Finanzriesen im Aufwind
Rekorde, Rückkäufe, Rückenwind: Was die US-Giganten jetzt planen
Wells Fargo und die Bank of America wachsen deutlich, Citi legt operativ zu, wird im Quartal aber von Altlasten gebremst. Was die Zahlen für 2026 verraten.
- Wells Fargo und Bank of America steigern Gewinne deutlich.
- Citigroup wächst operativ, leidet aber unter Altlasten.
- 2026: Operatives Umfeld stabil, Risiken durch Kosten.
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Die Berichtssaison der großen US-Banken beginnt mit klaren Signalen. Nach den Quartalszahlen von JPMorgan am Dienstag öffnen nun auch Wells Fargo, die Bank of America und die Citigroup ihre Bücher. Wells Fargo und die Bank of America steigern Gewinne und Volumen. Citigroup wächst im Kerngeschäft, wird aber von Sondereffekten gebremst.
Wells Fargo: Ende der Fesseln, mehr Tempo
Wells Fargo meldet für das vierte Quartal 2025 einen Nettogewinn von 5,4 Milliarden US-Dollar. Ohne Abfindungskosten läge der Gewinn bei 5,8 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz steigt um 4 Prozent auf 21,3 Milliarden US-Dollar. Die Zinserträge wachsen um 4 Prozent auf 12,3 Milliarden US-Dollar. Die Gebühreneinnahmen steigen um 5 Prozent auf 9,0 Milliarden US-Dollar. Die Kosten sinken um einen Prozent.
Chef Charlie Scharf verweist auf einen Wendepunkt. "Die starke finanzielle Performance, die Aufhebung der von der Federal Reserve auferlegten Obergrenze für Vermögenswerte, die Beendigung mehrerer Einverständniserklärungen und das stärkere Wachstum sowohl in unserem Privatkunden- als auch in unserem Geschäftskundenbereich machen mich stolz auf unsere Ergebnisse für 2025." Er hebt neue Ziele hervor. "Wir haben unser bisheriges ROTCE-Ziel von 15 Prozent erreicht und uns ein neues mittelfristiges Ziel von 17 bis 18 Prozent gesetzt."
Das Wachstum kommt aus mehreren Bereichen. Neue Kreditkartenkonten steigen um mehr als 20 Prozent. Autokredite wachsen um 19 Prozent. Vermögensverwaltungsgebühren steigen um 8 Prozent. Firmenkredite wachsen um 12 Prozent. Investmentbanking-Gebühren steigen um 14 Prozent. Scharf sagt:
"Wir freuen uns darauf, nun unter gleichen Wettbewerbsbedingungen anzutreten."
Die Bank kaufte Aktien zurück und erhöhte die Dividende. An die Aktionäre flossen 23 Milliarden US-Dollar.
Bank of America: Breite Erholung trägt
Die Bank of America steigert den Quartalsgewinn auf 7,6 Milliarden US-Dollar nach 6,8 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn je Aktie steigt um 18 Prozent auf 0,98 US-Dollar. Der Umsatz wächst um 7 Prozent auf 28,4 Milliarden US-Dollar. Die Zinserträge steigen um 10 Prozent auf 15,8 Milliarden US-Dollar.
Die Rückstellungen für Kreditausfälle sinken auf 1,3 Milliarden US-Dollar. Die Kosten steigen um 4 Prozent, doch die Effizienz verbessert sich. Die Einlagen wachsen zum zehnten Mal in Folge und liegen im Schnitt bei 2,01 Billionen US-Dollar. Die Kredite steigen um 8 Prozent auf 1,17 Billionen US-Dollar. Die Kernkapitalquote beträgt 11,4 Prozent. Die Bank gibt 8,4 Milliarden US-Dollar an Aktionäre zurück.
Chef Brian Moynihan sieht Rückenwind. "Angesichts der Widerstandsfähigkeit von Verbrauchern und Unternehmen sowie der zunehmenden Fokussierung auf das regulatorische Umfeld und die Steuer- und Handelspolitik erwarten wir für das kommende Jahr ein weiteres Wirtschaftswachstum." Er ergänzt:
"Wir sind optimistisch für die US-Wirtschaft im Jahr 2026."
Finanzchef Alastair Borthwick betont die Bilanzstärke und sagt, man gehe mit Fokus auf Wachstum und Marktanteile ins neue Jahr.
Citigroup: Wachstum ja, Quartal durch Sondereffekt belastet
Citigroup meldet für das vierte Quartal 2025 einen Nettogewinn von 2,5 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 19,9 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahr lag der Gewinn bei 2,9 Milliarden US-Dollar. Belastend wirkt ein Verlust aus dem geplanten Verkauf der russischen Tochter in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar vor Steuern. Ohne diesen Effekt hätte der Gewinn bei 3,6 Milliarden US-Dollar gelegen und der Umsatz wäre um 8 Prozent gestiegen.
Die Zinserträge steigen um 14 Prozent, getragen von Markets, Services, U.S. Personal Banking, Wealth und Banking. Die operativen Kosten steigen um 6 Prozent, vor allem durch höhere Vergütungen, Rechtskosten sowie Ausgaben für Technologie. Die Rückstellungen für Kreditausfälle liegen bei 2,2 Milliarden US-Dollar. Die Nettoabschreibungen sinken um 2 Prozent. Die durchschnittlichen Kredite steigen um 7 Prozent auf 737 Milliarden US-Dollar. Die durchschnittlichen Einlagen wachsen um 8 Prozent auf rund 1,4 Billionen US-Dollar. Die harte Kernkapitalquote liegt bei 13,2 Prozent. Es fließen rund 5,6 Milliarden US-Dollar an Aktionäre.
Für das Gesamtjahr 2025 steigt der Gewinn auf 14,3 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 85,2 Milliarden US-Dollar. Ohne Sondereffekte läge der Jahresgewinn bei 16,1 Milliarden US-Dollar. Chefin Jane Fraser betont den Fortschritt:
"Mit Rekordumsätzen und einer positiven operativen Hebelwirkung in allen fünf Geschäftsbereichen war 2025 ein Jahr bedeutender Fortschritte."
Sie verweist auf Rückenwind in allen Sparten und sagt: "Wir starten mit einer sichtbaren Dynamik im gesamten Unternehmen in das Jahr 2026 und sind entschlossen, unser Ziel einer Kapitalrendite von 10 bis 11 Prozent für dieses Jahr zu erreichen."
Ein Signal für 2026 mit Nuancen
Wells Fargo profitiert vom Wegfall regulatorischer Fesseln und treibt das Wachstum breit an. Die Bank of America zeigt eine stabile Erholung über alle Sparten hinweg. Citi wächst im Kerngeschäft, wird im Quartal aber von Altlasten gebremst. Gemeinsam senden die drei Banken ein Signal: Das operative Umfeld trägt, doch Sondereffekte und Kosten bleiben ein Risikofaktor. Für Anleger wird 2026 weniger zur Frage des Ob, sondern des Wie stark.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
