Kein "sicherer Hafen"
Warum Gold zur Absicherung und als Inflationsschutz ungeeignet ist
Gold gilt vielen als ultimative Absicherung gegen Krisen, Inflation und politische Risiken. Doch Goldman Sachs schlägt Alarm – und stellt den Mythos vom sicheren Hafen grundsätzlich infrage.
- Goldman Sachs warnt vor Gold als Krisenschutz.
- Gold zeigt hohe Volatilität, oft keine Stabilität.
- Aktien übertreffen langfristig Gold bei Erträgen.
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Gold erlebt einen Höhenflug, wie es selbst alte Hasen überrascht. Der Preis klettert von Rekord zu Rekord, getrieben von geopolitischen Spannungen, massiven Käufen der Notenbanken und der Hoffnung auf Zinssenkungen. Viele Anleger nutzen das Edelmetall als Schutzschild für ihre Portfolios. Doch genau hier setzt die Kritik von Goldman Sachs an: Die Investmentstrategen der Bank halten Gold für eine problematische Absicherung.
In ihrem Ausblick für 2026 weist das Wealth-Management-Team von Goldman darauf hin, dass Gold historisch alles andere als stabil war. In früheren Zyklen kam es zu tiefen und langanhaltenden Rückschlägen – im Extremfall von bis zu 70 Prozent. Zum Vergleich: Der breite US-Anleihemarkt verlor in Stressphasen maximal rund 18 Prozent. Für ein Asset, das als Sicherheitsanker gilt, ist diese Volatilität bemerkenswert hoch.
Quelle: Goldman Sachs.
Noch schwerer wiegt ein strukturelles Argument: Gold schützt Inflation nur unzuverlässig. Über rollierende 20-Jahres-Zeiträume lieferte das Edelmetall laut Goldman nur in etwa der Hälfte der Fälle reale Erträge. US-Aktien hingegen übertrafen in jedem dieser Zeiträume die Inflation. Für Goldman ist das ein klarer Befund: Langfristig folgt der Aktienmarkt den Unternehmensgewinnen – nicht der Angst.
Quelle: Goldman Sachs.
Diese nüchterne Einschätzung steht im starken Kontrast zum aktuellen Anlegerverhalten. Allein am Montag floss fast eine Milliarde US-Dollar in der SPDR Gold Shares, den weltweit größten Gold-ETF. Damit drehten die Nettozuflüsse für 2026 wieder ins Plus. Der Fonds hatte bereits 2025 um fast 64 Prozent zugelegt – der stärkste Jahresanstieg seit seiner Auflegung. Auch 2026 läuft bislang besser als der US-Aktienmarkt.
Unterstützung bekommt das Gold-Lager von anderer Seite. Das Wells Fargo Investment Institute erwartet weiteres Aufwärtspotenzial, wenn auch langsamer als im Vorjahr. Genannt werden geopolitische Risiken, aggressive Goldkäufe der Zentralbanken und mögliche Zinssenkungen der Federal Reserve. Ein stabiler US-Dollar könnte den Preis zusätzlich stützen.
Goldman bleibt dennoch skeptisch. Die Strategen sind für 2026 klar in US-Aktien übergewichtet. Solange keine Rezession droht, sei es schwer zu rechtfertigen, Aktien zu meiden. Politische Unsicherheit – etwa rund um die Unabhängigkeit der Fed – ändere nichts an der grundlegenden Logik: Gewinne treiben Kurse, nicht Krisennarrative.
Unterm Strich prallen zwei Denkschulen aufeinander. Für viele Anleger ist Gold ein emotionaler Schutz gegen Kontrollverlust. Für Goldman ist es ein hochvolatiles Asset mit zweifelhaftem Diversifikationseffekt. Der aktuelle Boom könnte sich daher als trügerisch erweisen – vor allem für Investoren, die Gold weniger als taktische Wette, sondern als langfristigen Sicherheitsanker betrachten.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

