vermögenswerte, Plattformmodelle und Netzwerkeffekte erhöhen die Planbarkeit künftiger Erträge und rechtfertigen höhere Multiplikatoren. Hinzu kommen strukturell niedrigere Realzinsen, die den Barwert zukünftiger Gewinne erhöhen.
Auch die Zusammensetzung der großen Aktienindizes hat sich verändert. Technologie- und wachstumsstarke Unternehmen haben heute ein deutlich höheres Gewicht. Besonders die Magnificent Seven treiben den Indexmultiplikator nach oben, ohne gemessen an der eigenen Historie extrem bewertet zu sein.
Trotz des strukturell höheren Bewertungsniveaus bleibt das aktuelle Niveau ambitioniert. Für Anleger gilt daher: Hohe Bewertungen sind kein Signal für einen sofortigen Einbruch, begrenzen aber das langfristige Renditepotenzial. Märkte können lange teuer bleiben. Der Preis dafür sind meist niedrigere Erträge über die Zeit.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
