Pilbara-Minen im Fokus
Eisenerz-Offensive: Mit diesem Deal will Rio Tinto die Stahlmärkte erobern
Rio Tinto und BHP bündeln Kräfte in Australien. Mit cleverer Infrastruktur sollen bis zu 200 Millionen Tonnen Eisenerz neue Gewinne sichern.
- Rio Tinto und BHP kooperieren in Australien.
- Bis zu 200 Millionen Tonnen Eisenerz geplant.
- Allianz stärkt Position gegen Chinas Einfluss.
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Rio Tinto und BHP Group haben angekündigt, bei neuen Projekten in Australien eng zusammenzuarbeiten, wie das Wall Street Journal berichtete. Die beiden Bergbau-Giganten wollen ihre benachbarten Yandicoogina- und Yandi-Eisenerzminen in der Pilbara-Region entwickeln, um die Produktion des Stahlrohstoffs zu steigern.
"Durch intelligenteres Arbeiten können wir die vorhandene Infrastruktur besser nutzen, um mit minimalem Kapitalaufwand zusätzliche Produktionskapazitäten zu erschließen", sagte Matthew Holcz, Leiter der Eisenerzgeschäfte bei Rio Tinto.
Die Unternehmen schätzen, dass sie auf diese Weise bis zu 200 Millionen metrische Tonnen Eisenerz gewinnen könnten, ein Teil davon wäre andernfalls nicht zugänglich gewesen.
Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen
Die Vereinbarung umfasst die Prüfung des Wunbye-Vorkommens von Rio Tinto, das direkt an BHPs Yandi-Minen grenzt. Außerdem soll untersucht werden, ob BHP Erz aus dem Yandi Lower Channel-Vorkommen an Rio Tinto liefern kann, damit es in den bestehenden Aufbereitungsanlagen verarbeitet wird. BHP selbst verfügt nicht über die nötige Infrastruktur.
"Dies ist ein klares Beispiel für Produktivität in Aktion – neue Möglichkeiten erschließen, indem wir unsere vorhandenen Ressourcen optimal nutzen", erklärte Tim Day, Leiter der Eisenerzminen von BHP in Westaustralien. Wenn die Projekte genehmigt werden, erwarten die Unternehmen, dass das erste Erz Anfang des nächsten Jahrzehnts produziert wird.
Absicherung gegen Chinas wachsende Macht
Die Allianz kommt in einer Zeit, in der beide Konzerne ihre lukrativen australischen Eisenerzoperationen gegen einen zunehmend einflussreichen chinesischen Markt absichern wollen. China kauft sieben von zehn weltweit gehandelten Tonnen Eisenerz und versucht, die Preise stärker zu kontrollieren.
BHP verhandelt seit Monaten über Eisenerzkontrakte mit China. Ein staatlich geführter Käufer überwacht nun den Großteil der Einkäufe für chinesische Stahlwerke. Analyst Kaan Peker von RBC Capital Markets hatte zuvor in einer Studie angeregt, dass eine Allianz der Eisenerz-Riesen sinnvoll wäre, um künftige Gewinne abzusichern.
Strategische Perspektive
Rio Tinto und BHP sind nach Brasilien's Vale die größten Eisenerzproduzenten der Welt. Mehr als die Hälfte ihres Gewinns stammt aus Eisenerz, doch beide investieren zunehmend in Kupfer, das als zentraler Rohstoff für Elektroautos, Stromnetze und Datenzentren gilt.
Der BHP-Chef erklärte beim Aktionärstreffen im Oktober, das Unternehmen prüfe immer die besten Wege, Infrastruktur optimal zu nutzen, selbst wenn sie anderen gehöre. Die neue Partnerschaft knüpft an frühere Kooperationen an: 2023 hatten die beiden Konzerne bereits das Mungadoo Pillar gemeinsam erschlossen, um bislang unzugängliches Erz zu gewinnen.
Mehr als die Hälfte des weltweit verschifften Eisenerzes stammt aus der Pilbara-Region, was die strategische Bedeutung der neuen Projekte unterstreicht.
Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

